Helden in Fischerhosen
Kim Berenice GeserDer tiefe Pegelstand des Bodensees führt derzeit allerhand zutage. Das durften jüngst auch Andreas Dolder und Erwin Gerschwiler erleben. Die beiden Mitglieder der Hafenvereinigung Steinach entdeckten am diesjährigen Cleanup-Day weit draussen in der Steinacher Bucht eine ganze Ansammlung an Unrat. «Weil der Untergrund dort aber wie ein Sumpfgebiet ist, konnten wir nicht am selben Tag raus», erklärt Gerschwiler. Erst mussten Vorbereitungen getroffen werden, damit die gemeinnützigen Müllsammler nicht im Morast stecken blieben. Wenige Tage später kehrten sie zurück, ausgerüstet mit Fischerhosen, Schaufeln, Seilen und einem Stand Up Paddle, mit dem der gesammelte Abfall an Land gebracht werden konnte. Die Bergung war Schwerstarbeit. «Aber wir gaben nicht auf, bis alles draussen war.» Zu den vom Seegrund geborgenen Gegenständen gehörten jede Menge Autoreifen, mehrere Kissen, eine Rattanmöbel-Garnitur und ein mit Zement gefülltes Fass. «Das hat vermutlich mal ein ‘Böötler’ im See versenkt, um sein Schiff daran festzumachen», mutmasst Gerschwiler.
Für Dolder und ihn ist es unverständlich, wie Menschen ihren Abfall im See entsorgen können. Vor allem bei Plastik und Zigarettenstummel ärgern sie sich ganz besonders, weil deren negativer Einfluss auf die Umwelt erwiesenermassen enorm hoch ist. Das ungeliebte Strandgut von letzter Woche hat der Arboner Werkhof entsorgt, weil es auf dem dortigen Gemeindegebiet im See lag. Wie viele Liter es am Ende waren, weiss Gerschwiler in diesem speziellen Fall deshalb nicht. Dafür hat er andere Vergleichszahlen zur Hand: «Beim ersten Cleanup-Day vor bald zehn Jahren haben wir 890 Liter Abfall gesammelt, dieses Jahr waren es 360 Liter – ohne die Sachen aus dem See. Der Durchschnitt liegt bei 500 Litern pro Jahr.» Seine Mitstreiter und er – bis zu 30 Helfende sind pro Cleanup Day unterwegs – wissen: Ihr Engagement ist ein Tropfen auf den heissen Stein. Dennoch sehen sie auch Licht am Horizont. «Seit wir das machen, hat eine deutliche Verbesserung stattgefunden», sagt Gerschwiler. Deshalb machen sie weiter – Aufgeben ist keine Option.