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Eine Delegation rückt an

Seit Jahren liegen sich Gionatan Capuano, Inhaber des Restaurant Rotes Kreuz, und die Stadt Arbon in den Haaren. Für den jüngsten Konflikt und entsprechende Schlagzeilen sorgte das Beleuchtungskonzept auf der Restaurant-Terrasse. Dieser Tage haben sich beide Parteien zur Lösungsfindung getroffen.

Kim Berenice Geser

Um den Konflikt zwischen Gionatan Capuano und den städtischen wie kantonalen Behörden zu verstehen, ist ein kurzer Blick in die Vergangenheit nötig. Der Ausgangspunkt der Streitereien liegt nämlich im Jahr 2017. Damals stellte Capuano in seiner Gartenwirtschaft zwei grosse Pergolen auf – ohne Baubewilligung. Obwohl die Stadt nachträglich die Pergola unter den Bäumen bewilligte, folgte ein jahrelanger Rechtsstreit durch mehrere Instanzen bis vor Bundesgericht. Denn sowohl der Wirt selbst als auch der Heimatschutz legten Beschwerde gegen diesen Entscheid ein. Nach dem finalen Urteil des Bundesgerichts musste der Wirt die Anlagen Anfang 2025 endgültig zurückbauen. Derweil machte Capuano immer wieder von sich reden, weil er der Stadt vorwarf, bei privaten Betrieben extrem streng zu sein, während städtische Gastro-Projekte am Seeufer grosszügiger behandelt würden. Gegen die städtischen Zwischennutzungen ging er auch rechtlich vor.

Drohende Schliessung wirkt

Und jetzt zurück in die Gegenwart. Hier flammte der Streit zwischen dem Gastronom und der Stadt jüngst auf, weil Capuano die verbliebenen Stützen der alten Pergola sowie die geschützten Bäume nutzt, um daran Lichter für die Gartenwirtschaft aufzuhängen. Die Stadt Arbon stufte diese Beleuchtung als rechtswidrig ein und verlangte per Verfügung den Rückbau bis Mitte Oktober 2026. Die Ortsbildkommission forderte ein offizielles Beleuchtungskonzept und den Schutz der umliegenden Bäume.

Augenschein im «Roten Kreuz» (v.l.): Mario Freda (Ortsbildkommission kurz OBK), Raphael Künzler (OBK), Christiane Heynen (Leiterin Bereich Hochbau, Stadt Arbon), Rainer Heeb (Leiter Abteilung Bau/Umwelt, Stadt Arbon), Gionatan Capuano (Inhaber «Rotes Kreuz»), Kurt Egger (Heimatschutz), Rahel Schütz (Leiterin Rechtsdienst, Stadt Arbon), Antonios Palaskas (Denkmalpflege).
Augenschein im «Roten Kreuz» (v.l.): Mario Freda (Ortsbildkommission kurz OBK), Raphael Künzler (OBK), Christiane Heynen (Leiterin Bereich Hochbau, Stadt Arbon), Rainer Heeb (Leiter Abteilung Bau/Umwelt, Stadt Arbon), Gionatan Capuano (Inhaber «Rotes Kreuz»), Kurt Egger (Heimatschutz), Rahel Schütz (Leiterin Rechtsdienst, Stadt Arbon), Antonios Palaskas (Denkmalpflege).
© z.V.g.

Aufgrund des anhaltenden Drucks, der bürokratischen Auflagen und akuten Personalmangels hat Capuano nun wiederholt erklärt, den Kampf aufzugeben. Er drohte vor zwei Wochen in der Thurgauer Zeitung damit, Restaurant und Hotel nach dem erzwungenen Rückbau der Beleuchtung auf unbestimmte Zeit komplett zu schliessen. Daraufhin hat die Stadt nun reagiert. Am Mittwoch publizierte die Medienstelle der Stadt eine Mitteilung, in der bekannt gegeben wurde, dass eine ganze Delegation bei Capuano vorstellig wurde.

Gerichtsentscheid ist bindend

«Vertretende der Stadt Arbon, der Ortsbildkommission und der kantonalen Denkmalpflege haben sich am Montag, 24. August, mit Gionatan Capuano, dem Inhaber des Hotels und Restaurants Rotes Kreuz erneut zu einem Augenschein vor Ort getroffen», teilt die Stadt mit. Vertreten war auch der Thurgauer Heimatschutz. Dabei habe man die aktuelle Situation und mögliche weitere Schritte erörtert. Nach wie vor sei man daran interessiert, «gemeinsam mit den Beteiligten nach einer langfristig tragfähigen und rechtlich zulässigen Lösung zu suchen». Die Stadt stellt aber auch klar, dass ein Erhalt oder ein Wiederaufbau der Metallkonstruktion für die Beschattungsanlage nicht mehr möglich ist. Begründet wird dies mit dem rechtskräftigen Entscheid des Bundesgerichts vom 25. Oktober 2021, der für die Stadt bindend ist. Wegen der heutigen Nutzung der verbliebenen beziehungsweise erneut erstellten Elemente für die Beleuchtung steht die Stadt seit Längerem mit dem Betreiber im Austausch. Auch die Ortsbildkommission hat die Situation mehrfach vor Ort beurteilt und – gemäss Angaben der Stadt – Capuano mögliche Lösungsansätze aufgezeigt. Um den Fall baurechtlich beurteilen zu können, sei jedoch ein vollständiges Beleuchtungskonzept notwendig. Beim Augenschein von dieser Woche wurde die Ausgangslage nun noch einmal mit den beteiligten Fachstellen diskutiert. Wie die Stadt mitteilt, bestehe Einigkeit darüber, dass die rechtskräftigen Entscheide einzuhalten seien. Gleichzeitig solle geprüft werden, welche Gestaltungsmöglichkeiten innerhalb dieses rechtlichen Rahmens bestehen und ob sich daraus ein Vorgehen entwickeln lasse, das den unterschiedlichen Anliegen «möglichst weitgehend Rechnung trägt». Die Stadt will nun prüfen, wie dieser gemeinsame Prozess ablaufen kann. Abschliessend lässt sie verlauten, ihr sei an einer attraktiven und funktionierenden Gastronomie an dieser prominenten Lage gelegen. «Ziel ist es, die verschiedenen baulichen, ortsbildpflegerischen und betrieblichen Anforderungen gesamthaft zu betrachten und nach Möglichkeit eine langfristige Lösung aufzuzeigen.»

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