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Schulleiter Andreas Näf sagt Adieu

40-jährige Tätigkeit an einer Schule. 34 Jahre davon in Arbon. 18 Jahre als Schulleiter der Sekundarschulgemeinde Arbon. Am 3. Juli geht nicht nur für Schülerinnen und Schüler das Schuljahr zu Ende, sondern auch Andreas Näf beendet seine berufliche Tätigkeit an der SSGA. Mit dem «felix.» blickt er nochmals auf die vergangenen vier Jahrzehnte.

Sabine Moosmann

Wenn Sie auf die vergangenen 34 Jahre an der Sekundarschulgemeinde Arbon zurückblicken: Was hat sich am stärksten verändert?

Näf: Eine grosse strukturelle Veränderung stellte 2006 die Aufspaltung der ehemaligen Volksschulgemeinde Arbon in die Primar- und Sekundarschulgemeinde dar. Weiter wurde durch die Vorgabe des Kantons TG drei Jahre später die Struktur der damaligen Sekundar- und Realschule in das durchlässige System (DLS) mit Sek E und Sek G überführt. Durch die Bildung von drei gleichwertigen Sekundarschulzentren mussten Lehrpersonen mit ihren Klassen das Schulhaus wechseln, was eine durchdachte Vorarbeit benötigte und Herausforderungen für die Zusammensetzung der neuen Schulhausteams brachte.

Gibt es ein Ereignis oder eine Phase, die Ihnen besonders in Erinnerung geblieben ist?

Davon gibt es viele. In Erinnerung bleiben mir die vielen Anlässe mit allen Schülerinnen und Schülern wie die jährlich stattfindende Prome Night, die Schulabschlussfeiern oder auch die erstmalige Durchführung der Kulturwoche im vergangenen Mai, wo mehr als 450 Gäste ein Schulfest mit kulinarischen Highlights geniessen konnten. Organisatorisch und planerisch herausfordernd waren die stetig steigende Anzahl Klassen im Stacherholz von ehemals 8 bis heute auf 14 Klassen mit insgesamt rund 270 Schülerinnen und Schülern. Damit verbunden war auch immer die Herausforderung, alle zusätzlichen Stellen mit ausgebildetem Personal besetzen zu können. Zu einer spannenden Phase zählte die Aufrechterhaltung des Schulbetriebs während der 2 ½-jährigen Bauzeit mit der Erweiterung der Schulanlage im Westen und der anschliessenden Sanierung des ganzen übrigen Schulhausgebäudes. Auch die Hauptverantwortung für die Einführung des Lehrplanes VSTG (LP 21) in der ganzen SSG war eine intensive Zeit.

Welche Entwicklung im Schulwesen haben Sie als besonders positiv erlebt - und welche eher herausfordernd?

Sehr positiv bewerte ich den Übergang der Lehrpersonen vom Einzelkämpfer zur Struktur von ganzen Schulhausteams, bei denen der Austausch untereinander oder über die Schulhäuser hinweg viel weniger von Konkurrenzdenken geprägt ist. Der ehemalige Graben zwischen der ehemaligen Real- und Sekundarschule ist damit verschwunden. In Zukunft wird wohl auch weiterhin der Umgang mit digitalen Medien herausfordernd sein. Ersparen würde ich den Jugendlichen gerne gleichgültige Eltern und ein von Computer/Handy dominiertes Leben.

Was war in all den Jahren Ihr persönlich stolzester Moment?

Jährlich erfüllte es mich mit Freude, wenn alle Schülerinnen und Schüler eine Anschlusslösung und viele Jugendliche sogar ihre Traumstelle gefunden haben. Dies zeigt, dass wir die Jugendlichen richtig auf die Arbeitswelt vorbereitet haben. Es hat mich auch immer gefreut, wenn Mitarbeiter mir die Rückmeldung gegeben haben, dass sie die Teamkultur schätzten und dadurch nur wenige Kündigungen erfolgt sind. Mit dem Aufbau der TST Handball Arbon im Jahr 2012, durch die wir Jugendlichen, welche handballerisches Potential haben, eine gute Möglichkeit anbieten können, neben der Erreichung des regulären Sekundarschulabschlusses, sich in einem Talent weiter zu entwickeln, hat das Stacherholz eine zusätzliche Ausstrahlung erhalten.

Schulleiter Andreas Näf wird zum heutigen Ende des Schuljahres pensioniert.
Schulleiter Andreas Näf wird zum heutigen Ende des Schuljahres pensioniert.
© Sabine Mossmann

Was hat Sie damals motiviert, die Rolle als Schulleiter zu übernehmen?

Es war die Chance, nach 20 Jahren Klassenlehrertätigkeit eine Veränderung wahrzunehmen, ein ganzes Schulhaus in der Entwicklung mitgestalten zu können

Welche Entscheidungen waren für Sie als Schulleiter besonders schwierig?

Personelle Entscheide, welche Kündigungen mit sich brachten, waren in der Umsetzung stets herausfordernd.

Wo lag Ihr Fokus als Schulleiter?

Mein Fokus lag immer auf der Unterrichtsqualität, auf der Vermittlung von Werten und dem Bilden eines berechenbaren und verlässlichen Rahmens als Schule für unsere Schülerinnen und Schülern sowie ihren Eltern.

Wenn Sie heute nochmals vor der Berufswahl stünden: Würden Sie sich wieder für denselben Weg entscheiden oder einen anderen Beruf wählen?

Für mich hat in den vergangenen 40 Jahren sehr viel gepasst und ich bin jeden Tag gerne zur Arbeit gefahren.

Welche Veränderungen im Bildungssystem hätten Sie sich vielleicht anders gewünscht?

Der Lehrplan 21, im Kanton Thurgau Lehrplan VSTG, ist viel zu umfangreich und hätte gekürzt werden müssen. Frühfranzösisch würde ich in der PSG streichen. Welcher Lehrplan auch immer über die Schule gestülpt wird, den grössten Effekt für die Entwicklung der Schülerinnen und Schülern haben in diesen drei spannenden Entwicklungsjahren von 13 bis 16 Jahren, die Lehrpersonen; wie sie denken, welche Erwartungen sie haben. Das bringt die grössten Lernfortschritte. Mühe habe ich mit dem Wort Nachteils-
ausgleich. Ich warne vor dem Reflex, Schülerinnen und Schüler mit einer Etikette zu versehen, denn gemäss einer Studie von John Hattie (einer der einflussreichsten Bildungsforscher der Welt) hat dies einen stark negativen Effekt auf den Lernfortschritt, nicht nur bei den Eltern und Lehrpersonen, sondern auch bei den Jugendlichen selbst. Der Jugendliche muss sich gar nicht mehr bemühen, weil er eine Diagnose  für seine Schwäche hat.

Wo sehen Sie die grössten herausforderungen für die Sekundarschule in den nächsten zehn bis 20 Jahren?

Eine Herausforderung stellt für mich der Wertezerfall in der Schule dar. So zum Beispiel auch ganz einfach bei der Pünktlichkeit: Wenn vor 20 Jahren Schüler zu spät in die Schule gekommen sind, war es die Ausnahme, wenn einer nicht in die Schule gerannt ist. Heute ist es die Ausnahme, wenn ein Schüler zu spät dran ist, dass er sich überhaupt beeilt. Werte sind notwendig für eine gesellschaftliche Orientierung und einen Zusammenhalt. Ich habe den Eindruck, dass heute alles Spass machen muss. Gerade aber beim Durchhalten von Arbeiten und erfolgreichem Meistern von Herausforderungen wächst man weiter und wird widerstandsfähiger.

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