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Die Karriere weltmeisterlich beenden

Mirhad Babic beendet am Samstag, 31. Oktober, seine Kampfsport-Karriere bei der Fightnight Wil. Wie er sich auf seinen letzten Tanz im Ring vorbereitet und warum er mit einem Weltmeisterkampf aufhören will, erzählt er im Gespräch mit «felix.».

Sabine Moosmann

Am Samstag steigen Sie ein letztes Mal in den Ring. Wie sieht Ihre Vorbereitung für den Kickbox-Wettkampf aus?

Mirhad Babic: Mein letzter Kampf war ursprünglich vor einigen Jahren geplant, doch dann kam Corona und ein Kreuzbandriss dazwischen. Ich habe jedoch einen sehr guten Arzt gefunden und ich merke heute überhaupt nichts mehr von der Verletzung oder der OP. Deshalb bin ich nun fit genug und kann mich mit zwei bis drei Einheiten pro Tag vorbereiten.

Wie sehen diese Einheiten aus?

Die Vorbereitung ist sehr intensiv. Ich muss körperlich und geistig topfit sein und dafür sind alle Trainingseinheiten, Erholungsphasen und die begleitenden Massnahmen wie Massagen und Akupunktur entscheidend. Mein Gegner, Jakkapat Makkhaloed aus Thailand, ist deutlich jünger als ich. Dank meiner umfangreichen und guten Vorbereitung bin ich aber fitter den je und bin davon überzeugt, dass ich ihn schlagen kann.

Sie kämpfen zum Abschluss Ihrer Karriere um den Weltmeistertitel. Ist das für Sie das erhoffte Ende?

Ja, das ist es. Arbon hat, so weit ich weiss, noch keinen Weltmeistertitel und ich würde ihn gerne nach Hause holen. Ich möchte mit dem Weltmeistertitel auch etwas Aufmerksamkeit nach Arbon richten und damit die Jugendarbeit, die wir im UMAC Gym betreiben, stärken.

Warum ist Ihnen Arbon so wichtig?

Ich bin als Kriegskind in die Schweiz gekommen. Meine Familie und ich wurden sehr herzlich aufgenommen. Seit 2003 bin ich in Arbon. Ich bin hier zuhause. Zusätzlich habe ich über die Jahre von der Stadt Arbon, verschiedenen Unternehmen und Stiftungen so viel Unterstützung für meine Jugendprojekte erhalten. Das bedeutet mir so viel. Ich möchte mit dem Weltmeistertitel meine Wertschätzung zeigen und etwas zurückgeben.

Sie haben einen grossen Teil Ihres Lebens dem Kampfsport gewidmet. Wie hat der Kampfsport sie geprägt?

Ich hatte eine schwierige Kindheit und auch Erfahrungen mit Mobbing in der Schule gemacht. Ich wollte mich verteidigen und wehren können und habe deshalb mit Kampfsport begonnen. Meine Trainer haben mir sehr schnell beigebracht, dass das die falsche Motivation ist. Ich lernte meine Energie sportlich zu nutzen und mein Talent für gute Zwecke wie die Jugendprojekte oder für Zivilcourage zu nutzen.

Mirhad Babic bestreitet morgen seinen Titelkampf im Kickboxen und gleichzeitig auch seinen letzten Wettsportkampf.
Mirhad Babic bestreitet morgen seinen Titelkampf im Kickboxen und gleichzeitig auch seinen letzten Wettsportkampf.
© z.V.g.

Was macht für Sie den Kampfsport so besonders?

Man denkt bei Kampfsport gerne an aggressive Personen. Es ist jedoch ein Sport wie jeder andere. Man möchte den Gegner nicht verletzen. Wir trainieren mit Disziplin und Respekt und wollen uns sportlich verbessern.

Trainieren ist das eine, im Ring stehen das andere. Was haben Sie im Ring über sich selbst gelernt?

Die meisten Kämpfer sind unheimlich nervös. Ich bin das nicht. Durch mein Leben wurde ich schon sehr früh an Druck und Gewalt gewöhnt. Ich bin gut darin, die Ruhe mitten im Sturm zu finden. Ich habe auch gelernt, dass das Team einen grossen Unterschied machen kann, obwohl ich am Ende alleine im Ring stehe. Aus den Kämpfen selbst habe ich gelernt, dass wir zwar für einen körperlichen Kampf im Ring stehen, aber am Ende müssen wir fair zu einander sein und können auch als Freunde aus dem Ring gehen.

Sie zeigen sich sehr selbstbewusst. Was passiert, wenn der letzte Kampf mit einer Niederlage endet?

Mein Trainer hat mir die Frage gestellt, ob ich eine Niederlage akzeptieren könnte. Und ja, ich könnte sie akzeptieren. Aber ich bin mir so sicher wie nie zuvor, dass ich den Kampf gewinnen werde. Ich glaube, dass mich das Schicksal mit diesem Sieg belohnen will und ich den Weltmeistertitel nach Arbon bringen kann. Verlieren ist dieses Mal keine Option.

Worauf wollen Sie sich nach dem Kampf konzentrieren?

Ich möchte meine Arbeit mit den Kindern und Jugendlichen weiter ausbauen. Ich bin selbst Familienvater und weiss aus meiner eigenen Erfahrung, wie wichtig es ist, Kindern diese Möglichkeiten zu bieten. Mit der vielen Unterstützung, die ich bisher erhalten habe, konnte ich mir die Selbstständigkeit ermöglichen und ich möchte weiterhin etwas an die Gesellschaft zurückgeben. Die Jugendarbeit und die Unterstützung bei der Integration möchte ich weiter ausbauen. Dazu bin ich gerade dabei, die Kooperation mit den Arboner Schulen aufzubauen und ich arbeite auch noch an einer eigenen Sportmodemarke.

Weitere Titelkämpfe

Am Samstag, 31. Oktober stehen für die Kämpferinnen und Kämpfer des UMAC Gym Arbon wichtige Wettkämpfe auf dem Programm. Ismail Mutalimov tritt an der Fightnight in Wil im MMA an und kämpft um den Schweizer Meistertitel. Gleichzeitig kämpfen Alena Alder, Liam Alder und Balint Fekte in Biel an der Scos Kickboxing Schweizermeisterschaft jeweils um den Titel.

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