Arbon plant das Seeufer neu
Sabine Moosmann
Das Seeufer entlang des Schwimmbads und des Seeparks, das zwischen 1948 und 1990 entstand, stellt derzeit ein Sicherheitsrisiko dar. Seit 2022 ist das Seeufer im Bereich des Schwimmbads aufgrund der Einbrüche in der harten Uferverbauung und der Unterspülungen gesperrt. Dadurch ist der Badebetrieb eingeschränkt und die Absperrungen wirken sich negativ auf das Erscheinungsbild aus. Die Schäden können jedoch nicht «einfach nur» behoben werden. Aufgrund der Gesetzgebung zum Gewässerschutz ist die Stadt Arbon verpflichtet, das Seeufer naturnah zu gestalten. Eine harte Verbauung wie bisher ist nicht mehr zulässig und entspricht auch nicht mehr der modernen Bauweise. «Ufersanierungen dürfen heute nicht mehr wie in den 60er oder 50er gemacht werden. Man hat erkannt, dass Beton nicht das geeignete Material ist», erklärt Projektleiter und Landwirtschaftsgärtner Kenneth Dietsche an der Informationsveranstaltung zum Projekt am Montagabend im Schwimmbad Arbon. Das Ziel des Projektes ist es, eine nachhaltige Lösung zu bauen, die den ökologischen Anforderungen entspricht und zu den Wünschen und Bedürfnissen der Bevölkerung passt. Damit das Projekt auch ein Mehrwert für die Bürgerinnen und Bürger von Arbon darstellt, wurden diese im März und April 2025 in die Planung einbezogen. Sie bekamen die Möglichkeit, ihre Ideen und Bedürfnisse einzubringen, welche dann in die weitere Projektplanung einbezogen wurden.
Was umfasst das Projekt Seeuferrevitalisierung?
Das ganze Projekt zur Seeuferrevitalisierung umfasst einen rund 550 Meter langen Uferabschnitt. Beim Schwimmbad möchte man mit einem naturnahen Flachufer mit Kiesstränden wieder mehr Seenähe und einen sicheren Zugang ins Wasser schaffen. Ein zentraler Bestandteil des Projektes ist der 43 Meter lange Steg, der den Zugang ins tiefere Wasser ermöglicht. Parallel zum Steg wird eine Rampe für den hindernisfreien Einstieg ins Wasser gebaut. Rechts und links vom Steg beziehungsweise von der Rampe werden entlang des Seeufers Sitzstufen ergänzt, um eine weitere Sitzgelegenheit in Seenähe zu schaffen. Der Steg, die Rampe wie auch die Sitzstufen werden mit Beton gebaut. Während sich der Steg vor allem an die erwachsenen Badegäste richtet, können sich die Kinder auf eine Kinderbucht mit eigenem Floss freuen. Neben weiteren Badeflossen gibt es auch einen hindernisfreien Zugang für Menschen mit eingeschränkter Mobilität.
Warum wird der Seepark in das Projekt einbezogen?
Neben der Revitalisierung des Abschnitts beim Schwimmbad wird auch der Seepark in das Projekt einbezogen, um die ökologischen Anforderungen zu erfüllen. Einerseits passiert dies, weil man beim Schwimmbad dem See Fläche wegnimmt und diese an anderer Stelle wieder ausgeglichen werden muss. Zusätzlich kann durch die Einbindung mehr revitalisierende Massnahmen die Mitfinanzierung durch Bund und Kanton erhöht werden (siehe Finanzen). Hierfür ist eine Lagune mit einer Flachwasserzone mit Schilf und Ufergehölz geplant. Mit dieser Massnahme sollen neue Lebensräume für Pflanzen und Tiere geschaffen werden. Eine vorgelagerte Insel soll das Ufer vor Wellen schützen und dient Wasservögeln als Rückzugsort. Die Insel ist keine Badeinsel und ist nicht für die Nutzung durch die Bevölkerung vorgesehen. Weitere Massnahmen umfassen die Aufwertung bestehender Uferbereiche durch Rückbau der grossen Natursteine, die dem Wellenbruch und des Uferschutzes dienen, die Anpassung von Fusswegen sowie die Förderung der Biodiversität auf den Wiesenflächen durch Neuansaaten, Strauch- und Baumpflanzungen. Die Grillstellen beim Seepark werden beibehalten, jedoch versetzt.
