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Am Puls der Zeit bleiben

Die Frauengemeinschaft Arbon hat geschafft, was längst nicht allen Vereinen gelingt: Sie ging mit der Zeit und ist deshalb auch nach 150 Jahren solide aufgestellt.

Manuela Müller , Kim Berenice Geser

Die Geschichte der Frauengemeinschaft Arbon nahm, wenn man so will, nicht etwa am Bodensee, sondern in Bayern ihren Anfang. Dort nämlich entstand in Regensburg eine Vereinigung, die 1871 von Papst Pius IX. zur «Erzbruderschaft der christlichen Mütter» erhoben wurde. Sie sollte Mütter in ihrer religiösen Verantwortung und ihren christlichen Werten stärken. Schnell verbreitete sich das Konzept über Regensburg hinaus. Die ersten Vereine entstanden auf Initiative von bürgerlichen oder adeligen Frauen, die hauptsächlich karitative Aufgaben auf lokaler Ebene übernahmen, wie Krankenbesuche, den Betrieb von Suppenküchen oder die Verteilung von Kleiderspenden. Begleitet wurden all diese Vereine von einem Pfarrer – auf die kirchliche Anerkennung wurde Wert gelegt. Er war im Vorstand des Vereins vertreten und segnete die gesamten Vereinstätigkeiten ab. 

Das Angebot wächst

In Arbon entstand der «Christliche Mütterverein Arbon-Steinach» am 5. November 1876 – gegründet mit 22 Müttern und begleitet durch Pfarrer Johann Georg Züllig. «Die Gründerinnen wollten einen Ort schaffen, an dem Mütter Glauben, Gemeinschaft und gegenseitige Unterstützung finden», erläutert Andrea Eberle, Präsidentin des Vereins, der heute unter dem Namen Frauengemeinschaft Arbon agiert.

Andrea Eberle, Präsidentin der Frauengemeinschaft Arbon, und ihre Vereinskolleginnen setzen sich mit diversen Engagements für die Bevölkerung ein.
Andrea Eberle, Präsidentin der Frauengemeinschaft Arbon, und ihre Vereinskolleginnen setzen sich mit diversen Engagements für die Bevölkerung ein.
© z.V.g.

Der Verein wuchs schnell und zählte bereits ein Jahr später 126 Mitglieder. Zu seinen festen Bestandteilen gehörten die monatliche Generalkommunion des Müttervereins, die Versammlung mit einem Vortrag des Pfarrers, das Schmücken des Herz-Jesu-Altars sowie das karitative, lokale Wirken der Frauen. Stets war frau mit helfender Hand unterwegs. Das galt vor allem in den Jahren während und nach dem zweiten Weltkrieg, in denen die Frauen strickten, nähten und über 1000 Kisten mit Hilfsgütern verteilten. 1962 änderte der Verein seinen Namen in «Frauen- und Müttergemeinschaft». Das Angebot entwickelte sich weiter. 1975 wurde das Mutter- und Kind-Turnen ins Leben gerufen, später die erste Spielsachen- und Kinderkleiderbörse durchgeführt. Im Jahr 1990 konnte mit 474 Frauen die höchste Mitgliederanzahl in der Geschichte der Frauengemeinschaft gezählt werden. 

Ein Jahr voller Höhepunkte

Die umfassende Vereins-Chronik hat das eigens zum 150-Jahr-Jubiläum gegründete OK in einer Broschüre zusammengetragen. Darin festgehalten ist auch das gegenwärtige Wirken der Frauengemeinschaft. Dieses beruht im Kern immer noch auf den Werten des Miteinanders. Doch der gesellschaftliche Wandel, die Gleichstellung und berufliche Tätigkeit der Frauen, sowie das «verflixte Katholisch», wie Eberle es nennt, veränderte in den letzten Jahren das Vereinsbild. Angebote wie das Witwenkaffee, das ökumenische Frauenfrühstück oder die Tavolata führten in den vergangenen Jahren zu einem regen Austausch und Zusammenarbeit unter Frauen – unabhängig von Religion oder Herkunft. Zudem habe man mittlerweile alle Freiheiten seitens der Pfarrei, das Programm nach den Bedürfnissen der Frauen im Verein zu gestalten. Dessen Mitgliederzahl beläuft sich auch heute noch auf stolze 176 Frauen. Und jedes Jahr kommen vier bis sechs neue dazu. Einzig im Vorstand dürften es noch etwas mehr sein, wie Eberle verrät: «Hier suchen wir schon seit langem nach neuen Kräften.» Was das Engagement des bestehenden Vorstandes allerdings nicht schmälert. «Wir möchten nach wie vor Frauen, unabhängig ihres Alters und Religion, für die Gemeinschaft begeistern und das Frauen- Netzwerk ausbauen», sagt sie. Genau deshalb hat die Frauengemeinschaft ein abwechslungsreiches Programm für das Jubiläumsjahr zusammengestellt. Dazu gehören diverse Anlässe, darunter das Frauenfest am 5. September im Strandbad, sowie zwei Wettbewerbe: ein 12-teiliges Rätsel und die Suche nach einer Idee für ein soziales Projekt in Arbon. Warum? «Weil sinnvolles Engagement einen grossen Mehrwert generiert und es auch für Arbon noch viele Projekte und Ideen gibt, die die Gesellschaft und die Solidarität stärken», ist die Präsidentin überzeugt. Um diese zu realisieren und gleichzeitig die Frauengemeinschaft lebendig, «am Puls der Zeit» und mit neuen motivierten Frauen in die Zukunft zu bringen, verspricht Eberle, alle Hebel in Bewegung zu setzen. 

Alle Infos zum Jubiläumsprogramm und den Wettbewerben gibt es auf www.fg-arbon.ch. 

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