Gekommen, um zu bleiben
Kim Berenice GeserDie 2B-Visions AG betreibt Standorte in St. Gallen, Weinfelden, Frauenfeld, Schaffhausen und Steckborn. Wieso nun die Expansion in Arbon?
Markus Ritzinger: Wir wollten eigentlich nicht grösser werden. Bekanntermassen ist die Gastronomiebranche aktuell nicht in ihrer Blütezeit. Wir sind aber überzeugt vom Arboner Standort und seinem Potenzial. Etwas vergleichbares wie unser Konzept gibt es in der Region noch nicht.
Nur zehn Minuten von hier, in Roggwil, ist das «Tres Amigos» seit Jahren in der Region verankert und bietet eine ähnliche Speisekarte an.
Das «Tres Amigos» lässt sich nicht mit uns vergleichen. Das US-Mex Konzept ist anders.
Inwiefern?
Uns zeichnet aus, dass wir nur frisches Gemüse und ausschliesslich Fleisch aus der Schweiz verwenden. Trotzdem schaffen wir ein Preis-Leistungs-Verhältnis, das unseren Gästen ermöglicht, jeden Tag hier zu essen ohne Bankrott zu gehen. Wir machen das über die Masse – hohe Frequenzen ermöglichen uns tiefe Margen. Darum war es uns auch wichtig, dass wir einen grossen Aussenbereich bewirtschaften können. Denn die knapp 65 Innenplätze sind für ein rentables US-Mex eigentlich zu wenig. Im Aussenbereich werden wir kommenden Sommer 300 Plätze zur Verfügung haben, weil wir einen Teil der Wiese bespielen können.
«Wenn wir die Qualität auf den Tisch bringen, kommen auch die Gäste hierher»
300 Plätze ist eine Menge. Gibt die Frequenz das tatsächlich her?
In Frauenfeld haben wir eine Terrasse mit vergleichbarer Grösse, die füllen wir im Sommer.
Arbon ist nicht Frauenfeld. Dort liegt der US-Mex Standort sehr zentral. Am Seeparksaal führen keine Hauptverkehrsachsen vorbei.
Wir sind uns bewusst, dass wir uns den Erfolg erarbeiten müssen. Aber wenn wir die Qualität auf den Tisch bringen, kommen auch die Gäste hierher. Im Sommer sind Events geplant, die Frequenz schaffen. Und wir machen das jetzt ja auch schon eine gewisse Zeit. Die Strandbar in Steckborn beispielsweise betreiben wir seit 2014. Wenn ich sehe, wie sich diese entwickelt hat, bin ich mehr als hoffnungsvoll für Arbon. Dieser Standort ist optimal. Er hat Abendsonne, eine wunderschöne Aussicht, Parkplätze sind immer vorhanden und wir haben sieben Tage die Woche, 365 Tage im Jahr geöffnet. Unsere Gäste wissen: Wenn sie hierherkommen, können sie einkehren. Aus eigener Erfahrung weiss ich, dass genau das hier oft fehlt.
Standen Sie hier schon vor verschlossenen Türen?
Wir waren vor drei, vier Jahren schon einmal an einem anderen Objekt in Arbon interessiert. Die Begehung fand am 23. Dezember statt. Bei der 2B Family einer der am besten frequentierten Tage im Jahr. Aber als wir hier im Anschluss noch etwas essen wollten, waren alle Lokale geschlossen. Das war für mich ein Schlüsselerlebnis. Ich bin deshalb überzeugt, unser Konzept mit 365 Öffnungstagen wird hier geschätzt werden.
Erste Erfahrungen konnten Sie im Sommer mit dem Pop-Up ja schon sammeln. Wie lautet Ihr Fazit?
Die Menschen waren «gwunderig». Wir haben viel positives Feedback erhalten und die Abende waren schon recht erfreulich. Tagsüber war es diesen Sommer einfach zu warm. Dennoch war das Potenzial bereits erkennbar.
Die Eröffnung war auf August geplant. Was kam dazwischen?
Die Vertragsvereinbarungen mit der Stadt haben länger gedauert als geplant unter anderem wegen der Wiese. Dass wir einen Teil davon bespielen können, war für uns eine Vertragsbedingung. Dafür musste eine Ausgleichsfläche gefunden werden. Dann kamen die Umbauarbeiten hinzu, inklusive der nötigen Feuerschutz-Massnahmen im Bereich des Lokals. Es hat zwar alles länger gedauert als geplant, dafür stimmt die Qualität.
Steht man jetzt im Lokal, ist es nicht wiederzuerkennen. Wie viel wurde investiert?
400’000 bis 500’000 Franken. Die Stadt übernimmt als Vermieterin die Erneuerung der Gastroküche, die Instandsetzung der technischen Infrastruktur und der Brandschutz-Massnahmen, wir den Innenausbau. Unter dem Strich ist es in etwa 50:50.
Sie haben mit der Stadt einen Vertrag über fünf Jahre mit der Option zweimal um weitere fünf Jahre zu verlängern. Was passiert danach?
Danach verhandeln wir neu. Wir sind gekommen, um zu bleiben. Wir haben noch nie einen Standort wieder geschlossen.