«Ich habe nicht vor, Musiker zu werden»
Kim Berenice GeserRené Walther, Sie sind Stadtpräsident, Mitglied im Grossen Rat und haben aufgrund Ihrer Ämter diverse weitere Verpflichtungen. Jetzt werden Sie auch noch Musiker. Wie bringen Sie das alles unter einen Hut?
Vorweg: Ich habe nicht vor Musiker zu werden. Ich bin und bleibe hoffentlich mit voller Überzeugung und vollem Herzen Exekutivpolitiker. Musik ist ein Hobby, das mich seit der Jugend begleitet. Das meiste Material hat sich im Laufe meines Lebens angesammelt und wurde bereits durch frühere Projekte vorbereitet. Entscheidend ist der Prozess, wie man an so ein Projekt ran geht.
Inwiefern?
Ich habe mich bewusst für ein Projekt mit erfahrenen Musikern entschieden. So konnte der Aufwand minimal gehalten werden. Es waren in 14 Monaten circa acht Proben. Selbst musiziere ich in der Freizeit zum Ausgleich, manchmal nach langen Abendterminen zum Herunterfahren.
Sie proben also seit über einem Jahr. Warum treten Sie erst jetzt öffentlich auf?
Das Projekt habe ich vor drei Jahren gestartet. Gerade weil mir bewusst war, dass meine Zeit beschränkt ist, brauchte es drei Anläufe das richtige Bandsetting zu finden, um eine gewisse Effizienz sicherstellen zu können. Ich bin in den letzten Jahren bereits drei Mal in Arbon aufgetreten, wenn auch im kleinen Rahmen unter dem Radar. An zwei Vernissagen und am Jubilarenkonzert auf Anfrage der Organisatoren der Veranstaltungen. Bei diesen Gelegenheiten bekam ich gute Rückmeldungen und Ermunterungen, das für einmal richtig zu tun.
«Ich habe ein schönes Projekt mit Menschen für Menschen auf die Beine gestellt und freu mich, wenn es dem ein oder anderen gefällt.»
Kommendes Jahr sind Gesamterneuerungswahlen in Arbon. Ist dieses Konzert insgeheim Ihre erste Wahlkampf-Veranstaltung?
Der Zeitpunkt kann als Wahltaktik interpretiert werden. Aber tatsächlich wollten wir schon vor zwei Jahren erste Auftritte machen. Projektgründung und Vorbereitung war komplex und aufwendig. Gerade wegen meiner beruflichen Belastung haben wir deshalb den Zeitpunkt zwei Mal verschoben. Nun sind wir bereit.
Sie sind sich als Stadtpräsident Publikum gewöhnt. Als Musiker exponiert man sich auf der Bühne aber noch einmal anders, gibt eventuell in Liedtexten auch Persönliches Preis. Haben Sie keine Angst, Ihr politisches Image könnte durch Ihr Hobby Schaden nehmen?
Es stimmt, meine Songs handeln von Erlebnissen und Emotionen aus meinem Leben. Aber von nichts, das ich verstecken müsste. Und selbstverständlich habe ich Respekt davor, aber hier gilt für mich die Devise, die mir auch als Exekutivpolitiker wichtig ist: authentisch sein. Ich bin übrigens nicht der erste Politiker der öffentlich auftritt. Martin Stuber, ehemaliger Gemeindepräsident und Kantonsrat, war jahrelang intensiv als Musiker in der Freizeit unterwegs. In dieser Intensität könnte ich das nie. Es ist und bleibt ein Hobby, eine Leidenschaft, ein Ausgleich.
Als Stadtpräsident verdienen Sie gut. Wofür verwenden Sie die Einnahmen aus den Konzerten?
Bei dieser Frage muss ich schmunzeln. Wir spielen ohne Gage. Als musikalischer Niemand ist man froh, überhaupt spielen zu können beziehungsweise Auftrittsmöglichkeiten zu erhalten. Das wenige, was über Kollekte oder Eintritte rein kommt, reicht bei Weitem nicht aus, um die Projekt- und Produktionskosten zu decken – insbesondere im Setting einer professionell besetzten Band. Es ist und bleibt also ein selbst finanziertes Hobby. Andere gehen in die Karibik in den Urlaub. Ich habe ein schönes Projekt mit Menschen für Menschen auf die Beine gestellt und freu mich, wenn es dem ein oder anderen gefällt. Auch in Sachen Musikbranche habe ich sehr viel gelernt und ziehe den Hut vor jedem erfolgreichen Künstler.
Das Konzert von René Walther und Band findet am Donnerstag, 5. November, um 20 Uhr im Presswerk in Arbon statt. Türöffnung ist um 19 Uhr. Die Setliste umfasst ein Repertoire mit deutschen und schweizerdeutschen Songtexten.