Ein Jahr nach der Krise
Marcel Baumgartner
Die Krise kam nicht aus dem Nichts – aber sie traf mit voller Wucht. Im Frühjahr 2025 konnte die Forster Swiss Home AG die Löhne ihrer rund 135 Mitarbeitenden nicht mehr bezahlen. Über Wochen warteten Angestellte auf ihre April- und später auch Mai-Gehälter. Hintergrund war ein akuter Liquiditätsengpass. Geplatzte Finanzierungsdeals und das Fehlen eines neuen Investors brachten das Unternehmen an den Rand des Kollapses. Die Situation eskalierte: Mitarbeitende verloren das Vertrauen, Teile der Produktion standen still, Lieferanten stoppten Zulieferungen. Am 20. Mai 2025 folgte der nächste drastische Schritt: Das Bezirksgericht Arbon gewährte dem Unternehmen eine provisorische Nachlassstundung. Ziel war es, Zeit für eine Sanierung zu gewinnen und den Konkurs abzuwenden. Für die Belegschaft bedeutete dies vor allem Unsicherheit. Erst über die Insolvenzentschädigung des Kantons floss wieder Geld – ein deutliches Zeichen dafür, wie ernst die Lage war.
Rettung durch Übernahme
Im Sommer 2025 kam Bewegung in die festgefahrene Situation. Eine Auffanglösung wurde umgesetzt: Eine neue Gesellschaft übernahm den Betrieb per 1. Juli. Mit diesem Schritt wurde die Grundlage für einen Neustart gelegt – allerdings nicht ohne Konsequenzen. Rund ein Viertel der Belegschaft verlor den Job, alte Schulden wurden nicht in die neue Struktur übernommen. Kurz darauf wurde auch öffentlich, dass ein neuer Eigentümer und eine neue Führung den Betrieb stabilisieren sollen. Der Fokus: schlankere Strukturen, klare Positionierung und wirtschaftliche Konsolidierung.
Neuaufstellung und Strategie 26
Ein Jahr nach der Krise präsentiert sich das Unternehmen unter neuem Namen und mit angepasster Organisation. Aus der «Forster Swiss Home AG» wurde die «Forster Manufaktur AG». Das Management wurde teilweise neu besetzt, zentrale Bereiche wie Finanzen, IT und Vertrieb reorganisiert. Ziel ist es, die Marke wieder stärker auf Qualität und Handwerk auszurichten und gleichzeitig effizienter zu arbeiten.
Die Restrukturierung war tiefgreifend – und sie zeigt, dass die Krise nicht nur kurzfristig bewältigt, sondern strategisch genutzt wurde, um das Unternehmen neu zu positionieren.
Wie steht Forster heute da?
Ein Jahr nach dem Lohn-Schock ist die Situation stabilisiert, aber noch nicht sorgenfrei. Der Betrieb läuft weiter, die Produktion wurde gesichert, und die Marke besteht fort. Gleichzeitig bleiben offene Fragen: Die Reduktion der Belegschaft, der Vertrauensverlust bei Mitarbeitenden und Partnern sowie die wirtschaftliche Ausgangslage wirken nach. Die Krise hat gezeigt, wie verletzlich selbst traditionsreiche Industriebetriebe sind. Die Zukunft von Forster hängt nun davon ab, ob es gelingt, die neue Strategie nachhaltig umzusetzen – und verlorenes Vertrauen zurückzugewinnen.
Fazit
Die Ereignisse im Mai des Jahres 2025 markieren einen tiefen Einschnitt in der Geschichte von Forster. Was als Liquiditätsproblem begann, entwickelte sich innert Wochen zu einer existenziellen Krise. Heute steht das Unternehmen auf neuem Fundament – schlanker, vorsichtiger, aber auch unter Druck, den Neustart langfristig zu beweisen.