«Wir schinden Eindruck»
Kim Berenice GeserPeter Gubser, vor fünf Jahren haben Sie den Oberthurgauer Museumstag ins Leben gerufen. Abgesehen von Ihrem musealen Hintergrund – was hat Sie dazu bewogen?
Der Regierungsrat hatte damals entschieden, dass das neue Kantonale Museum nach Arbon kommen soll und dafür die Webmaschinenhalle im Saurer WerkZwei gekauft. Zur Realisierung dieses Projekts braucht es aber einen Millionen-Kredit, dem nicht nur Regierungsrat und Grosser Rat, sondern vor allem auch die Bevölkerung zustimmen muss. Und damit so ein Kulturprojekt beim Volk ankommt, braucht es breite Unterstützung. Das wollte ich mit dem Museumstag vorbereiten. Für ein Projekt dieser Grössenordnung kann man nicht erst zwei, drei Monate im Vorfeld Abstimmungskampf betreiben. Man muss das Terrain von langer Hand vorbereiten, damit vor allem auch der Oberthurgauer begeistert ist von seiner Museumslandschaft.
Nun ist es aber so, dass der Regierungsrat das Projekt aus finanziellen Gründen auf die lange Bank geschoben hat. Gemäss aktueller Planung geht man von einer Realisierung zwischen 2034 und 2037 aus. Hat das Auswirkungen auf den Oberthurgauer Museumstag?
Ich finde es höchst bedauerlich, wie dieses Projekt hinausgeschoben wurde. Meines Erachtens liegt das auch daran, dass die übrigen Kantonalen Museen nicht interessiert sind an einem weiteren Standort so weit weg von Frauenfeld. Um aber auf Ihre Frage zurückzukommen: Weil das Ziel des Kantonalen Museums in Arbon in weite Ferne rückte, wurde kurzzeitig auch die Zukunft des Museumstages infrage gestellt. Inzwischen hat sich der Anlass aber für alle beteiligten Museen zu einer so guten Sache entwickelt, dass alle unisono daran festhalten wollen.
Ein Erfolg also, wenn auch nicht der ursprünglich erstrebte ...
Ja, wir hatten jedes Jahr wesentlich mehr Besuchende als im Vorjahr. Bei der vierten Durchführung vor einem Jahr kamen wir auf rund doppelt so viele Besuchende wie beim ersten Mal.
Sie waren bis anhin die treibende Kraft hinter dem Anlass. Diesen Sonntag, 3. Mai, organisieren Sie ihn allerdings zum letzten Mal. Wie geht es danach weiter?
Anfang des Jahres haben sich die Geschäftsführerin der «Autobau Erlebniswelt» und der Präsident des «Locoramas» bereiterklärt, die Organisation zusammen zu übernehmen. Das finde ich eine fabelhafte Lösung, auch weil die Organisation so nach fünf Jahren von Arbon nach Romanshorn wechselt – und vielleicht ja dann in fünf Jahren nach Amriswil.
Sind mit den neuen Organisatoren auch Änderungen geplant?
Nein. Es bleibt weiterhin dabei, dass am ersten Sonntag im Mai alle teilnehmenden Museen zum halben Preis besucht werden können – beziehungsweise bis zum 16. Lebensjahr kostenlos – und dass ein Bus von Museum zu Museum fährt. Auf diesen drei Grundpfeilern baut der Anlass auf und das ist ausreichend.
Es wird also an der Einfachheit festgehalten?
Ja, denn es funktioniert. Und damit meine ich sowohl die Zusammenarbeit unter den teilnehmenden Museen als auch die Unterstützung durch die Gemeinden. Von diesen erhalten wir je 3500 Franken. Gemeinsam mit dem Unterstützungsbeitrag aus dem Kulturpool Oberthurgau von 5000 Franken sind unsere jährlichen Auslagen gedeckt.
Was ist Ihr persönliches Lehrstück nach fünf Jahren als Organisator?
Wie erfreulich die Zusammenarbeit unter den Museen ist. Es gibt keine Missgunst, man steht sich solidarisch bei mit dem gemeinsamen Ziel einer reichhaltigen Museumslandschaft im Oberthurgau. Und die kann sich sehen lassen. Wir haben hier Museen, die höhere Frequenz haben als die kantonalen. Unser Museumstag schindet sogar solchen Eindruck, dass Dorena Raggenbass, Präsidentin des Museumsverbunds MUSE.TG, diesen in anderen Regionen anstreben will.