Das Chaos soll ausbleiben
Kim Berenice GeserEnde Februar verkündete der Steinacher Gemeinderat, den Lebensraum Gartenhof an einen externen Betreiber abgeben zu wollen. Eine Woche später wird Ihre Kündigung bekannt. Das kann kein Zufall sein.
Markus Bittmann: Dass die beiden Mitteilungen so kurz aufeinander folgten, ist tatsächlich ein unglücklicher Zufall. Ich wurde bereits im November 2025 von einem Headhunter kontaktiert. Dieser war auf der Suche nach einer neuen Leitung für eine grössere Pflegeinstitution. Der dreimonatige Rekrutierungsprozess endete erst kürzlich. Somit fiel meine Kündigung mit der Information des Gemeinderates zum weiteren Vorgehen im Gartenhof zusammen.
Sie haben aber schon im November von den Plänen des Gemeinderates bezüglich externer Betriebsführung gewusst. Darüber beriet der Rat ja bereits an seiner Klausurtagung Ende Oktober.
Das ist korrekt. Ich wusste davon.
Gründet Ihre Kündigung also darin?
Strategische Veränderungen dieser Grössenordnung lösen immer etwas aus. Insofern hatte der Entscheid des Gemeinderates sicher einen gewissen Einfluss. Allerdings war dieses Stellenangebot für mich eine Chance, die ich nicht ungenutzt lassen wollte. Immerhin darf ich noch ein paar Jahre arbeiten (lacht). Meine Kündigung ist deshalb auch nicht ein Ausdruck von Unzufriedenheit meinerseits. Ich habe die Zusammenarbeit mit der Gemeinde stets geschätzt und tue dies noch immer.
Ich will mir keine Meinung darüber anmassen, ob die Privatisierung des Gartenhofs richtig oder falsch ist.
Wären Sie auch ohne die Pläne des Gemeinderates offen für einen Wechsel gewesen?
Das ist rückwirkend schwer zu sagen – vielleicht, vielleicht auch nicht.
Befürworten Sie die Stossrichtung der Gemeinde?
Ich will mir keine Meinung darüber anmassen, ob die Privatisierung des Gartenhofs richtig oder falsch ist. Ganz grundsätzlich gilt, dass die positiven oder negativen Auswirkungen eines solchen Schrittes sehr vom gewählten Betreiber abhängen. Und im Falle des Gartenhofs werden bei der Auswahl eines Betreibers die Qualitätsanforderungen im Vordergrund stehen.
Vor Ihrem Stellenantritt 2023 prägten Führungswechsel, Covid und fehlende Strukturen den Betrieb. In den letzten Jahren kehrte Ruhe ein. Mit ein Grund, weshalb der Gemeinderat die Privatisierung jetzt angehen will – nebst den finanziellen Vorteilen, die er darin sieht.
Ich habe in meiner beruflichen Laufbahn tatsächlich schon viel erlebt. Aber so chaotisch wie zu meinen Anfängen hier war es noch selten. Das Aufräumen hat mir aber auch Spass gemacht (schmunzelt). Ich wusste von Anfang an, dass wir das als Team gemeinsam schaffen. Was ich nicht wusste, war, welche Emotionen der Lebensraum Gartenhof jeweils an Bürgerversammlungen auslöst.
In der Bevölkerung ist nun einmal der Unmut über das strukturelle Defizit des Alters- und Pflegeheims gross.
Was ich nur bedingt verstehe. Die Bevölkerung wusste vom Defizit, als sie den Neubau bewilligte. Dass dieses zu Beginn höher ausfiel als geplant, hing von verschiedenen Faktoren, wie den erschwerten Startbedingungen durch Covid, aber auch den Pflegetarifen zusammen. An diversen dieser Stellschrauben konnten wir schon erfolgreich drehen.
Bräuchte es die Privatisierung also gar nicht?
Das will ich damit nicht sagen. Ich will lediglich festhalten, dass zur Wirtschaftlichkeit eines Pflegeheimes diverse Faktoren beitragen, die bisweilen Zeit brauchen, bis sie Wirkung zeigen. Mir hat es den Anschein, das ist gewissen Wortführern an Gemeindeversammlungen nicht immer ganz bewusst. Unabhängig davon, ist es sicher richtig, dass die Gemeinde die Betriebsstrukturen prüft.
In diesem Zusammenhang kommt Ihre Kündigung zu einem ungünstigen Zeitpunkt. Eine neue Geschäftsleitung einzustellen, während zeitgleich eine neue Betriebsführung geplant wird, geht das gut?
Da bin ich sicher. Wir sind heute stabil aufgestellt, sämtliche Abläufe und Planungsinstrumente sind eingespielt. Darüber hinaus geniesst der Lebensraum Gartenhof sowohl bei den Bewohnenden wie auch den Mitarbeitenden einen guten Ruf.