Wie KI den Alltag verändert
Marcel Baumgartner
Künstliche Intelligenz ist längst kein Zukunftsthema mehr. Sie schreibt Texte, analysiert Daten, erstellt Bilder und optimiert Geschäftsprozesse – oft in Sekunden. Während Unternehmen KI bereits aktiv einsetzen, versuchen Politik, Bildung und Gesellschaft noch zu verstehen, welche Auswirkungen diese Entwicklung haben wird. «KI wird unsere Arbeitswelt sowohl schleichend verändern als auch revolutionieren», sagt Marc-Pascal Faulhaber. Kurzfristig automatisiere sie Prozesse und beschleunige Abläufe. Langfristig würden sich ganze Berufsbilder verändern. «Nicht, weil Maschinen Menschen ersetzen, sondern weil sich Rollen verändern.» Gerade in der Kommunikations- und Medienbranche sei dies bereits sichtbar. Kampagnen, für die früher grosse Teams nötig waren, könnten heute mit Unterstützung von KI deutlich schneller umgesetzt werden. Für Faulhaber ist deshalb klar: «KI ist kein Trend. Sie ist Infrastruktur.»
Chancen für kleine Unternehmen
Besonders kleine und mittlere Unternehmen könnten von dieser Entwicklung profitieren. Während grosse Konzerne traditionell über mehr Ressourcen verfügten, gewinne heute Agilität an Bedeutung. Faulhaber sieht vor allem Potenzial in drei Bereichen: Kommunikation, Automatisierung und datenbasierte Entscheidungen. KI könne Texte, Audio- oder Videoinhalte erstellen und Routinearbeiten übernehmen. Gleichzeitig lasse sich vorhandenes Datenmaterial besser auswerten. «Viele Unternehmen sammeln seit Jahren Daten, nutzen diese aber kaum», sagt Faulhaber. KI könne daraus verständliche Analysen und Prognosen ableiten – ohne grosses Spezialwissen.
Produktiver statt kleiner
Die Diskussion über künstliche Intelligenz werde häufig von der Angst vor Arbeitsplatzverlust geprägt. Faulhaber sieht dies differenzierter. Durch gezielten KI-Einsatz könnten administrative Aufgaben deutlich reduziert werden. Dadurch entstünden neue Freiräume für Wachstum, Innovation oder Kundenbetreuung. «KI kann ein Produktivitätsmultiplikator sein – nicht einfach ein Arbeitsplatzkiller», sagt er.
Risiken und Verantwortung
Mit den Chancen wachsen allerdings auch die Risiken. KI könne täuschend echte Texte, Bilder oder Videos erzeugen. Fehlinformationen liessen sich dadurch schneller und glaubwürdiger verbreiten als je zuvor. «Heute können sehr kleine Gruppen mit den richtigen digitalen Werkzeugen enorme Wirkung entfalten», erklärt Faulhaber. Gerade Behörden, Bildungseinrichtungen oder politische Institutionen müssten deshalb rasch Kompetenzen aufbauen. Auch bei der Regulierung brauche es einen Mittelweg. Zu viel Kontrolle könne Innovation bremsen, zu wenig Regulierung hingegen Vertrauen zerstören. «Offenheit bedeutet nicht Naivität», sagt Faulhaber. «Sie bedeutet Lernbereitschaft und Geschwindigkeit im Denken.»
Der Mensch bleibt entscheidend
Trotz aller technologischen Fortschritte sieht Faulhaber die Verantwortung weiterhin beim Menschen. Entwickler müssten sichere Systeme schaffen, Unternehmen die Technologie verantwortungsvoll einsetzen und die Politik klare Rahmenbedingungen definieren. «KI ist ein Werkzeug», sagt Faulhaber. «Und Werkzeuge sind nur so gut oder so gefährlich wie die Menschen, die sie benutzen.»