Stimmung gegen Winterweg
Kim Berenice Geser
Bild Oben: Vorschlag von Fitzi Architektur für eine mögliche Umsetzung der Seeuferrevitalisierung ohne Winterweg. Visualisierung: Fitzi Architektur, Arbon.
Am 27. September stimmt die Arboner Bevölkerung über eines der grössten Infrastrukturprojekte der letzten Jahre ab: die Sanierung und Aufwertung des Seeufers zwischen Schwimmbad und Seepark (siehe Kasten unten). Der Kredit beläuft sich auf 6,19 Mio. Franken. Wobei davon ausgegangen werden kann, dass sich Bund und Kanton nach Ende der Arbeiten mit bis zu 80 Prozent an den Kosten für die Revitalisierungsmassnahmen beteiligen werden. Abstimmen muss die Bevölkerung dennoch über die gesamte Kreditsumme. Parallel dazu kommt auch der Kreditantrag für einen Winterfussweg durchs Schwimmbad vor die Urne. Kostenpunkt: 160’000 Franken. Dieser Projektteil kommt bewusst gesondert zur Abstimmung, um das Gesamtprojekt so wenig wie möglich zu gefährden. Denn die Seeufer-Aufwertung, da ist man sich im Stadtrat und Parlament einig, die braucht es. Ganz anders gestalten sich die Fronten beim Winterweg. Bereits in der Vergangenheit scheiterte ein solches Projekt an der Urne (1988) und am Parlament (2020). Im Zuge einer umfassenden Gesamtbetrachtung wurde es jedoch bei der anstehenden Revitalisierung in die Planung miteinbezogen. Doch schon an der Parlamentsdebatte im März zeigte sich, dass ein ganzjähriger Zugang zum Badiufer ungebremst für Kontroversen sorgt.
Ruhe für die Natur
In den Sommerferien gründeten Mitglieder aus den Parteien BFA, Die Mitte, FDP, SVP und EVP sowie dem Verein Natur- und Vogelschutz Meise ein überparteiliches Komitee. Präsidiert wird das Komitee von Judith Huber (EVP).
Die Mitglieder setzen sich ausdrücklich für die Annahme der Revitalisierung des Ufers ein, lehnten aber den Winterweg konsequent ab. Die Sanierung und Revitalisierung des Seeufers schaffe einen Mehrwert für die Natur und die Badegäste und erhöhe so die Attraktivität Arbons, begründet das Komitee in einer Mitteilung und fügt an: «Ein Winterweg durch das Schwimmbad bringt aus Sicht des Komitees mehr Nachteile als Vorteile.» Konkret hätte ein solcher Weg Einfluss auf die Qualität und Ruhe des Schwimmbad-Areals, erfordere zusätzliche Ressourcen in den Bereichen Aufsicht, Unterhalt und Reinigung und verursache so, neben den Investitionskosten auch wiederkehrende Aufwendungen. Gleichzeitig werde mit einem Winterweg ein wichtiger Ruhe- und Rückzugsort für Vögel während der kalten Jahreszeit gestört. Das Komitee proklamiert, das Ziel eines attraktiven Seeufers werde auch ohne Winterweg erreicht. An einer öffentlichen Veranstaltung am Donnerstag, 20. August, von 19 bis 20.30 Uhr will das Komitee über das Projekt und seine Argumente gegen den Weg informieren. Treffpunkt ist beim Eingang des Schwimmbades. Nur wenige Tage später am Montag, 24. August, lädt die Stadt ebenfalls zu einer öffentlichen Info-Veranstaltung ein (siehe Seite 5).
Projekt Seeufer-Aufwertung in Kürze
Seit nunmehr vier Jahren sind weite Teile des Ufers im Arboner Schwimmbad gesperrt. Grund dafür sind durch Erosion erstandene Schäden an der Uferverbauung. Weil die gesetzlichen Grundlagen eine blosse Wiederherstellung des Status Quo nicht erlauben, sondern stattdessen eine Revitalisierung des Ufers erfordern, war die Erarbeitung eines umfassenden Konzeptes von Nöten. Dieses sieht unter anderem ein Flachufer über den ganzen Badi-Perimeter, einen langen Badesteg sowie eine Bucht mit vorgelagerter Insel beim Seepark vor.