Ein Mann gegen den Kurs einer Stadt
Sabine MoosmannHerr Maurer, Sie sind in Arbon und der Umgebung als «Serien-Einsprecher» bekannt. Was ist Ihre Motivation?
Gustav Maurer: Ich bin wohl ein Einsprecher. Ich bin wohl die Opposition. Aber dies bin ich nicht aus persönlichen Gründen. Ich wohne seit über 25 Jahren in Arbon und habe es gut kennengelernt. Ich habe 60 Jahre Bauerfahrung aufgrund meiner beruflichen Tätigkeit als Architekt. Ich kämpfe für Arbon, für den Ort und die Bevölkerung. Arbon hat so viele Möglichkeiten und Potenzial und dies wird nicht genutzt. Die derzeit geplanten Projekte, wie beispielsweise das «Riva» oder der «Stadthof», entsprechen nicht dem modernen Städtebau. Wenn diese Projekte wie geplant umgesetzt werden, vergibt Arbon sehr viel, was in den kommenden Jahren und Jahrzehnten nicht mehr wieder gut zu machen ist. Die Bürokratie steht im Weg, der gesunde Menschenverstand funktioniert nicht mehr und darum läuft so vieles falsch. Ich habe nicht mehr so viel Zeit. Ich versuche etwas zu hinterlassen und etwas zu retten, damit Arbon sein Potenzial ausschöpfen kann.
Was braucht es denn Ihrer Meinung nach, damit Arbons Potenzial genutzt werden kann?
Man könnte sich beispielsweise an den Städten Konstanz, Lindau und Bregenz orientieren, die sich grossartig aufgebaut und aufgestellt haben. Arbon könnte sich zur vierten Stadt in dieser Reihe entwickeln, wenn sie ihr ganzes Potenzial ausschöpfen würde. Arbon hat eine wunderschöne Altstadt, jedoch wird sie mit der jetzigen Planung kaputt gemacht. Man sollte mit einer autofreien Altstadt beginnen. Dann sollte man die Projekte Saurer WerkZwei, den «Stadthof», das «Riva» und auch die Raiffeisenbank an der St. Gallerstrasse zusammenplanen und in einem Konzept unterbringen. Auch die Einplanung eines Hallenbads wäre essentiell. Es ist aber auch wichtig, dass nicht nur die Bauprojekte geplant werden, sondern auch ein Energiekonzept eingeplant wird. So kann eine moderne Stadt geschaffen werden.
Hinter den genannten Projekten steht eine Menge Fachpersonal wie Architekten, Planer und Bauherrschaften. Warum sind Sie der Meinung, dass diese alle inkompetent sind und nur Sie die richtige Lösung haben?
Gegen die Architekten tue ich nichts. Da sind gute und bekannte Büros am Werk. Sie haben einen Auftrag und versuchen, unter den gegebenen Bedingungen eine wirtschaftliche Lösung umzusetzen. Die geplanten Häuser funktionieren und es ist ihnen bautechnisch nichts anzulasten. Aber es ist damit nicht erreicht, was hier bei diesen Projekten eigentlich gefordert ist. Beispielsweise für das Stadthofareal braucht es eine andere Projektzusammensetzung. Wenn die Architekten einen besseren Auftrag von der Bauherrschaft erhalten würden, wären diese auch in der Lage bessere Vorschläge auszuarbeiten. Mein Problem ist jedoch mit besseren Vorschlägen derzeit nicht gelöst, da die geplanten Projekte nicht die richtige Nutzung dieser Fläche darstellen und somit Arbon sein eigenes Potenzial verschwendet.
Die Bevölkerung stimmte für den Gestaltungsplan zum Projekt «Riva» und auch für die Zonenplanänderung sowie der Änderung des Baureglements beim Stadthofareal. Dasselbe gilt auch für die Kreditvergabe zum Neubau des Schulzentrums Lärche der Sekundarschulgemeinde Arbon (SSGA). Wieso stemmen Sie sich gegen diese Projekte, obwohl oder eben gerade trotz ihrer breiten Zustimmung?
Ich respektiere die Entscheidung der Bevölkerung und dass sie diese Projekte unterstützt. Das Problem ist nur, dass sie mit diesen Projekten betrogen wurde. Man hat die Projekte besser verkauft und dargestellt als sie sind. Meine Einsprachen dienen daher dazu, dass die Bevölkerung vor diesen schlechten Projekten geschützt wird.
Sie möchten mit Ihrem Vorgehen etwas für Arbon tun. Jedoch blockieren Sie wichtige Infrastrukturprojekte und somit auch das wirtschaftliche Wachstum der Stadt. Wie stehen Sie dazu?
Ich bin nicht stolz darauf, stolz ist das falsche Wort. Aber ich bin beruhigt solange die Projekte blockiert sind und somit die schlimmsten Ideen nicht umgesetzt werden. Solange ich noch hier bin und mich wehren kann, fühle ich mich gezwungen dies auch zu tun. Es kann eigentlich nur besser werden. Und wenn ich dann nicht mehr da bin, ist es wie es ist. Aber vielleicht nimmt dann jemand meine Ideen mal auf.
Beim Projekt Neubau Lärche der SSGA haben Sie ebenfalls eine Einsprache eingereicht. Damit blockieren Sie den notwendigen Neubau. Warum?
Das Projekt ist städtebaulich nicht richtig geplant. In diesem Entwurf passt das Projekt überhaupt nicht an diesen Standort. Zusätzlich ist der geplante Bau mit der aktuellen Baulinienführung so gar nicht umsetzbar. Solche Projekte dürfen nicht so geplant werden, dass man einfach davon ausgeht, dass die Baulinien dann nach der Projektplanung dementsprechend angepasst werden. Das Projekt wäre nämlich angepasst auch mit den jetzt geltenden Vorgaben möglich.
Nach Ihrer Meinung halten sich alle nicht an die Regeln. Da Sie bei den betreffenden Projekten kein Anstösser sind, haben Sie eigentlich auch kein Einspracherecht und halten sich somit auch nicht an die Regeln. Wieso ist Ihr Verhalten trotzdem in Ordnung?
Ich bestreite, dass nur die Anstösser ein Einspracherecht haben. Das ist eine juristische Sache. Es geht um Projekte, die jeden Bürger betreffen. Beispielsweise das «Riva» ist eine Sache für alle Bürger und für die ganze Stadt. Man kann es gut oder schlecht finden. Ich bin jedoch der Meinung, dass bei solchen Projekten wie der Zentrumsplanung auf dem Stadthofareal ein öffentliches Interesse besteht und somit nicht nur die Anstösser zur Einsprache berechtigt sein sollten.