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«Wir haben alles rausgeholt»

Eine Zürcher Unternehmensgruppe soll künftig den Lebensraum Gartenhof in Steinach betreiben. Sagt das Stimmvolk ja dazu, hätte dies auch Auswirkungen auf die Organisation des Gemeinderates.

Kim Berenice Geser

Ab dem 1. April 2027 soll die Oase Service AG aus Dübendorf den Lebensraum Gartenhof im Auftrag der Gemeinde führen. Diese setzt sich seit bald zwei Jahren mit der Betriebsorganisation der gemeindeeigenen Altersinstitution auseinander. Auslöser waren einerseits das jährliche Defizit des Gartenhofs, andererseits die stetig steigenden betrieblichen Anforderungen an Pflegequalität, Personalführung und Regulierung. Der Gemeinderat prüfte verschiedene Betriebsmodelle und entschied sich diesen Februar, die Lösung mit einer externen Betreiberin weiterzuverfolgen. Insgesamt wurden sechs Unternehmen vom Gemeinderat zum Auswahlverfahren eingeladen. «Die Oase Service AG schwang bei allen Auswahlkriterien oben auf», begründet Michael Aebisegger die Wahl. Einzige Ausnahme, räumt er ein, sei die fehlende geografische Nähe. Allerdings sei das Unternehmen aktuell dabei sich in der Ostschweiz zu entwickeln.

Mieteinnahmen statt Defizit

Tatsächlich ist der Webseite der Oase Service AG zu entnehmen, dass sie neben sechs anderen Projekten derzeit auch den Bau einer Seniorensiedlung im St. Gallischen Unterwasser plant. Daneben betreibt das Unternehmen bereits an neun Standorten verschiedenste Wohnkonzepte im Bereich Wohnen im Alter, betreutes Wohnen, Pflege von betreuungsbedürftigen Personen sowie in der Langzeit- und Palliativ-Pflege. Steinach wäre der erste Betrieb, den das Oase-Unternehmen übernehmen und nicht selbst bauen würde. Um die Interessen der Steinacher Bevölkerung auch bei einer Übernahme durch eine externe Betreiberin zu gewährleisten, hat der Gemeinderat in den Worten von Aebisegger «alles herausgeholt». Konkret bedeutet dies, dass die 64 bewilligten Pflegeplätze, die geschützte Demenzabteilung und die Pflege der Bewohnenden bis zum Lebensende vertraglich gesichert sind. Zudem geniessen Einwohnende von Steinach bei der Aufnahme weiterhin Priorität.

Der Gartenhof könnte bald nicht mehr von der Gemeinde betrieben werden
Der Gartenhof könnte bald nicht mehr von der Gemeinde betrieben werden
© Archiv

Auch für die Mitarbeitenden bestehen klare Regelungen. Sie werden per 1. April 2027 von der Oase Service AG übernommen. Das bisherige Dienstalter wird angerechnet und während zwölf Monaten besteht eine Besitzstandsgarantie unter anderem für Lohn, Ferienanspruch und Beschäftigungsgrad. Zusammengefasst behält die Gemeinde so über die Leistungsvereinbarung, das Heimreglement, den Mietvertrag und ihre Aufsichtsfunktion wesentliche Einfluss- und Kontrollmöglichkeiten. Gleichzeitig entlastet die neue Betriebsform den Gemeindehaushalt finanziell: Das operative Betriebsrisiko geht auf die Oase Service AG über, während die Gemeinde neu einen vertraglich vereinbarten Mietzins von jährlich 950’000 Franken erhält (750’000 Franken im ersten Betriebsjahr). Mit diesem Betrag sind gemäss Angaben der Gemeinde sämtliche Kosten für Unterhalt, Abschreibungen und Finanzierung nachhaltig und vollständig abgedeckt.

Das letzte Wort hat das Stimmvolk

Weil mit der Übertragung der operativen Verantwortung für den Gartenhof eine wesentliche Aufgabe des Gemeinderates entfällt, will dieser auf die nächste Amtsdauer seine Organisation anpassen: Ab 2029 würde der Rat neu nur noch aus fünf statt wie heute sieben Mitgliedern bestehen. Sowohl darüber als auch über die neue Betriebsführung hat am Ende das Steinacher Stimmvolk zu entscheiden. Die ausserordentliche Bürgerversammlung hierzu findet am 29. Oktober statt. Vorab informiert der Gemeinderat am Donnerstag, 1. Oktober, um 19.30 Uhr über beide Anträge.

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