Das Fest, das ein Dorf vereint
Kim Berenice GeserDas geplante Begegnungsfest findet unter der Schirmherrschaft der katholischen Kirche Steinach statt, will aber kein Pfarreifest sein. Was steckt dahinter?
Esther Bärlocher: Im Pfarreirat sehen wir uns immer wieder mit der Frage konfrontiert: Wem dient die Kirche? Sie wird heute von vielen als langweilig wahrgenommen, als Institution, die immer dasselbe tut und erzählt. Wir wollen das ändern. So kam die Idee des Begegnungsfestes zustande.
Wen wollen Sie ansprechen?
Bärlocher: Das Begegnungsfest soll ein Anlass sein, der die Menschen unabhängig von Alter, Geschlecht, Herkunft und Konfession zusammenbringt. Wir wollen bewusst auch Menschen abholen, die sonst nicht an kirchlichen Anlässen teilnehmen.
Philipp Wirth: Das ist ein Aspekt. Darum findet das Fest auch auf dem Weidenhof-Areal statt. Gleichzeitig wollen wir mit dem Fest Menschen erreichen, die sonst wenig oder keinen gesellschaftlichen Anschluss haben oder hier im Dorf noch nicht integriert sind. Das können Menschen mit Migrationshintergrund sein, aber auch solche, die neu hierhergezogen sind und noch wenig Anschluss haben.
Wir wollen die Vielfalt im Dorf sichtbar machen – verschiedene Nationen, Generationen, Lebensentwürfe.
In der Region gibt es bereits diverse integrative Angebote. Warum braucht Steinach dieses Fest?
Wirth: Es gibt ganz viele Angebote und Anlässe, meist von Vereinen aber selten für die ganze Bevölkerung.
Rodolfo Letti: Da gebe ich dir Recht. Gerade die Vereine organisieren viele Anlässe, was toll ist. Das übergreifende Element steht bei einer Turn- oder Musikunterhaltung aber nicht im Vordergrund. Wir wollen die Vielfalt im Dorf sichtbar machen – verschiedene Nationen, Generationen, Lebensentwürfe.
Nächsten Mittwoch laden Sie die Bevölkerung zum Austauschabend ein. Was erhoffen Sie sich davon?
Wirth: Dass die Menschen in Steinach ihre Ideen und Gedanken zum Fest einbringen.
Versteckt sich dahinter die Suche nach Helfenden?
Bärlocher: Nicht per se. Das Grundgerüst des Festes steht, ebenso das OK und der Projektchor, für den wir auch eine Leitung haben. Die Klientinnen und Klienten des Asylheims werden Gerichte aus ihrer Heimat kochen, es gibt ein Kinderprogramm, die Jugendarbeit wird vertreten sein. Dennoch freuen wir uns natürlich über alle, die mithelfen wollen. Aber die aktive Mithilfe bei der Organisation steht am Austauschabend nicht im Vordergrund. Wir wollen vor allem Ideen zusammentragen, hinhören und sehen, welche Bedürfnisse vorhanden sind.
Wirth: Jemand, der sich mit einem Input einbringen will, muss diesen nicht zwingend selbst umsetzen. So laufen wir nur Gefahr, dass niemand kommt (lacht). Vielmehr gilt das Prinzip: «Ich habe eine Idee und weiss, wie man sie umsetzen kann.» Solche Erfahrungswerte sind für uns genauso wertvoll wie die aktive Mitarbeit.
Wird das Fest noch von anderen Institutionen mitgetragen?
Wirth: Ich gehe davon aus, dass die evangelische Kirche es mittragen wird, zumindest ideell.
Letti: Ausserdem haben wir die Steinacher Vereine explizit zum Austausch eingeladen, darunter auch den Gewerbeverein. Die Gemeinde ist von Anfang an dabei und stellt Kontakte in den Bereich des Asylwesens her.
Aber finanziert wird das Fest über die Kirche?
Wirth: Ja. Wir rechnen mit 150 Gästen und einem Budget von 7000 bis 8000 Franken. Einen Teil davon holen wir mit den Verpflegungsständen wieder rein.
Ist eine Wiederholung geplant, wenn das Fest ein Erfolg wird?
Bärlocher: Das ist vorstellbar, vielleicht im Zwei-Jahres-Rhythmus.
Austauschabend zum Begegnungsfest
Am Mittwoch, 11. März, lädt das OK des Steinacher Begegnungsfestes die Bevölkerung zum öffentlichen Austauschabend ein. Von 19.30 bis 21 Uhr können sich Interessierte im katholischen Pfarreiheim Stein-
ach mit Ideen zur Gestaltung des Festes einbringen oder einfach nur beim Gespräch dabei sein. Das Begegnungsfest selbst findet am 13. September statt.