Adrian Feuerle – Arbeitnehmervereinigung Roggwil (neu)
Alter: 54
Beruf: Personalberater Ibt Personal AG
Zivilstand: verheiratet, 4 Kinder (22, 20, 11 und 7 Jahre)
Wohnhaft in Freidorf seit: Oktober 2025
Interessen: viele
Warum sind Sie qualifiziert für dieses Amt?
Ich bringe berufliche Erfahrung als Personalberater mit und bin es gewohnt, mit unterschiedlichen Menschen zu arbeiten, ihre Anliegen zu verstehen und Lösungen zu finden. Ich höre zu, hinterfrage und versuche, auch bei unterschiedlichen Interessen einen gemeinsamen Weg zu finden. Im Gemeinderat braucht es aus meiner Sicht genau diese Fähigkeiten.
Sie sind erst kürzlich von Berg nach Roggwil gezogen. In Ihrer ehemaligen Wohngemeinde zeigten Sie sich zuletzt enttäuscht vom Vorgehen und der Kommunikation des Gemeinderates beim Verkauf der Käsereistrasse 5, von dem Sie als Mieter direkt betroffen waren. Als Initiant des Referendums haben Sie eine Volksabstimmung zum Geschäft erwirkt. War es diese Erfahrung, die Sie bewogen hat, sich in Roggwil politisch engagieren zu wollen?
Die Erfahrung in Berg hat mir gezeigt, wie wichtig eine offene, rechtzeitige und nachvollziehbare Kommunikation zwischen Behörden und Bevölkerung ist. Als direkt betroffener Mieter habe ich erlebt, wie entscheidend es ist, dass Anliegen ernst genommen werden und Betroffene frühzeitig in einen Prozess einbezogen werden. Mit dem Referendum wollte ich erreichen, dass die Bevölkerung mitentscheiden kann. Diese Erfahrung hat mich politisch geprägt. Mein Engagement in Roggwil soll sich aber nicht auf einzelne Geschäfte beschränken. Ich möchte mich für eine Gemeinde einsetzen, in der die Menschen gehört werden und Entscheidungen transparent zustande kommen.
Welche politischen Schwerpunkte wollen Sie setzen?
Transparenz und Bürgernähe: Die Bevölkerung soll rechtzeitig informiert werden und bei wichtigen Vorhaben nachvollziehen können, warum welche Entscheidungen getroffen werden.
Gesunde Gemeindefinanzen: Ich möchte, dass Roggwil seine Mittel verantwortungsvoll einsetzt, notwendige Investitionen ermöglicht und gleichzeitig die finanzielle Belastung der Bevölkerung im Blick behält.
Attraktives Zusammenleben: Roggwil soll für Familien, ältere Menschen, junge Erwachsene und das lokale Gewerbe und auch die landwirtschaftlichen Betriebe, eine lebenswerte Gemeinde bleiben. Dazu gehören gute Rahmenbedingungen, Begegnungsmöglichkeiten und eine vorausschauende Entwicklung.
Ihr Wunschressort?
Ein Bereich, in dem ich meine beruflichen Erfahrungen im Umgang mit Menschen und Organisationen einbringen kann. Entscheidend ist für mich aber nicht allein die Bezeichnung des Ressorts. Ich möchte mich dort engagieren, wo ich einen konkreten Beitrag leisten kann und wo die Zusammenarbeit im Gemeinderat am meisten von meinen Fähigkeiten profitiert.
Roggwils aktuell grösste Baustelle?
Eine grosse Herausforderung ist aus meiner Sicht die Entwicklung des Dorfzentrums mit den Liegenschaften Ochsen und Farinolihaus. Hier geht es nicht nur um einzelne Gebäude oder Grundstücke, sondern um die Frage, wie sich Roggwil langfristig entwickeln soll. Es braucht eine Lösung, die wirtschaftlich tragbar ist, einen echten Mehrwert für die Bevölkerung schafft und zum Charakter des Dorfes passt. Gleichzeitig dürfen wir andere wichtige Aufgaben wie die Infrastruktur, die Gemeindefinanzen und die Weiterentwicklung der Verwaltung nicht aus den Augen verlieren.
Mit welchem konkreten Beitrag wollen Sie das Leben in der Gemeinde attraktiver gestalten?
Ich möchte dazu beitragen, dass Roggwil ein Ort bleibt, an dem man sich zu Hause fühlt und sich gerne einbringt. Dafür braucht es gute Begegnungsmöglichkeiten, eine verständliche Kommunikation der Gemeinde und ein offenes Ohr für die Anliegen der Bevölkerung. Bei konkreten Projekten möchte ich darauf achten, dass nicht nur gebaut oder Geld ausgegeben wird, sondern dass ein nachvollziehbarer Nutzen für die Menschen entsteht. Mir ist wichtig, dass wir gemeinsam mit der Bevölkerung Lösungen entwickeln, statt erst am Ende über fertige Entscheide zu informieren.
