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Historisches Erbe neu erleben

Im Zentrum des Breitehofareals steht die markante Stadtvilla an der Romanshornerstrasse 4, ein Baudenkmal mit bewegter Geschichte.

Andrin Wörwag, Projektleiter, Egloff Wörwag Architects AG

Franz Josef Forster, Gründer der Forster AG, liess das repräsentative Wohnhaus zwischen 1907 und 1908 errichten. Als die Kantonsstrasse im Jahr 2011 neu trassiert und die Umfahrung der Altstadt realisiert wurde, versetzte man das Gebäude um neun Meter. Dies ist ein bautechnisches Meisterstück, das die Villa an ihren heutigen, städtebaulich exponierten Standort brachte. In den folgenden Jahren diente die Villa als Bürohaus, eine Nutzung, die ihren ursprünglichen Wohncharakter zunehmend überlagerte. Heute kehrt sie zu ihren Wurzeln zurück: Als Architekturbüro mit Spezialisierung auf denkmalgeschützte Anlageobjekte begleitet Egloff Wörwag Architects AG im Zuge der umfassenden Sanierung die Transformation des Gebäudes in ein zeitgemässes Wohnhaus mit fünf Wohnungen und einem Büro. Damit wird die ursprüngliche Bestimmung des Hauses als wirtschaftlich selbsttragendes Wohn- und Geschäftshaus wieder aufgenommen. Unter der Federführung von Egloff Wörwag Architects AG wurde die Villa in enger Zusammenarbeit mit der kantonalen Denkmalpflege, der Ortsbildkommission sowie dem Bauamt der Stadt Arbon sorgfältig saniert. Ziel war es, die ursprüngliche räumliche Qualität und Materialisierung wieder erlebbar zu machen, eine Aufgabe, die beim schichtweisen Rückbau mit bemerkenswerten Entdeckungen belohnt wurde. Hinter abgehängten Decken kamen aufwendige Deckenmalereien zum Vorschein, gerahmt von sorgfältig gearbeiteten Hohlkehlen. Die freigelegten gusseisernen Stützen im grossmassstäblichen Erdgeschoss strukturieren den Raum und verleihen ihm seinen ursprünglich industriell-repräsentativen Charakter zurück.

Besondere Sorgfalt bei der Fassade

Anhand historischer Aufnahmen und im intensiven Austausch mit der Denkmalpflege wurden die Fenstereinteilungen in ihren ursprünglichen Zustand zurückgeführt. Die Farbgebung orientiert sich am Thurgauer Farbkatalog und fügt die Villa stilgerecht in ihr historisches Umfeld ein. Ein neu hinzugefügter Balkon an der nördlichen Fassadenseite ergänzt das Erscheinungsbild nicht nur um einen zeitgemässen Aussenraum, sondern rahmt zugleich den von aussen ablesbaren Erschliessungsrisalit, ein gestalterischer Dialog zwischen Bestand und Ergänzung. Im Treppenhaus, das durch seine Buntglasfenster bereits von aussen in Erscheinung tritt, manifestiert sich der repräsentative Anspruch des Hauses besonders eindrücklich. Die vielfältigen denkmalpflegerischen Details im Innen- und Aussenraum wurden von einem Kunstmaler mit grosser handwerklicher Sorgfalt aufgearbeitet und in neuem Glanz wiederhergestellt.

Verborgenes Herzstück

Während der Arbeiten entdeckte man das verborgene Turmzimmer, was sich als Herzstück des Projekts herausstelte. Über Jahrzehnte blieb es ungenutzt und war auf seine repräsentative Aussenwirkung reduziert. Noch heute erschliesst es sich über eine in einem Wandschrank verborgene Treppe, sorgfältig instand gesetzt, aber in ihrem Wesen unangetastet. Wer sie heute besteigt, gelangt wie einst in ein stilles Refugium unter dem Dach, mit weitem Blick über den Bodensee bis zum Alpstein. Ein Ort, den nur wenige kennen – und der nun wieder erlebbar ist. Ein Projekt, das verdichtet, bewahrt und neu denkt – im Respekt vor dem Bestand und mit Blick auf morgen. Auf der benachbarten Parzelle, die heute als Parkplatz genutzt wird, soll zudem ein Neubau realisiert werden, der einerseits die noch offene Lücke entlang der Romanshornerstrasse schliesst und andererseits das letzte Stück des Sondernutzungsplans komplementiert und damit einen Beitrag innerstädtischer Verdichtung leistet.

Zusammenspiel mit der Villa

Neben dem durch den Gestaltungsplan vorgegebenen architektonischen Grundkonzept war insbesondere die Rolle des Neubaus im Zusammenspiel mit der Villa entscheidend. Ziel war es, einen ruhigen städtebaulichen Rahmen zu schaffen, der der Villa ihre gestalterische Präsenz belässt und diese gezielt unterstützt, anstatt sie zu konkurrenzieren. Entsprechend wurde die Höhenentwicklung so gestaltet, dass der Neubau klar unterhalb der Traufhöhe der Villa bleibt. Um trotz der reduzierten Gebäudehöhe die angestrebte Ausnützung zu erreichen, wird zusätzlich das Souterrain aktiviert. Dort entstehen gut belichtete Büroräume, die gleichzeitig vom Strassenlärm geschützt sind und gemeinsam mit den repräsentativen Erdgeschossflächen zur Belebung des Sockelgeschosses beitragen. In den Obergeschossen entstehen unterschiedlich konzipierte Wohnungen, die auf verschiedene Wohnbedürfnisse reagieren. Die als Maisonette ausgebildeten Dachwohnungen verfügen zudem – ähnlich wie das Turmzimmer der Villa – über einen weiten Ausblick über den Bodensee bis zum Alpstein. Das Projekt versteht sich als ökonomisch und räumlich verdichtete Ergänzung des Bestands, die durch Zurückhaltung, Klarheit und präzise Setzung einen städtebaulich stimmigen Abschluss des Ensembles entlang der Romanshornerstrasse bildet.

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