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«Projekt ist ein guter Kompromiss»

Seit Jahren beschäftigt das Projekt BGK Hauptstrasse die Gemeinde Steinach. Während früher intensiv diskutiert wurde, ist es zuletzt ruhiger geworden. Die Einsprachen sind erledigt, die nächsten Schritte laufen bereits im Hintergrund. Gemeindepräsident Michael Aebisegger spricht über den aktuellen Stand, Kompromisse und die Sicherheit.

Manuela Bruhin

Michael Aebisegger, das Projekt BGK Hauptstrasse beschäftigt Steinach seit Jahren. Welche Rückmeldungen aus der Bevölkerung hören Sie aktuell am häufigsten?

Die Bevölkerung scheint sich weniger darum zu kümmern. Im vergangenen Jahr hatten wir zumindest keine einzige Anfrage oder Rückmeldung diesbezüglich erhalten.

Wo steht das Projekt heute konkret?

Nachdem alle Einsprachen erledigt sind, führt der Kanton als Bauherr aktuell die Landerwerbsverhandlungen durch. Im Anschluss beginnen die Bauarbeiten – voraussichtlich im Frühjahr 2027.

Welche wichtigen Schritte konnten in den vergangenen Monaten tatsächlich erreicht werden?

Wie bei allen Infrastrukturprojekten (Strassen, Wasserbau, etc.) ist die Genehmigung des Vorhabens (Rechtskraft) ein Marathon, der viel Zeit und Ressourcen beansprucht.

2023 wurde das Projekt öffentlich aufgelegt. Was hat sich seither verändert oder weiterentwickelt?

Das Strassenprojekt wurde im Grundsatz nicht mehr verändert. Im Rahmen der Einspracheverhandlungen konnten verschiedene Situationen von direkt betroffenen Grundeigentümern zusammen mit den Fachstellen des Kantons geklärt und mit geringfügigen Anpassungen bereinigt werden.

Ein zentrales Ziel ist mehr Sicherheit für Fussgänger und Langsamverkehr. Wo sehen Sie heute die grössten Schwachstellen entlang der Hauptstrasse?

Mit der Reduktion der Fahrbahnbreite und dem Verzicht auf den farbig markierten Mehrzweckstreifen soll die Geschwindigkeit der Fahrzeuge reduziert werden, was allen Verkehrsteilnehmern zugutekommt. Mit der Erstellung von Gehwegüberfahrten bei einmündenden Gemeindestrassen wird der Fussgänger priorisiert und erhält mehr Raum, womit sich der Komfort erhöht. Um den Schutz der Fussgänger zu erhöhen, werden alle Fussgängerquerungen mit Fussgängerschutzinseln ausgestattet. Mit diesen können künftig auch Kinder und ältere Personen die Strasse sicher überqueren. Der Fahrradverkehr führt grundsätzlich über den Bodenseeradweg.

Kritik gab es unter anderem daran, dass das Projekt manchen zu wenig weit geht – etwa bei Grünflächen oder Aufenthaltsqualität. Wie gehen Sie mit solchen Stimmen um?

Auf der Gemeinde sind keine diesbezüglichen Reklamationen eingegangen. Auch keine Einsprache hat sich in diese Richtung geäussert. Steinacherinnen und Steinacher geniessen die Aufenthaltsqualität wohl lieber entlang des Seeufers oder an der Steinach bzw. an Orten ohne motorisierten Verkehr. Es wurde deshalb bewusst auf Sitzbänke oder ähnliches entlang der Hauptstrasse verzichtet.

Aktuell laufen beziehungsweise liefen verschiedene Arbeiten an der Hauptstrasse, etwa Belagsarbeiten und Sanierungen. Wie stark hängen diese mit dem BGK zusammen?

Die Sanierung der Hauptstrasse zwischen Gallusstrasse und Kantonsgrenze erfolgte im Rahmen der laufenden Unterhaltsplanung des Kantons St. Gallen losgelöst vom Projekt BGK. Sprich es besteht kein Zusammenhang.

Bei grossen Infrastrukturprojekten spielen Kosten immer eine sehr zentrale Rolle. Gibt es heute Punkte, die finanziell deutlich mehr Sorgen bereiten als ursprünglich gedacht?

Die politische Weltlage führt leider dazu, dass Rohstoffe teilweise knapp werden und die Preise tendenziell ansteigen. Andere Unwägbarkeiten wie bspw. PFAS-Belastungen sind im überbauten Gebieten nicht zu erwarten.

Wie schwierig ist es, bei einem solchen Projekt die Interessen von Kanton, Gemeinde, Gewerbe, Anwohnern und Verkehrsteilnehmen den zusammenzubringen?

Wie bei jedem Projekt in dieser Grössenordnung sind am Schluss nicht alle Beteiligten gleich glücklich. Insbesondere wenn die jeweilige Parkplatzsituation des Grundeigentümers negativ betroffen ist. Das vorliegende Projekt ist in der Summe aller Aspekte eine «gute» Kompromisslösung.

Und zum Schluss ganz persönlich:

Wie möchten Sie, dass die Hauptstrasse in zehn Jahren wahrgenommen wird? Eher als Verkehrsachse – oder als Dorfzentrum? Kantonsstrassen haben gemäss Strassenverkehrsgesetz eine zentrale Rolle im Verkehrssystem. Sie verbinden die Gemeinden innerhalb eines Kantons und leisten einen wichtigen Beitrag für den Verkehrsfluss. Die Voraussetzungen für ein Dorfzentrum sind folglich nicht gegeben und Investitionen oder Massnahmen in diese Richtung laufen den gesetzlichen Absichten zuwider.

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