Zu schnell durchs Dorf
Kim Berenice GeserEine Fahrt auf der Dorfstrasse durch Berg ist ein Erlebnis: Scharfe Kurven im Dorfkern, Tempowechsel und stellenweise enge Strassenverhältnisse sorgen für abwechslungsreiche Bedingungen auf der Rennstrecke. Doch genau eine solche soll die Dorfstrasse eben nicht sein. Vielmehr wünscht man sich auf der Hauptverkehrsachse durch die kleine St. Galler Gemeinde mehr Sicherheit und weniger Lärmemissionen. Diese Anliegen gingen beim Berger Gemeinderat in Form von mehreren Reklamationen ein. Wie dem aktuellen Mitteilungsblatt zu entnehmen ist, beanstanden Anwohnende eine zunehmende Verkehrsfrequenz, auch durch Schwerverkehr, sowie häufige Geschwindigkeitsübertretungen innerhalb der 50er-Zone. Zu den neuralgischen Punkten gehören unter anderem der Abschnitt zwischen dem Dorfausgang in Fahrtrichtung Arbon und dem Hahnberg. Dort folgt nach der Tempo-50-Zone eine kurze, signalisierte Tempo-80-Strecke, bevor vor dem Hahnberg wieder auf 50 km/h reduziert wird, was bisweilen zu risikoreichem Fahrverhalten in der Kurve führt. Ein weiteres Sicherheitsrisiko stellen die engen Strassenverhältnisse bei der Kreuzung von Lastwagen dar, namentlich vor allem im Engelrank bei der Kirche, beim Hahnberg und bei einem schmalen Abschnitt durch die Grundwasserschutzzone Bollbach.
Grossteil ist zu schnell unterwegs
Mit beiden Problemstellungen hat sich der Gemeinderat in den letzten Monaten befasst, denn: Bei der Dorfstrasse handelt es sich um eine Kantonsstrasse. Anpassungen oder Einschränkungen des Verkehrsregimes, zum Beispiel in Form von Fahrverboten für den Schwerverkehr oder einer herabgesetzten Höchstgeschwindigkeit, sind deshalb Sache des Kantons und nicht ohne Weiteres möglich. Es bedarf eines Gutachtens, das belegt, dass die Massnahmen nötig, zweck- und verhältnismässig sind.
Um erste Daten zu sammeln, mit denen man in der Folge auf den Kanton zugehen könnte, wurde im Mai an der Dorfstrasse auf Höhe Mattenhof eine Verkehrsmessung mit dem gemeindeeigenen Messgerät «Speedy» durchgeführt. Die Messstelle befand sich in einer Zone mit einer erlaubten Höchstgeschwindigkeit von 50 km/h. Bei den Messungen wurden wiederholt Geschwindigkeiten mit über 80km/h erfasst. Der V85-Wert lag bei rund 60 km/h. Das bedeutet, dass 85 Prozent der gemessenen Geschwindigkeiten bei 60 km/h lagen, also weit über der erlaubten Höchstgeschwindigkeit im Messperimeter. Die Verkehrszunahme auf der Dorfstrasse führt der Gemeinderat derweil auf das geänderte Verkehrsregime in der Nachbargemeinde Roggwil zurück. Dort wurde 2018 auf der Hubgasse für den Schwerverkehr ein Einbahnregime und seit 2024 eine Tempo-30-Zone eingeführt. «Seither weicht Schwerverkehr – teilweise auch Personenwagenverkehr – auf die Ortsdurchfahrt Berg aus», stellt der Gemeinderat fest.
Zwei Anträge an den Kanton
Basierend auf den gesammelten Erkenntnissen und Daten sowie unter Berücksichtigung der eingegangenen Beschwerden aus der Bevölkerung hat der Gemeinderat nun beim Tiefbauamt des Kantons St. Gallen mit zwei Anträgen eine Prüfung des Verkehrsregimes gefordert. Erstens soll die 80er-Signalisation auf der Dorfstrasse neu beurteilt werden, denn wie der Gemeinderat schreibt, stünden Sicherheitsrisiko und Lärmemissionen in «keinem Verhältnis zur potenziellen Zeitersparnis auf diesem kurzen Abschnitt». Zweitens beantragt er die Prüfung eines durchgängigen Fahrverbots für Lastwagen über 3,5 Tonnen mit Zubringerdienst auf der Dorfstrasse. Sollte dies nicht möglich sein, schlägt der Gemeinderat als «mildere Massnahme» ein Einbahnregime für den Schwerverkehr vor, das nur Richtung Arbon zulässig ist. Diesen Antrag begründet der Gemeinderat wie folgt: «An den Engstellen sowie im Bereich der Grundwasserschutzzone Bollbach führt der Begegnungsverkehr Lastwagen–Lastwagen zu einem erhöhten Sicherheits- und Gewässerschutzrisiko. Eine Entschärfung ist angezeigt.» Gleichzeitig weist er den Kanton daraufhin, dass eine Abstimmung möglicher Massnahmen mit der Gemeinde Roggwil abzustimmen sei, um eine blosse Problemverschiebung zu vermeiden. Abschliessend hält der Gemeinderat fest, das Ziel beider Anträge sei es, für eine Verbesserung der Verkehrssituation in Berg zu sorgen.