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«Wenn nicht jetzt, wann dann?»

Mit der Übernahme der Kurt Eberle AG Roggwil haben Stefan Schweizer und Marcel Brunschwiler Anfang 2025 nicht nur eine Firma übernommen, sondern auch Verantwortung für Mitarbeitende, Kunden und eine langjährige Unternehmensgeschichte. Im Gespräch erzählen sie von Druck, schlaflosen Nächten – und warum der Schritt trotzdem richtig war.

Manuela Bruhin

Stefan Schweizer und Marcel Brunschwiler, Sie haben Anfang 2025 nicht einfach einen neuen Job übernommen – sondern gleich Verantwortung für Maschinen, Mitarbeitende, Kunden und eine ganze Firmengeschichte. Wie fühlt sich das an?

Stefan Schweizer: Der Job selber war nicht neu. Ich arbeite seit rund 20 Jahren als Disponent in der Firma. Deshalb war das Gefühl im Alltag zunächst nicht gross anders. Was dazukam, war der Druck, dass alles läuft. Die Verantwortung liegt jetzt bei uns.

Marcel Brunschwiler: Ich bin sogar schon seit 23 Jahren in der Firma. Die ersten sieben Jahre war ich als Baumaschinenführer auf den Baustellen unterwegs, bevor mir Kurt Eberle die Chance gab, als Bauführer zu arbeiten. Als die ersten Gespräche zur Übernahme stattfanden, war ich zunächst skeptisch. Heute fühlt es sich aber richtig an.

Hand aufs Herz: Gab es einen Moment, in dem Sie dachten: «Bin ich eigentlich verrückt, so eine Firma zu übernehmen?»

Schweizer: Nicht wirklich. Ich habe schon als Kind bei meinem Vater gearbeitet und mich eigentlich nie in einer anderen Branche wohlgefühlt. Ich hatte von Anfang an ein gutes Gefühl – und das ist auch nach eineinhalb Jahren noch so.

Brunschwiler: Wegen meines Alters schon eher. Mit knapp 60 Jahren eine Firma zu übernehmen, ist nicht gerade üblich. Viele denken in diesem Alter eher an die Pensionierung.

Sie waren bereits langjährige Mitarbeiter der Firma. Wann wurde aus «hier arbeite ich» plötzlich «hier trage ich Verantwortung»?

Schweizer: Ab dem Zeitpunkt, als die Gespräche zur Übernahme konkreter wurden. Danach ging alles ziemlich schnell. Sobald man die ersten eigenen Entscheide trifft, merkt man plötzlich, dass diese Konsequenzen haben können.

Brunschwiler: Das sehe ich ähnlich. Zwischen den ersten Gesprächen und der Unterschrift lagen nur etwa vier Monate. In dieser Zeit gingen einem diese Gedanken oft durch den Kopf. Heute fühlt es sich fast normal an.

Man will nicht nach einem Jahr feststellen müssen, dass das Geschäft nicht so läuft wie erhofft.
Marcel Brunschwiler

Die Kurt Eberle AG ist in der Region stark verwurzelt. Spürt man bei einer Übernahme auch Druck, eine Tradition weiterzuführen?

Schweizer: Ja und nein. Natürlich will man ein erfolgreiches Geschäft weiterführen. Gleichzeitig muss man sich auch überlegen, was man verändern kann, damit die Firma langfristig erfolgreich bleibt.

Brunschwiler: Für mich ist weniger die Tradition der Druckpunkt, sondern eher die finanzielle Verantwortung. Man will nicht nach einem Jahr feststellen müssen, dass das Geschäft nicht so läuft wie erhofft.

Was war im ersten Jahr die grösste Überraschung?

Schweizer: Negativ überrascht hat mich sicher der administrative Aufwand. Es gibt unglaublich viele kleine Dinge, die erledigt werden müssen – von Bewerbungsgesprächen bis zu Behördengängen. Positiv war für mich der Umbau der Zufahrt zum Entsorgungscenter.

Brunschwiler: Für mich war positiv, dass ich Entscheide nun selbstständig treffen kann.

Gab es einen Moment, in dem Ihnen bewusst wurde: «Jetzt ist es wirklich meine Firma»?

Schweizer: Definitiv an jenem Tag, an dem wir den Vertrag unterzeichnet haben.

Brunschwiler: Ja, das war bei mir genauso.

Es gibt Tage, an denen man die Arbeit mit nach Hause nimmt, weil man sich Gedanken macht, ob alles so läuft, wie man es sich vorstellt.
Stefan Schweizer

Sie übernehmen ein Unternehmen in wirtschaftlich anspruchsvollen Zeiten. Warum war trotzdem jetzt der richtige Zeitpunkt?

Schweizer: Wenn nicht jetzt, wann dann? (lacht)

Brunschwiler: Für mich war der Reiz entscheidend, selbst Verantwortung übernehmen und etwas gestalten zu können.

Welche Werte möchten Sie bewahren, wo wollen Sie neue Akzente setzen?

Schweizer: Die Arbeitsmoral und die Flexibilität der Firma möchte ich unbedingt erhalten. Wir wollen weiterhin schnell und lösungsorientiert arbeiten. Gleichzeitig wünsche ich mir, dass die Kurt Eberle AG nicht nur als Firma wahrgenommen wird, die Lärm und Dreck macht, sondern als moderner Dienstleister – besonders im Bereich unseres Entsorgungscenters.

Brunschwiler: Mir ist wichtig, das gute Verhältnis zu den Mitarbeitenden weiterzuführen und zu pflegen.

Wie verändert eine Geschäftsübernahme das Privatleben?

Schweizer: Es gibt Tage, an denen man die Arbeit mit nach Hause nimmt, weil man sich Gedanken macht, ob alles so läuft, wie man es sich vorstellt. Trotzdem gehe ich jeden Morgen motiviert zur Arbeit.

Brunschwiler: Es gibt schon Nächte, in denen einen Probleme beschäftigen. Am Wochenende kann ich aber gut abschalten.

Wenn wir dieses Interview in fünf Jahren nochmals führen: Woran würden Sie erkennen, dass die Übernahme ein Erfolg war?

Schweizer: Natürlich daran, dass die Firma finanziell gesund dasteht und wir weiter investieren können. Aber auch daran, dass wir ein gutes Team haben, die Arbeit funktioniert und die Freude am Beruf erhalten bleibt.

Brunschwiler: Entscheidend ist, wie sich die Firma entwickelt hat.

Kultur auf dem Werkhof

Seit der jüngsten Vergangenheit ist der Werkhof der Kurt Eberle AG wiederholt Austragungsort kultureller Veranstaltungen. So auch dieses Wochenende, wenn das Sinfonische Orchester Arbon bereits das zweite Jahr in Folge sein Sommerkonzert auf dem Areal spielt. Die Vorstellungen finden heute Freitag und morgen Samstag, 14. und 15. August statt. Unter dem Titel «Epic Rock Symphony» spielt das Orchester gemeinsam mit der Jam’s Band und Chor von Eva Gschwend, der Tochter von
Dirigent Leo Gschwend. Mehr Infos sowie Tickets gibt es online auf
orchesterarbon.ch.

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