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Im kleinen Garten Eden

An einem warmen Mai-Nachmittag besuche ich Verena Eisenhut in ihrer «Oase» im Gemeinschaftsgarten am Rand des Horner Walds. Die lauen Lüfte sind erfüllt von Vogelgezwitscher und sommerlustigen Versprechen. Es spriesst und blüht an allen Ecken und Enden.

Alice Hofer

Woran arbeiten Sie jetzt gerade?

Im Moment ist es zwar heiss, doch werde ich noch die Eisheiligen passieren lassen, danach kann man erst richtig anfangen; nach meinen Erfahrungen lohnt es sich, die kalte Sophie abzuwarten. Hier im Gewächshäuschen hatte ich Anfang März schon Salat, Fenchel und Kohlrabi gepflanzt, die sind bereits reif zur Ernte. Drüben im Beet kommen dann Bohnen rein und viel Gemüse. Daneben liegt der Kräutergarten, und da steht ein Feigenbaum, umringt von Rosen.

Die Pergola mit Sitzplatz ist allerliebst!

Ja, im Gebälk nistet sogar ein Rotschwänzchen. Und es gibt diverse Wespennester, die lasse ich auch stehen, die tun mir nichts. Manche Leute haben Angst davor, ich nicht.

Gärtnern Sie als Ausgleich zu etwas, oder was tun Sie vor allem?

Ich habe schon immer gerne gegärtnert und hatte mir seit langem so etwas gewünscht. Nach dem Tod des früheren Besitzers hier ergab sich die Gelegenheit für mich, das Gärtchen zu übernehmen.

Was ist Ihre Lieblingsbeschäftigung im Garten?

Ich mache alles gerne, und ich nehme mir auch die Zeit dafür. Im Sommer bin ich praktisch jeden Tag hier. Dann kann ich es auch in Ruhe so gestalten, wie ich will, und alles stetig hegen und pflegen. Das macht mir grosse Freude. Klar, Gemüse könnte ich auch kaufen, doch es ist einfach herrlich, eigene Kartoffeln und frisches Gemüse zu essen. Vieles davon verschenke ich auch, an Nachbarn und Bekannte.

Wenn mich etwas beschäftigt oder stört, komme ich hierher und vergesse alles; danach gehe ich ganz anders wieder nachhause.
Verena Eisenhut

Was hat der Garten Ihnen beigebracht?

Er ist meine Quelle der Inspiration! Wenn mich etwas beschäftigt oder stört, komme ich hierher und vergesse alles; danach gehe ich ganz anders wieder nachhause. Ich sitze oft einfach eine Weile hier in der Stille, im Nichts-tun, nur «Sein». Manchmal jassen wir auch oder malen Aquarell-Bilder.

Machen Sie das alles allein? Es sieht nach viel Arbeit aus.

Mit guter Planung geht das: Erdbeeren, Kartoffeln und Zwiebeln kann man sein lassen bis im Juli, die geben nicht viel zu tun. Und dann – dies alles zu ernten ist so lecker, nicht zu vergleichen mit Salat aus dem Plastikbeutel!

Ist es Ihnen möglich, auf Schneckengift zu verzichten?

Ich verwende diese kleinen «Schnecken-Kragen», die sind sehr praktisch. Früher war ich oft um 6 Uhr früh hier, um Schnecken einzusammeln. Randen mögen sie zum Glück nicht, und die Bohnen werde ich wohl auch schützen können.

Haben Sie ein Lieblingsgewächs?

Ich mag eigentlich alles, von Klematis, Hortensien, Rosen bis zum Gemüse. In der Erde zu arbeiten ist schon etwas sehr Schönes.

Sommerserie «Gartenlaube»

Zu Ehren des deutschen Orthopäden Daniel Gottlob Moritz Schreber (1808-1861) wurde 1865 in Leipzig der «Schreberplatz» eröffnet: Eine Spielwiese, auf der die Kinder von Fabrikarbeitern spielen und turnen konnten. Bald nannte man die ersten Pflanzplätze am Stadtrand «Schrebergärten». Später etablierten sich in deutschen, österreichischen und Schweizer Städten zahlreiche sogenannte «Kleingärten» bzw. «Familiengärten» als Erholungs- und Freizeitzonen. 1925 wurde der Schweizer Familiengärtnerverband gegründet (inzwischen rund 23’500 Mitglieder). Die Areale werden von Städten und Gemeinden zur Verfügung gestellt und von Vereinen oder Genossenschaften verwaltet. Der «Gemeinschaftsgarten Horn» ist im Besitz der Bürgergemeinde Horn. Weitere Gärten in der Region: familiengaertner.ch/regionen-vereine/ostschweiz

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