«Kritik nehmen wir ernst»
Manuela Bruhin
Peter Imthurn, an der Bürgerversammlung wurde die Kommunikation des Gemeinderates kritisiert. Hat Sie diese Kritik überrascht?
Ehrlich gesagt: ein wenig schon. Der Gemeinderat hat seine Informationspolitik in den letzten Jahren nicht grundlegend verändert. Im Gegenteil, wir kommunizieren schon seit Anfang des Jahres 2026 proaktiver. An Versammlungen entsteht manchmal eine Dynamik, die von einzelnen Personen angestossen wird, welche eigene Einzelinteressen widerspiegeln. Das gehört zur direkten Demokratie dazu. Aber hinter jeder Kritik steht meist ein Bedürfnis, welches es ernst zu nehmen gilt. Was ich aber grundsätzlich schätze: In Berg begegnen wir uns auf der Strasse, beim Einkaufen, im Dorf oder anlässlich der Bürgerversammlung. Rückmeldungen kommen direkt – meistens freundlich, manchmal sehr bestimmt. Das ist gut so.
Welche konkreten Rückmeldungen aus der Bevölkerung haben Sie besonders beschäftigt oder zum Nachdenken angeregt?
Kritik hat in vielen Fällen auch etwas sehr Positives. Für mich bedeutet es nicht, alles an sich abperlen zu lassen. Es bedeutet, sich berühren zu lassen, darüber nachzudenken – und trotzdem weiter Verantwortung zu übernehmen. Kritik gehört dazu. Der Gemeinderat und ich nehmen sie ernst, wenn sie sachlich und fair ist. Alle Rückmeldungen fliessen direkt in unsere Arbeit ein. Was mich persönlich am meisten beschäftigt, ist der Wunsch nach mehr Proaktivität: Die Menschen wollen nicht erst fragen müssen. Sie wollen informiert sein, bevor sie fragen. Das ist ein berechtigtes Bedürfnis. Wir sind nicht fehlerfrei. Aber wir sind bereit, zu lernen und konstruktive Lösungen zu erarbeiten. Und ich freue mich – ganz persönlich – über die direkten Rückmeldungen und den respektvollen Umgang, der in unserer Gemeinde gepflegt wird. Das ist keine Selbstverständlichkeit.
Viele Bürgerinnen und Bürger wünschen sich mehr Transparenz. Wo sehen Sie heute die grössten Grenzen bei der Information über laufende Geschäfte?
Das zentrale Spannungsfeld ist das Amtsgeheimnis und der Datenschutz auf der einen Seite und das berechtigte Informationsbedürfnis der Bevölkerung auf der anderen Seite. Das ist keine Floskel – das ist täglich gelebte Realität. Laufende Rechtsverfahren, Personalentscheide, Vertragsverhandlungen: Hier können und dürfen wir schlicht nicht alles kommunizieren. Gleichzeitig verstehe ich, dass Schweigen Misstrauen erzeugt. Genau da müssen wir besser werden – erklären, warum wir noch nicht informieren können, statt einfach zu schweigen.
Der Gemeinderat hat angekündigt, künftig vertiefter zu prüfen, welche Informationen veröffentlicht werden können. Was dürfen die Einwohnerinnen und Einwohner konkret erwarten?
Konkret werden wir künftig Rollenkonflikte – also Situationen, in denen Gemeinderat und Gemeinde unterschiedliche Interessen haben können – explizit benennen, wo immer das möglich und angebracht ist. Das schafft Klarheit, auch wenn wir nicht alles sagen können. Es geht nicht um mehr Worte, sondern um mehr Klarheit darüber, was wir kommunizieren können und was nicht – und warum.
Wie finden Sie die Balance zwischen dem berechtigten Informationsbedürfnis der Bevölkerung und rechtlichen Vorgaben oder Vertraulichkeitspflichten?
Das ist ehrlich gesagt eine der schwierigsten Fragen meiner Arbeit. Kommuniziert man zu früh mit zu wenig Substanz, wirkt es unprofessionell oder riskant – Stichwort Datenschutz. Wartet man zu lange, wird das Bedürfnis der Bevölkerung nicht ernst genommen. Es ist eine Gratwanderung. Eine perfekte Antwort habe ich nicht. Aber das Bewusstsein für dieses Spannungsfeld ist der erste Schritt – und wir nehmen ihn.
Wenn wir in einem Jahr nochmals über dieses Thema sprechen: Woran soll die Bevölkerung erkennen, dass die Kommunikation des Gemeinderates tatsächlich offener geworden ist?
An zwei konkreten Dingen: Erstens nutzen wir die festgelegten Legislaturziele künftig als strukturierenden Rahmen für unsere regelmässige Kommunikation – die Bevölkerung soll immer nachvollziehen können, wo wir stehen. Zweitens behandeln wir seit Anfang 2026 den Punkt «Kommunikation» am Ende jeder Gemeinderatssitzung – zu jedem einzelnen Traktandum. Das klingt nach einem Detail, ist aber eine echte Kulturveränderung. Wenn das in einem Jahr gelebte Praxis ist, dann haben wir etwas erreicht.