Von der Backstube in die Badi
Kim Berenice GeserDie Brüder Pascal und Dominic Kölbener sowie Fabio Nagel, der in der St. Galler Filiale der Konditorei arbeitet, verköstigen nächsten Sommer die Horner Badegäste. Auf die Frage, weshalb sie sich mit dem Familienunternehmen für die Badi-Pacht beworben haben, antwortet Pascal Kölbener: «Weil wir etwas für die Gemeinde und die Familien machen wollen.» Er selbst ist Vater von zwei kleinen Kindern und regelmässiger Besucher der Horner Badi. Dort empfand er unter dem vorherigen Pächter den Betrieb des Kiosk als zu wenig kinderfreundlich. «Es fehlten Kinderportionen und die Preise waren auch nicht wirklich familienfreundlich.» Gemeinsam will das junge Team – keiner der drei ist über 35 Jahre alt – den Badi-Kiosk zu einem Treffpunkt für die ganze Gemeinde machen. Dass es eher ungewöhnlich ist, dass eine Konditorei den Gastrobetrieb eines Freibades übernimmt, weiss Pascal Kölbener. Gerade beim eigenen Unternehmen sieht er jedoch viele Vorteile sowohl für das Unternehmen selbst als auch für die Gäste. Dazu gehören für ihn unter anderem die vorhandene Gastronomie-Erfahrung mit den drei Standorten in Horn, Arbon und St. Gallen, sowie die bestehende Infrastruktur, Logistik und der Personalbestand. «Wir haben den Vorteil, dass wir alles im eigenen Geschäft produzieren», erklärt er. Dadurch könne schnell für Nachschub gesorgt und gleichzeitig die Lebensmittelverschwendung minimiert werden. Ausserdem erlaube ihnen der Saisonbetrieb, das Personal gezielt einzusetzen. «Die Sommermonate sind bei uns eher ruhig. Mit dem Badi-Betrieb verbessern wir die Auslastung.»
Badi wieder kundenfreundlich
Die von Pascal Kölbener genannten Vorteile waren auch für den Horner Gemeinderat ausschlaggebend. «Es wurden wirklich viele tolle Projekte eingereicht», freut sich Karolin Halter. Die Horner Gemeinderätin ist zuständig für das Ressort Gebäude und Anlagen und erinnert sich, dass bei der letzten Ausschreibung, direkt nach der Covid-Pandemie, weit weniger Bewerbungen eingingen.
«Umso mehr freut es uns, dass diesmal ein so grosses Interesse vorhanden war.» Dass sich der Gemeinderat unter den 30 Bewerbenden für die Chocolaterie Kölbener entschied, hing von verschiedenen Faktoren ab, erklärt sie. Unter anderem entspreche das im Konzept vorgesehene «breite und facettenreiche Angebot» aus Sicht des Gemeinderats perfekt den Bedürfnissen der Badi-Gäste – einschliesslich der Wünsche von Kindern und Familien. «Aber auch in den Bereichen Gastronomie-Erfahrung, Logistik und Personal punktete die Chocolaterie Kölbener», so die Gemeinderätin. Auf die Frage, welche Rolle die lokale Verankerung im Prozess gespielt habe, sagt sie: «Am Ende hatten wir zwei gleichwertige Projekte auf dem Tisch und haben dem lokalen Horner Betrieb den Vorrang gegeben.» Ob auch der Gemeinderat der Meinung sei, dass mit dem letzten Pächter die Familienfreundlichkeit zu kurz kam, will Halter hingegen nicht kommentieren. Sie bestätigt lediglich, dass der Vertrag nicht verlängert wurde und betont, man freue sich jetzt auf einen Pächter, der den Besuchenden ein gutes Kunden- und Badeerlebnis biete. Der neue Vertrag sieht zunächst eine Probesaison vor, gefolgt von einem Dreijahresvertrag – offenbar will die Gemeinde diesmal auf Nummer sicher gehen.