Einstand mit einem Opus
Alice HoferUwe Münch, Sie sind seit Anfang Oktober neuer Leiter des Konzertchors Ostschweiz. Wie haben Sie die ersten Monate erlebt?
Wir sind gut unterwegs und haben uns auf einander eingestimmt. Ich war bislang sehr auf St. Gallen fokussiert, wo rund 80 Personen mitsingen. Der Konzertchor ist kleiner, 45 Personen, das hat mich gereizt.
Als 28-Jähriger waren Sie jüngster Opernchordirektor Deutschlands und wurden 2005 mit dem «Kulturförderpreis für herausragende Leistungen» der Stadt Hagen ausgezeichnet. Warum wirken Sie nun in Arbon?
Als ich mich 2008 von der Opernwelt in Hagen verabschiedet hatte und eine geografische Veränderung anstrebte, wurde mir ein Lehrauftrag angeboten in Stuttgart. Also zog ich südwärts und landete schliesslich in der Nähe von Überlingen, wo ich nun wohne. Das eine führte dann zum andern.
Das Judas-Makkabäus-Oratorium ist Mitte Mai zu hören. Vorher werden Sie in St. Gallen zum Palmsonntag «Die Matthäuspassion» von J.S. Bach aufführen. Damit proben Sie parallel zwei sehr anspruchsvolle Werke. Wie bringen Sie das unter einen Hut?
Ja, es ist in der Tat anstrengend, und gleichzeitig sehr interessant, an diesen beiden Projekten beteiligt zu sein. Das Judas-Makkabäus-Oratorium ist sehr vielschichtig, sowohl politisch, religiös und emotional betrachtet, auch unter den aktuellen Gesichtspunkten des israelischen Volkes, das seit Menschengedenken um Selbstbestimmung kämpft. Georg Friedrich Händel hatte es unter dem Einfluss der damaligen Konflikte zwischen Schottland und England geschrieben. Wir werden es sinnvoll kürzen müssen, es dauert im Original mehr als zweieinhalb Stunden, das kann man niemandem zumuten. Stattdessen wird ein Erzähler dem Publikum die Handlung nahebringen und kommentieren.
Die Leidenschaft, mitzusingen, und die regelmässigen Verfügbarkeiten sind Voraussetzung.
Für die Aufführungen suchten Sie noch weitere Stimmen. Das dürfte für viele Laien eine Gelegenheit sein, sich einzubringen. Was sind die Bedingungen?
Grundsätzlich bestehen diese Chöre traditionell aus Laien, also gibt es keine grossen Anforderungen. Die Leidenschaft, mitzusingen, und die regelmässigen Verfügbarkeiten sind Voraussetzung. Der Chor wird dann unterstützt von zusätzlich rund 40 Musikstudenten, die ich an einer Berufsfachschule unterrichte. Mit von der Partie ist heuer auch das Barock-Orchester «La Banda».
Gibt es denn Mitgliederschwund zu verzeichnen?
Das würde ich so nicht sagen, wir haben wohl Zulauf von Menschen über 30, wenngleich wenige Jugendliche und Studierende. Diese gehen nicht so gerne Verbindlichkeiten ein.
Neben Ihren hiesigen Dirigiertätigkeiten sind Sie als Hochschullehrer aktiv, unter anderem in Stuttgart und Dinkelsbühl. Wie organisieren Sie die langen Arbeitswege hierher und zurück? Leben Sie im Wohnmobil?
(lacht): Nein, ich fahre halt viel herum, das ist nun mal so, und das stört mich auch nicht. Ich mag die Abwechslung zwischen den verschiedenen Orten.
Der Vorverkauf läuft
Uwe Münch führt mit dem Konzertchor Ostschweiz im Mai das «Judas-Makkabäus-Oratorium» von G.F. Händel auf. Am 17. Mai gastiert der Chor in der evangelischen Kirche Heiligkreuz in St. Gallen, am 18. Mai in der evangelischen Kirche Romanshorn. Der Vorverkauf läuft über www.konzertchorostschweiz.ch, wo sich auch Informationen für Chor-Interessierte finden.