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Alte Handys und neue Chancen

Während weltweit über Rohstoffe, Migration, Klimakrise und globale Ungleichheit diskutiert wird, arbeitet ein kleiner Verein aus Arbon seit Jahren ganz praktisch an Lösungen vor Ort. TECHshare verbindet Technik, Bildung und Solidarität – und zeigt mit Projekten in Afrika und der Ukraine, weshalb ausgediente Smartphones manchmal mehr bewirken können als grosse Worte.

Manuela Bruhin

Patrick Baumann von TECHshare muss kurz lachen, als er erklären soll, weshalb ein Verein aus Arbon in Afrika aktiv ist. Dann sagt er einen Satz, der hängen bleibt: «Die Schweiz hat keine Rohstoffe und ist reich; Afrika hat viele Rohstoffe und ist arm.» Für ihn steckt darin ein grundlegender Widerspruch. Europa und Amerika hätten Afrika über Jahrhunderte viel genommen – «und das Nehmen/Stehlen geschieht auch heute noch». Baumann nennt Beispiele, die ihn bis heute beschäftigen: französischer Zucker in Kamerun, obwohl dort Zuckerrohr wächst, oder subventionierte Poulets aus Europa, die lokale Produzenten verdrängen.

Digitale Brücken

Der Verein TECHshare entstand 2005, nachdem mehrere Mitglieder aus Kamerun in die Schweiz zurückkehrten. Damals war der digitale Unterschied zwischen Nord und Süd enorm. «Wir hatten uns zum Ziel gesetzt, Internet-Cafés einzurichten und Schulen mit PCs auszurüsten», erzählt Baumann.

Ausgediente Geräte erhalten durch TECHshare ein zweites Leben.
Ausgediente Geräte erhalten durch TECHshare ein zweites Leben.
© z.V.g.

Computer sollten Zugang zu Wissen ermöglichen – etwa über Wikipedia oder Lernprogramme. Heute hätten Smartphones vieles verändert. Deshalb sammelt TECHshare inzwischen vor allem gebrauchte Handys, Tablets oder Laptops.

Alte Geräte werden zu Chancen

Mit der technischen Entwicklung kamen neue Herausforderungen. «Mit den PCs, die wir nach Afrika schickten, hat sich auch das Entsorgungsproblem gezeigt», sagt Baumann. Deshalb engagiere sich TECHshare heute zunehmend im Bereich Plastik- und Abfallproblematik. Gleichzeitig unterstützt der Verein weiterhin Bildungsprojekte – etwa eine Schule in Limbe in Kamerun, wo Computer- und Solarwissen vermittelt wird. Perspektivisch sollen dort auch Automechanik, Autoelektrik oder handwerkliche Berufe unterrichtet werden.

Bildung statt klassische Hilfe

Baumann blickt auf fast 30 Jahre Erfahrung in Afrika zurück. Besonders eindrücklich sei für ihn der technologische Wandel gewesen. «Als ich 1999 das erste Mal in Kamerun war, war die Telefonie ein Desaster», erinnert er sich. Heute gebe es zwar noch immer kein funktionierendes Festnetz, dafür aber ein gutes Mobilfunknetz.

Technik und Bildung sollen vor Ort neue Perspektiven schaffen.
Technik und Bildung sollen vor Ort neue Perspektiven schaffen.
© z.V.g.

Beeindruckt hat ihn auch ein Projekt in Guinea. Dort wurden angehende Kaufleute noch an alten Schreibmaschinen ausgebildet. TECHshare ersetzte diese durch Computer. Für Baumann geht es dabei nicht um klassische Entwicklungshilfe. «Wir setzen darauf, dass Menschen Werkzeuge in die Hand gegeben werden, mit denen sie ihre Situation selbst verbessern können.»

«Ein Tropfen auf den heissen Stein»

Natürlich wisse er, dass ein kleiner Verein die Welt nicht verändern könne. «Unsere Arbeit ist ein Tropfen auf den heissen Stein», sagt Baumann offen. Trotzdem glaube er an die Wirkung kleiner Projekte. Gerade technisches Wissen sei entscheidend: «Wer in Afrika schweissen, bauen, Autos oder Computer reparieren kann, hat einen Job und somit ein Einkommen.» Von den Menschen vor Ort könne auch die Schweiz einiges lernen. «In der Schweiz spüre ich oft Unzufriedenheit», sagt Baumann. Gleichzeitig erlebe er in armen Ländern Hoffnung, Lebensfreude und Gelassenheit. Besonders beeindrucke ihn «das Leben im Hier und Jetzt». Denn: «Warum soll ich mich grämen über das, was gestern war und mir Sorgen machen, was morgen erst noch kommen könnte?»

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