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Café der gelebten Integration

Das Kaffee für den interkulturellen Austausch feierte vergangenen Dienstag das 10-Jahr-Jubiläum. Ein Rückblick, verschiedene Stimmen und eine Überraschung ergaben ein aussergewöhnliches Programm.

Ein Zvieribuffet mit 15 verschiedenen Desserts steht an diesem Dienstagnachmittag bereit, während rund 75 Gäste zum wöchentlich stattfindenden Café International eintreffen. Die kulturelle Vielfalt fällt bei der Ankunft auf: Desserts aus der Türkei oder Ungarn, Gespräche in verschiedensten Sprachen. Doch sobald Elsbeth Bollag, Präsidentin des Vereins «Café International» zum Nachmittag begrüsst, wechseln die Gespräche mehr oder weniger konsequent auf Hochdeutsch. «Das Café International soll ein Ort sein, an dem die Besuchenden ihr Deutsch üben und verbessern können», sagt Elsbeth Bollag. Das sei vor über zehn Jahren der Ursprung der Idee des Cafés International gewesen. Die Arbonerin sagt dazu: «Als Deutschkursleiterin merkte ich, dass die Migrantinnen und Migranten nach den Kursen oft keinen Ort hatten, um ihr Deutsch zu üben.» Gemeinsam mit anderen Interessierten gründete sie einen Verein und führte am 16. Februar 2016 das erste Mal das Café International durch. Somit stand das 327. Treffen am 17. Februar unter ganz speziellen Vorzeichen. Fast auf den Tag genau ist es der 10. Jahrestag der Erstdurchführung.

«Neue Wörter, neue Freunde»

«Bei den gewöhnlichen Treffen steht ein Alltagsthema wie Familie oder Verkehr im Vordergrund», sagt Elsbeth Bollag. Damit könne gezielt in diesem Bereich die deutsche Sprache verbessert und geübt werden. Dafür gebe es jeweils einen Input, Arbeitsblätter und kleine Austausch-Runden. Doch am Jubiläums-Treffen ist das Programm etwas anders. Die Vereinspräsidentin meint dazu: «Wir haben uns etwas ganz Spezielles ausgedacht – mit Überraschung.» So blicken die Anwesenden gleich nach Beginn auf die vergangenen 10 Jahre des Cafés International zurück.

Elsbeth Bollag, Präsidentin des Vereins «Café International» blickt zusammen mit zahlreichen Gästen auf zehn Jahre gelebte Integration zurück.
Elsbeth Bollag, Präsidentin des Vereins «Café International» blickt zusammen mit zahlreichen Gästen auf zehn Jahre gelebte Integration zurück.
© Diego Müggler

Die Kerngruppe erzählt von den Herausforderungen in der Anfangsphase, vom ersten Standort im Coop-Restaurant Arbon, der Unterbrechung während der Coronapandemie und schliesslich dem neuen Standort beim Hamel. In der darauffolgenden Interviewrunde zur Frage, was das Café International für die Anwesenden ausmacht, erzählen einige von der grossen Bedeutung des Angebotes für ihre Integration. «Ich habe hier eine Heimat gefunden», sagt eine Frau in gebrochenem Hochdeutsch. Ein Mann mittleren Alters fasst es kurz zusammen: «Neue Wörter, neue Freunde».

Gemeinsames Singen

Kerngruppen-Mitglied Pia Lichtsteiner-Zürcher spricht am Jubiläumsanlass den zahlreichen Helfenden ihren Dank aus: «Jeden Dienstag bereiten zwei Personen ein Programm vor.» Ohne dieses grosse, ehrenamtliche Engagement wäre das Café International nicht denkbar. Besonders freue sie, dass unter den Helfenden auch Personen sind, die selbst einst als Migrantin oder Migrant in die Schweiz gekommen sind. Ein Mann, der vor 30 Jahren aus der Türkei in die Schweiz kam, erzählt im Gespräch davon, wie er andere Leute in diesem Angebot unterstützen könne. «Ich hatte vor 30 Jahren dieselben Probleme, wie die Personen heute. Oft ist es einfacher, wenn jemand einen unterstützen kann.» Nach der Kaffee-und-Kuchen-Pause mit vielen Gesprächen im ganzen Raum kündigt Vereinspräsidentin Bollag mit dem Motto «Singen verbindet» die versprochene Überraschung an. Ein gemeinsames Singen mit der Arboner Sopranistin und Gesangslehrerin Alexa Vogel. Dann geht es schnell: Die Profimusikerin animiert die Anwesenden zum Aufstehen und Näherkommen und beginnt gleich mit dem Beibringen des ersten Chorgesangs. Über alle Sprach- und Kulturgrenzen hinweg singt 20 Minuten später der ganze Raum «Zum Geburtstag liebes Café International, zum Geburtstag viel Glück!»

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