Geplanter Winterfussweg
Das zweite Teilprojekt, das gesondert zur Abstimmung gebracht wird, ist der geplante Winterfussweg. Dieser soll den Wöschplatz mit dem Seepark verbinden. Zusätzlich ermöglicht der Winterfussweg eine Zugänglichkeit zum Seeufer und zum Steg im Winterhalbjahr. Während der Badesaison und für die Umstellungsphasen bleibt er geschlossen.
Warum wird das Projekt in zwei Abstimmungsfragen aufgeteilt?
Aufgrund der ausführlichen Debatte an der Sitzung im März und den daraus entstandenen unterschiedlichen Haltungen, hat das Parlament entschieden, dass die stimmberechtigten Arbonerinnen und Arboner separat über den Winterweg entscheiden können. Dieser Weg wurde gewählt, damit ein Nein zum Winterfussweg nicht automatisch das Aus für die Revitalisierung bedeutet. Für den Winterweg gilt: Dieser wird nur gebaut, wenn sowohl die Revitalisierung als auch der Kredit für den Fussweg angenommen werden. Dass das Thema kontrovers diskutiert wird, zeigt sich auch in der Bildung eines Pro- und eines Kontra-Komitees. Die Befürworter begrüssen einen ganzjährigen Zugang zum Seeufer und dem Steg. Die Gegner argumentieren mit möglichen Gefahrensituationen, Natur- und Tierschutz und steigenden Kosten für den Unterhalt. Letzteres wurde während der Informationsveranstaltung am Montag thematisiert. Die Projektverantwortlichen beziffern die Unterhaltskosten mit einem Betrag in Höhe von 3000 bis 4000 Franken.
Wie setzt sich die Finanzierung der Seeuferrevitalisierung zusammen?
Die Gesamtkosten des Projekts belaufen sich auf 6,35 Mio. Franken. Dabei beträgt der beantragte Kredit für die Revitalisierung der Seeuferabschnitte Schwimmbad und Seepark 6,19 Mio Franken. Für den Winterfussweg wurde ein Kredit in der Höhe von 160’000 Franken beantragt. Der Bund und der Kanton werden die ökologische Aufwertung des Seeufers mitfinanzieren. Je nach Ausgestaltung ist für die revitalisierenden Massnahmen mit Beiträgen von bis zu 80 Prozent der Gesamtkosten zu rechnen. Die Stadt Arbon geht derzeit davon aus, dass der verbleibende Anteil der Stadt bei rund 2,8 Mio. Franken liegen wird. Hierbei ist der Winterfussweg inkludiert. Wie die Stadt letzte Woche mitteilte, beteiligt sich der Kanton mit bis zu 50 Prozent, maximal jedoch 80’000 Franken, am Winterfussweg. Ein dafür eingereichter Antrag wurde vom Regierungsrat gutgeheissen. Die finanzielle Unterstützung erfolgt aus dem Spezialfinanzierungs-Fonds Seeufererwerb und Seeufergestaltung.
Wie wird der Steg finanziert?