Ihr Bruder Didi Feuerle amtet in Arbon seit 2019 für die Grünen als Stadtrat. Sie treten für die Arbeitnehmervereinigung Roggwil an. Wo verorten Sie sich auf der politischen Skale?
Ich möchte mich nicht einfach in ein klassisches Links-rechts-Schema einordnen lassen. Mir sind die Anliegen der Bevölkerung, faire Arbeitsbedingungen, ein verantwortungsvoller Umgang mit Steuergeldern und eine gute Lebensqualität wichtig. Ich bin bereit, Lösungen unabhängig von ideologischen Grenzen zu prüfen. Entscheidend ist für mich, ob eine Entscheidung sachlich überzeugt und den Menschen in Roggwil etwas bringt. Dass mein Bruder politisch aktiv ist, bedeutet nicht, dass wir in jeder Frage dieselbe Haltung vertreten.
Bei welchem Entscheid des Gemeinderates in den letzten fünf Jahren waren Sie anderer Meinung?
Ich bin neu in Roggwil und möchte deshalb nicht den Eindruck erwecken, ich hätte bereits jeden Entscheid der vergangenen fünf Jahre im Detail beurteilt. Grundsätzlich würde ich Entscheidungen kritisch hinterfragen, wenn wichtige Informationen zu spät kommuniziert werden oder Betroffene zu wenig einbezogen sind. Aus meiner Erfahrung in Berg weiss ich, wie schnell Vertrauen verloren gehen kann, wenn sich Menschen vor vollendete Tatsachen gestellt fühlen. Als Gemeinderat möchte ich darauf hinwirken, dass Alternativen, Konsequenzen und die Gründe für einen Entscheid frühzeitig und verständlich aufgezeigt werden.
An wen sollen die Parzellen von Ochsen und Farinolihaus im Baurecht gehen?
Für mich sollte nicht allein entscheidend sein, wer den höchsten finanziellen Ertrag verspricht. Wichtig sind ein überzeugendes Gesamtkonzept, die langfristige Wirtschaftlichkeit für die Gemeinde und ein konkreter Mehrwert für die Bevölkerung. Ich würde verschiedene Angebote anhand klarer und transparenter Kriterien vergleichen. Dazu gehören die Qualität der geplanten Nutzung, die architektonische Einordnung ins Dorfzentrum, die finanziellen Bedingungen des Baurechts und die Verbindlichkeit der Zusagen. Die Gemeinde sollte sich nicht vorschnell auf einen Namen festlegen, sondern die Lösung wählen, die langfristig am meisten überzeugt.
Der Gemeinderat will die Steuern per 2027 trotz budgetiertem Defizit senken. Wie stehen Sie zu diesem Entscheid?
Eine Steuersenkung kann sinnvoll sein, wenn die finanzielle Situation der Gemeinde dies langfristig zulässt. Gleichzeitig müssen wir sicherstellen, dass notwendige Investitionen finanziert werden können und die Gemeinde auch bei unerwarteten Ausgaben handlungsfähig bleibt. Für 2027 rechnet Roggwil gemäss veröffentlichtem Budget mit einem Aufwandüberschuss von 131'900 Franken. Beantragt ist eine Senkung des Steuerfusses um zwei Prozentpunkte von 44 auf 42 Prozent. Der Gemeinderat begründet dies unter anderem mit erwarteten stabilen Steuererträgen. Ich würde deshalb genau prüfen, wie belastbar die Einnahmenprognosen sind, welche finanziellen Reserven vorhanden sind und welche Investitionen in den kommenden Jahren anstehen. Entscheidend ist für mich eine nachhaltige Finanzpolitik. Eine Steuersenkung darf nicht dazu führen, dass wir notwendige Aufgaben später nicht mehr erfüllen können. Ich möchte den Entscheid deshalb anhand der vollständigen Budgetunterlagen beurteilen und nicht allein aufgrund eines einzelnen Jahres.
Kürzlich wurde im Grossen Rat über die Fusion von Schul- und politischen Gemeinden diskutiert. Auch Roggwil hat noch zwei Schulgemeinden. Wie stehen Sie zu einer Fusion?
Eine Zusammenführung könnte Entscheidungswege vereinfachen, Doppelspurigkeiten reduzieren und Zuständigkeiten klarer regeln. Gleichzeitig gilt es, die möglichen Nachteile sorgfältig abzuwägen: Die Nähe zu den Schulstandorten, die Mitsprache der Bevölkerung und die Berücksichtigung der Bedürfnisse aller Ortsteile müssen gewährleistet bleiben. Ich bin der Meinung, dass zuerst die konkreten Vor- und Nachteile sowie die finanziellen und organisatorischen Auswirkungen transparent aufgezeigt werden müssen. Auf dieser Grundlage sollte gemeinsam mit den betroffenen Gemeinden, den Schulverantwortlichen, den Eltern und der Bevölkerung diskutiert werden, welches Modell langfristig den grössten Nutzen bringt. Entscheidend ist nicht die Fusion an sich, sondern eine zukunftsfähige, qualitativ gute und finanziell tragbare Schule für Roggwil.