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«Rebellieren gehört dazu»

In Berg SG kam es Anfang Jahr zu verschiedenen Vorfällen und Reklamationen bezüglich des Jugendraumes. Während der Trägerverein auf mehr Regeln setzt, fahren die anderen Jugendtreffs in der Region eine andere Schiene.

Diego Müggler

Nach der temporären Schliessung im Februar sollte der Jugendraum in Berg vergangenen Freitag wieder seinen Betrieb aufnehmen. Doch die Türen des alten Feuerwehrdepots blieben auch Mitte März für die jungen Bergerinnen und Berger zu, wie Petra Nyffeler auf Anfrage mitteilt. Die Primarlehrerin ist Co-Präsidentin von «Active Youth», dem Verein, der den Jugendraum ehrenamtlich betreibt. Der Grund für die Absage des Treffens war, dass bisher lediglich zwei Jugendliche durch ihre Eltern für den Besuch des Jugendraums angemeldet wurden. Die Anmeldung durch die Eltern ist eine der Massnahmen, welche der Trägerverein gemeinsam mit dem Gemeinderat als Reaktion auf die Vorkommnisse im Januar beschlossen hat.

Gemeinsam zu neuen Regeln

Anfang des Jahres kam es während der Öffnungszeiten wiederholt zu Vorfällen – etwa Klingelstreichen –, die zu Beschwerden der Anwohnenden führten. Hinzu kam, dass Jugendliche falsche Kontaktdaten angaben. Verein und Gemeinderat reagierten mit Massnahmen: Der Jugendraum wurde vorübergehend geschlossen, und Jugendliche müssen sich künftig durch ihre Eltern anmelden. Das Ziel der ergriffenen Massnahmen ist klar: «Wir hoffen sehr, dass der Raum bald wieder in einem übersichtlichen und etwas strenger organisierten Rahmen genutzt werden kann», schreibt Nyffeler. Eine weitere Massnahme ist ein partizipativer Workshop. Geführt durch die Jugendarbeiterin der Seelsorgeeinheit Berg-Steinach, Sandra Culjaga, sollen gemeinsam mit den Jugendlichen Grundregeln für den Jugendraum erarbeitet werden. Neben dem partizipativen Workshop konzentriert sich Culjaga auf den Steinacher Jugendtreff, den sie seit einem Jahr leitet. Dort gehe es auch nicht immer nur ruhig zu und her.

«Wo, wenn nicht im Jugendtreff»

«Bei Jugendlichen gehört das Rebellieren dazu», sagt sie. «Wo sollten sie dies machen, wenn nicht im Jugendtreff?» Jugendstreiche habe es schon immer gegeben, der Unterschied sei aber die Einstellung der Menschen den Jugendlichen gegenüber. Darum ist eines ihrer Ziele, als Jugendtreff mit der restlichen Bevölkerung in Kontakt zu treten. Entsprechend gab es vergangenen November zur Einweihung der Umbauten einen Tag der offenen Tür. «Leider kamen da nur wenige Besuchende. Ich war vom tiefen Interesse der Erwachsenen in Steinach wirklich enttäuscht», sagt Culjaga. Dabei wären diese Begegnungen die Möglichkeit, die Jugendarbeit besser kennenzulernen.

Zwei Jungs spielen gemeinsam Billard im Jugendtreff.
Zwei Jungs spielen gemeinsam Billard im Jugendtreff.
© Diego Müggler

Neben dem Treffbetrieb gehöre auch die Begleitung der Jugendlichen beispielsweise bei der Lehrstellensuche oder persönlichen Problemen dazu. Das Desinteresse der Erwachsenen spüre sie auch politisch. «Als Jugendarbeit haben wir einen schwierigen Stand», sagt die Steinacherin. Exemplarisch stehen für sie die Räumlichkeiten, in denen der Jugendtreff stattfindet: «Wir sind in einem Luftschutzkeller ohne Fenster untergebracht. Währenddessen wird eine neue Schulhaus-Turnhalle gebaut, in der es wohl aber keinen Platz für einen Jugendtreff hatte.»

In 31 Jahren nie schliessen müssen

Anders sehe dies beim WIWA-Jugendtreff in Horn aus, sagt Treffleiter Antonio Tatasciore. «Wir sind einer der ältesten Jugendtreffs der Ostschweiz und im Dorf gut verankert.» Nichtsdestotrotz komme es auch im Jugendtreff in Horn immer wieder zu Momenten, in denen er als Treffleiter eingreifen oder Regeln durchsetzen müsse. «Dafür bin ich hier.» Der Jugendtreff sei aber ein Ort, an dem Jugendliche sein dürfen. Die Jugendarbeit richte sich präventiv aus und setze bei den Ressourcen der Jugendlichen an. Wenn es im Dorf zu Zwischenfällen mit Jugendlichen kommt, sieht Tatasciore die Jugendarbeit als Fels in der Brandung. «Uns geht es nicht ums Bestrafen, sondern darum, wie wir die Jugendlichen begleiten können.» Deshalb sei es von entscheidender Wichtigkeit, nach einem pädagogischen Konzept als Leitfaden zu arbeiten. Ein weiterer wichtiger Pfeiler in herausfordernden Situationen ist die professionelle Zusammenarbeit mit anderen Institutionen wie der Schulsozialarbeit, der Gemeinde oder der Jugendpolizei. «Die Aufgabe der Jugendarbeit wird aber oft unterschätzt», sagt Tatasciore dazu. Eine professionell aufgestellte Jugendarbeit könne schwierige Situationen deutlich besser handhaben.

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