Das Rennen kann beginnen
Kim Berenice Geser
Stadtrat Luzi Schmid kandidiert im Februar 2027 nicht für eine weitere Amtszeit. Das gab die Stadt diese Woche in einer Mitteilung zu den Gesamterneuerungswahlen bekannt. Der 71-jährige Mitte-Politiker, der das Ressort Einwohner/Sicherheit unter sich hat, sitzt seit dem politischen Erdbeben 2019 in der Arboner Exekutive. Damals wurden sämtliche Mitglieder des Stadtrates neu gewählt. Von dieser Zusammensetzung sind zwei Legislaturen später nur Luzi Schmid und Didi Feuerle (Die Grünen) übrig. Zweiterer wird, wie seine heutigen Amtskollegen Daniel Bachofen (SP), Reto Neuber (Die Mitte) und Stadtpräsident René Walther (FDP) ein weiteres Mal kandidieren. Man blicke auf «eine konstruktive und vertrauensvolle Zusammenarbeit zurück», heisst es in besagter Mitteilung und wolle sich deshalb in einer weiteren Amtsperiode für die Entwicklung der Stadt einsetzen. Dass die Karten mit dem Rücktritt ihres Kollegen ein weiteres Mal neu gemischt werden, dessen scheint man sich bewusst. Immerhin zeigt sich der Stadtrat veranlasst, zu betonen, dass alle vier verbleibenden Mitglieder bereit seien, «ihre Erfahrung und ihr Engagement weiterhin in den Dienst der Stadt Arbon zu stellen» – unabhängig vom Ausgang der Wahlen und der künftigen Zusammensetzung des Rates.
SVP erhebt Anspruch
Genau diese Zusammensetzung wird in den kommenden Wochen und Monaten wohl noch für einigen Gesprächsstoff sorgen. Denn der Rücktritt Schmids bringt einmal mehr die Diskussion um das Kräfteverhältnis im Stadtrat aufs Parkett. Seit der Ersatzwahl von Reto Neuber für die zurückgetretene Sandra Eichbaum (XMV) im November 2024 hält Die Mitte wieder zwei Sitze. Zuletzt war dem so unter Stadtpräsident Dominik Diezi. Damals wie heute entspricht dies jedoch nicht der Sitzverteilung im Parlament, was der SVP seit Jahren ein Dorn im Auge ist. Diese stellt aktuell mit sechs Personen ebenso viele Mitglieder in der Legislative wie Die Mitte, ist jedoch im Stadtrat nicht vertreten.
Es überrascht deshalb nicht, dass die SVP an den kommenden Wahlen Anspruch auf den Sitz erheben wird. Interims-Parteipräsident Matthias Schawalder gibt auf Anfrage bekannt, dass die Partei «mit einer starken Kandidatur» ins Rennen um die vier Stadtratssitze steigen werde. Wer dahinter steckt, dass gibt Schawalder noch nicht Preis. Von SVP-Fraktionspräsident Ueli Nägeli lässt sich immerhin so viel in Erfahrung bringen, dass es sich nicht um Jörg Zimmermann handelt, mit dem die SVP 2023 zu den Gesamterneuerungs- und 2024 zu den Ersatzwahlen antrat. Beide erachten den Sitzanspruch der SVP für ausgewiesen und rechnen sich gute Chancen für die Wahl aus.
Die Mitte will verteidigen
Derweil bringt sich auch Die Mitte in Position. Zwar gibt sich Co-Präsident Gerhard Hagspiel noch einigermassen bedeckt, er lässt jedoch auf Anfrage durchblicken, dass die Partei nebst dem Sitz von Reto Neuber auch den frei werdenden Sitz von Luzi Schmid zu verteidigen gedenkt. «Wir bestreiten nicht, dass die SVP gemäss Sitzverteilung Anspruch hat. Aber wir haben Verantwortung übernommen und wollen dieser auch künftig nachkommen», begründet Hagspiel die Ambitonen seiner Partei. Marco Heer, Präsident der Bürger Fraktion Arbon, die in den letzten vier Jahren ebenfalls Anwärter ins Rennen um die Stadtratssitze schickte, gibt an, man werde sich zu gegebener Zeit mit möglichen Kandidaturen auseinandersetzen. Ähnlich klingt es seitens der FDP, die mit René Walther ohnehin schon einen Sitz verteidigt und derzeit mit der Causa Rique Heller alle Hände voll zu tun hat. Das Thema einer zweiten Kandidatur gelte es noch zu diskutieren, sagt Vorstandsmitglied Christine Schuhwerk auf Anfrage. Keinen zweiten Sitz streben SP und Grüne an, die ihr links-grün Bündnis mit je einem Kandidaten ausreichend vertreten sehen. XMV und EVP verzichten Stand heute auf eine Kandidatur.