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KI macht nicht automatisch effizient

Selbst wenn man sich mit IT- und KI-Themen auseinandersetzt, merkt man bereits ab Minute eins im Gespräch mit aico Gründer und Geschäftsführer Mathias Müller, dass er einem Jahre voraus ist. Im Gespräch mit «felix.» erklärt er wie sein Businessmodell rund um die KI funktioniert.

Sabine Moosmann

Mathias Müller, Sie haben 2021 eine Business-Plattform gegründet. Was macht aico?

aico ist ein ERP-System für Handelsunternehmen, Marken und Sportklubs, die auch direkt an ihre Kundschaft verkaufen, im Laden oder online. Das bedeutet, wir bieten ihnen eine Plattform, mit der sie fast alle Aufgaben im Unternehmen betreiben oder zumindest einbinden und vernetzen können. Wir haben sozusagen eine App geschaffen, mit der man das ganze Unternehmen führen kann.

Es gibt bereits etablierte und weit verbreitete ERP-Systeme wie SAP. Inwiefern hebt sich das ERP-System von aico von diesen ab?

Der Name ist Programm: aico steht seit der Gründung 2021 für AI und ökonomisch. Unser ERP ist von Grund auf für KI gebaut. Selbst die Einrichtung übernimmt die KI: Man sagt ihr, was man möchte, und sie konfiguriert das System. Bei klassischen ERP-Systemen ist das ein grosser Aufwand.

Wie entstand die Idee zu aico?

Uns war bereits sehr früh klar, dass KI in der Zukunft wichtig sein wird. Wir wollten eine Software bauen, die die Arbeit erleichtert. Die Technik war dafür aber noch nicht reif. Erst vor eineinhalb Jahren war die KI dann gut genug für den Einsatz in unserem System. Heute zeigt sich: In einem eigentlich gesättigten Markt kommt unser Ansatz super an.

«Wenn wir unser Produkt bei einer potenziellen Kundschaft vorstellen, fragen wir vorab, was sie derzeit haben und was sie gerne möchten.»
Mathias Müller

Ist es ein Vor- oder ein Nachteil, dass Sie derzeit noch ein kleines, schweizerisches Unternehmen sind?

Beides. Kleine Anbieter stossen auf Skepsis. Doch die Schweiz ist der ideale Prüfstein: hohe Ansprüche an Qualität, Mehrsprachigkeit und komplexe Abläufe. Wegen der hohen Löhne müssen Unternehmen hier zudem ihre Mitarbeitenden so wertvoll wie möglich einsetzen. Werbung machen wir keine und doch sind heute 9 von 12 Super-League-Klubs unsere Kunden. Wir sind gut ausgelastet. Was hier überzeugt, überzeugt auch international.

Was ist an Ihrer Arbeitsweise so besonders?

Wenn wir unser Produkt bei einer potenziellen Kundschaft vorstellen, fragen wir vorab, was sie derzeit haben und was sie gerne möchten. Ist dies beispielsweise ein Sportverein, der eine App für seine Mitglieder und den Fanshop benötigt, so bereiten wir einen Prototypen der App bereits zur ersten Vorstellung vor. Wenn die Kundschaft von diesem Vorschlag überzeugt ist, müssen wir nur noch den Feinschliff vornehmen und können innerhalb von kurzer Zeit starten.

Ist dies nicht das übliche Vorgehen?

Nein, die meisten Anbieter produzieren die Prototypen erst, wenn sie beauftragt wurden. Dies führt dazu, dass die Wartezeit deutlich länger wird. Mit unserer Software können wir die Produkte viel schneller liefern und beispielsweise auch gleich fixfertige Schulungsvideos für das Personal mitliefern.

«Die KI kennt ähnliche Projekte, entwirft sie mit zwei, drei Prompts und weist mich auf Punkte aus Vergleichsfällen hin.»
Mathias Müller

Wie kommt KI zum Einsatz?

Jede Funktion im Interface lässt sich auch über KI-Modelle wie Claude oder ChatGPT bedienen, ohne sich durchzuklicken. Ideal für Massenmutationen: «Nimm alle E-Mails der letzten 14 Tage mit einer Adressänderung, passe die Adressen an und schicke eine Bestätigung.» In einem klassischen ERP wäre das viel Handarbeit. Die Kontrolle behalten aber immer die Menschen, sonst wären die Risiken zu hoch.

Welche KI verwenden Sie in Ihrem Unternehmen?

Bewusst keine feste, denn die Modelle entwickeln sich rasant. aico AI ist unsere eigene Schicht für Datenschutz, Konfiguration und geteiltes Firmenwissen. Nur was wirklich KI braucht, geht zur KI, der Rest kommt direkt aus der Datenbank. Das ist schnell und sparsam. Das Sprachmodell dahinter ist frei wählbar.

Können Sie mir ein konkretes Beispiel nennen?

Eine Offerte zu einer Kundenanforderung. Die KI kennt ähnliche Projekte, entwirft sie mit zwei, drei Prompts und weist mich auf Punkte aus Vergleichsfällen hin. Das PDF mit Logos ist gleich versandbereit. Statt ein, zwei Stunden brauche ich eine Minute, plus fünf Minuten Feinschliff. Das alleine macht uns aber nicht automatisch effizient.

Was braucht es, damit wir tatsächlich effizienter sind?

Es braucht das parallele Arbeiten. Wenn ich der KI eine Aufgabe gebe, braucht sie immer etwas Zeit, um zu rechnen. Nutze ich diese Zeit, um die nächste Aufgabe zu erledigen, werde ich effizienter und somit wird die Arbeit auch günstiger. Ohne das parallele Arbeiten wird es im Endeffekt teurer.

Was ist ein ERP-System?

Ein ERP-System ist eine zentrale Software, mit der ein Unternehmen seine wichtigsten Geschäftsabläufe organisiert und verwaltet. Die Abkürzung ERP steht für «Enterprise Resource Planning», auf Deutsch «Unternehmensressourcenplanung». Statt Informationen in vielen verschiedenen Programmen oder Excel-Tabellen zu speichern, werden sie in einem ERP-System an einem zentralen Ort zusammengeführt. Dazu gehören beispielsweise Daten zu Kunden, Bestellungen, Rechnungen, Lagerbeständen, Einkauf oder Personal. So können verschiedene Bereiche eines Unternehmens auf dieselben aktuellen Informationen zugreifen und besser zusammenarbeiten. Einfach gesagt ist ein ERP-System eine digitale Zentrale eines Unternehmens, die dabei hilft, wichtige Abläufe und Informationen an einem Ort zu organisieren und zu steuern.

Dieser Beitrag ist im Rahmen der Wirtschaftsbeilage 2026 erschienen.

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