Die Gesamtkosten des Stegs belaufen sich auf circa 650’000 Franken. In der Debatte in der Parlamentssitzung im März brachte die Mitte ein, dass man auch alternative Finanzierungsmodelle in Betracht ziehen sollte. Die Stadt setzte daraufhin ein Crowdsponsoring um, welches nicht nur eine Finanzlücke schliessen, sondern das Mitmachen, Mittragen und gemeinschaftliche Engagement ermöglichen soll, wie man der Webseite der Stadt entnehmen kann. Das Ziel ist es 65’000 Franken zu sammeln. Das Crowdsponsoring läuft seit Anfang August und für insgesamt zwei Monate. Innerhalb der ersten drei Wochen konnten bereits 9300 Franken gesammelt werden. In der Parlamentssitzung vom Dienstag, 25. August, widmete sich Aurelio Petti, Die Mitte/EVP mit seiner Frage ebenfalls der Crowdsponsoring-Aktion «Unser Steg». Er wollte vom Stadtrat wissen, warum nur 10 Prozent und nicht 100 Prozent von den geplanten Kosten mit dem Crowdsponsoring abgedeckt werden sollen. Auch wollte er wissen, warum sich das Sponsoring auf private Geldgeber konzentriere und in Erfahrung bringen, ob auch noch Unternehmen angefragt werden. Stadtrat Daniel Bachofen erklärte, dass die Sponsoring-Aktion als finanzielle Alternative angedacht war und das Mitwirken der Bevölkerung im Vordergrund stehen soll. Solange nicht klar sei, wie die Bevölkerung sich in Bezug auf den Winterfussweg entscheide, sei es schwierig, grosse Sponsorenbeträge zu generieren. Sollte der Winterfussweg nämlich nicht kommen, so wäre der Steg im Sommer nur durch die Badegäste nutzbar und während dem Winterhalbjahr gar nicht. Diese Situation mache den Steg für Sponsoren weniger attraktiv. Dazu käme, dass man sich im Stadtrat gefragt habe, welcher Betrag angebracht wäre für einen Namenssponsor. Wenn man von einem Drittel der Kosten ausgehe, würde der Steuerzahler immer noch zwei Drittel der Kosten tragen und dies ohne Erwähnung. Dass ein Sponsor die gesamten Kosten übernehme sei unrealistisch. Man sei aber weiterhin mit verschiedenen möglichen Sponsoren im Gespräch.
Wie sieht der Zeitplan aus?
Das Projekt zur Seeuferrevitalisierung wird auf Basis eines Vorprojektes entwickelt. Für eine effiziente Planung und Umsetzung wird das Bauprojekt und das Bewilligungsverfahren parallel zur politischen Behandlung vorangetrieben. Wenn die Stimmberechtigten am 27. September ihre Zustimmung erteilen, wird das Projekt weiter konkretisiert und umgesetzt. Der Baustart sollte nach aktuellem Stand im Winter 2027/28 starten. Allfällige Einsprachen könnten den Baustart verzögern.
Was passiert bei einem Nein zur Seeuferrevitalisierung?
Sollte die Bevölkerung vom Projekt Seeuferrevitalisierung nicht überzeugt sein und dies mit einem Nein an der Urne quittieren, bleibt die Situation erstmals wie sie gerade ist. Danach müsste die Stadt ein neues Konzept und Projekt erarbeiten. Stadtrat Daniel Bachofen machte an der Infoveranstaltung darauf aufmerksam, dass dies wieder sehr viel Zeit in Anspruch nehmen würde. Auch die Unterstützung durch den Bund und den Kanton sei dann nicht mehr gesichert, wodurch das Projekt teurer werden könnte. Bachofen zeigt sich aber optimistisch: «Ich bin überzeugt, dass es ein Ja gibt.»
Video zur Seeufer-Volksabstimmung
Die Stadt Arbon hat ein Erklärvideo zur geplanten Seeuferrevitalisierung in den Bereichen Schwimmbad und Seepark veröffentlicht. Das Video vermittelt kompakt und anschaulich, weshalb die Revitalisierung notwendig ist und welche Massnahmen vorgesehen sind. Über den entsprechenden Kredit entscheidet das Arboner Stimmvolk am 27. September. Das Erklärvideo ist online zu finden unter www.arbon.ch/seeufer, ebenso wie auf den städtischen Social-Media-Kanälen, also bei Instagram, Facebook und Youtube. Es kann auch über den untenstehenden QR-Code aufgerufen werden.