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Das Altern neu planen

Das Seniorenzentrum Horn braucht mittelfristig mehr Zimmer. Das zeigt eine Bedarfsanalyse, die von der Genossenschaft Alters- und Pflegeheim Horn in Auftrag gegeben wurde. Deren Präsident Maurice Perret spricht über die Folgen.

Kim Berenice Geser

Maurice Perret, um wie viel soll der Platzbedarf im Alters- und Pflegeheim Horn gemäss Analyse in den kommenden Jahren steigen?

Für die Gemeinde Horn wird der Bedarf 2040 gemäss Richtwerten rund 60 Pflegeplätze betragen. Das sind sechs mehr als heute.

Worauf stützen sich diese Richtwerte?

Diese Zahlen basieren auf der Entwicklung der relevanten Gruppe der 80-Jährigen und Älteren. Allein in der Gemeinde Horn wird diese Bevölkerungsgruppe in den nächsten 14 Jahren um über 77 Prozent ansteigen.

Bis 2040 braucht es also sechs Pflegeheimplätze mehr. Derweil war die Auslastung im ersten Halbjahr 2025 gemäss dem Jahresbericht von Geschäftsführer Kurt Schmid «unbefriedigend». Als Faktor nennt er die zunehmende Betreuung zuhause. Ein Trend, der sich in den kommenden Jahren fortsetzen wird. Braucht es tatsächlich mehr Platz?

Vorweg: Wir haben im Schnitt eine sehr gute Auslastung von 94 Prozent. Aber natürlich schwankt diese. Was sich auch daran zeigt, dass die Nachfrage im zweiten Halbjahr 2025 wieder anstieg. So konnten wir mit einem minimalen Verlust von 3000 Franken abschliessen. Und als Antwort auf Ihre Frage: Ja, den Platz braucht es. Nicht nur, wegen der wachsenden Schicht der älteren Bevölkerung. Unser Haus ist jetzt 50 Jahre alt, da ergibt sich naturgemäss ein gewisser Sanierungsbedarf. Auch wenn die Liegenschaft konstant gepflegt wurde. Problematisch ist aber vor allem, dass das Seniorenzentrum ursprünglich als Alters- und nicht als Pflegeheim konzipiert wurde.

Die Infrastruktur entspricht also nicht der heutigen Nutzung. Wie macht sich das bemerkbar?

Die Zimmer sind zum Teil zu klein, der Anteil an Plätzen in Doppelzimmern ist mit 30 Prozent hoch und das generelle Raumangebot zu knapp. Wir haben beispielsweise heute keinen Platz für ergänzende Angebote wie Fusspflege, Physiotherapie, eine Arztpraxis oder ähnliches. Gerade solche Dienstleistungsangebote werden von den Bewohnenden jedoch vermehrt geschätzt. Um attraktiv zu bleiben müssen und wollen wir uns weiterentwickeln, nicht nur im Hinblick auf 2040. Wir haben schon heute 130 Interessentinnen und Interessenten für unsere 22 Alterswohnungen. Auch dem wollen wir künftig mehr Rechnung tragen.

«Wir wollen vorbereitet sein», sagt Genossenschaftspräsident Maurice Perret zu den Zukunftsplänen rund um das Seniorenzentrum Horn.
«Wir wollen vorbereitet sein», sagt Genossenschaftspräsident Maurice Perret zu den Zukunftsplänen rund um das Seniorenzentrum Horn.
© Kim Berenice Geser

Die Genossenschaft Alters- und Pflegeheim Horn plant deshalb einen Ersatzneubau auf der angrenzenden Parzelle, die heute hauptsächlich als Parkplatz genutzt wird. Was passiert in diesem Fall mit dem bestehenden Gebäude?

Diese Frage kann ich zum heutigen Zeitpunkt noch nicht abschliessend beantworten. Nicht nur, weil wir zu erst die Genossenschafter und Genossenschafterinnen an der Versammlung am 28. April informieren wollen. Sondern auch, weil die genauen Abklärungen hierzu erst in den kommenden Monaten im Rahmen der Vorbereitungen zum Projektwettbewerb stattfinden werden. Was ich sagen kann, ist, dass wir derzeit von zwei Möglichkeiten ausgehen: einer Renovation oder einem Neubau. In jedem Fall wird der Platz auch in Zukunft als Wohnraum im Alter genutzt werden.

Der Projektwettbewerb soll im Herbst lanciert werden. Sowohl der Ersatzneubau als auch die Pläne für den bestehenden Bau müssen danach von der Genossenschaft abgesegnet werden. Ist diese Abstimmung im April 2027 geplant?

Wenn wir schnell arbeiten (lacht). Wir stehen nicht unter Zeitdruck und wollen gründlich sein. Im besten Fall steht der Neubau in vier Jahren.

Eine komfortable Ausgangslage, bedenkt man, wie viel Zeit Bauvorhaben heute allein der Einsprachen wegen benötigen. Apropos: Wie steht es um die Zusammenarbeit mit der D+D Immobilien AG? Diese soll gemäss Ihrem Jahresbericht nicht ohne Schwierigkeiten vonstattengegangen sein. Themen wie Grenzabstände und die gemeinsame Garagenrampe auf der Parzelle der Genossenschaft sorgten für Klärungsbedarf.

Wir konnten alle Schwierigkeiten aus der Welt räumen. Heute pflegt die Genossenschaft ein gutes Verhältnis mit der Bauherrin. Das ist uns wichtig, nicht zuletzt, weil wir den Ersatzneubau über dieselbe Garageneinfahrt erschliessen werden.

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