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Schiefe Töne im Vorstand

Mitten im grossen Jubiläumsjahr der Musikschule Arbon kommt es zu Querelen in der Organisation. In der Folge tritt Vereinspräsident Urs Gähwiler zurück. Ein Übergangsvorstand soll die Situation nun kitten.

Kim Berenice Geser

Eigentlich ist 2026 ein Jubeljahr für die Musikschule Arbon (MSA). Immerhin feiert die Institution heuer ihr 40-jähriges Bestehen und die ihr angegliederte Tanzwerkstatt zeitgleich ihr 25-Jahr-Jubiläum. Während diesen Meilensteinen mit einem bunten Jahresprogramm Rechnung getragen wird, brodelt es allerdings hinter den Kulissen. An der jährlichen Versammlung des Trägervereins Ende März äusserten mehrere Mitglieder Bedenken bezüglich der finanziellen Situation der MSA und warfen dem Vorstand mangelnde Kommunikation und fehlende Führungskompetenzen vor. Vor allem Vereinspräsident Urs Gähwiler musste sich an diesem Abend vor ungewohnt gut besuchten Rängen einige Kritik gefallen lassen. Interessant dabei: Er selbst hatte gleich zu Beginn der Versammlung dieselben Problemzonen benannt und Massnahmen zur Verbesserung der Situation präsentiert. Dennoch trat er vier Tage nach der Versammlung zurück. Was war in der Zwischenzeit passiert?

Mehr Finanzmittel sind nötig

Die Antwort auf diese Frage ist simpel: Er hatte Zeit zum Nachdenken. Die Hintergründe sind indes etwas komplexer. Ein Grossteil davon wurzelt aber am selben Ort: den Finanzen. Um die ist es aktuell bei der MSA nicht rosig bestellt. Hauptauslöser hierfür ist die Anpassung des kantonalen Beitragsgesetzes für Musikschulen 2025. «Diese brachte uns leider nicht die erhoffte Abhilfe, respektive höhere Beiträge», erklärt Gähwiler rund zwei Wochen nach der Versammlung. Im Gegenteil: Das vorgeschriebene Lohnband führt zu Mehrausgaben, während die Raumkosten einheitlich mit den übrigen Musikschulen im Kanton vergütet werden. «Obwohl diese – anders als die MSA – oft in Räumen unterrichten, die kostenlos von den Schulgemeinden zur Verfügung gestellt werden», erläutert er.

Urs Gähwiler zieht sich aus dem Vorstand der Musikschule zurück.
Urs Gähwiler zieht sich aus dem Vorstand der Musikschule zurück.
© Laura Kappeler

So kommt es, dass der MSA mit dem neuen kantonalen Verrechnungsmodell jährlich zwischen 60’000 und 70’000 Franken fehlen und sie 2025 einen Verlust von knapp 57’000 Franken schrieb. Man ist zum Handeln gezwungen. «Auf das laufende Schuljahr haben wir bereits die Tarife angepasst – vor allem bei den Erwachsenen. Denn die Finanzanalyse hat gezeigt, dass wir in diesem Bereich stark defizitär agieren.» Dank der erhöhten Tarife kann für 2026 ein ausgeglichenes Budget erreicht werden. «Langfristig brauchen wir aber mehr Mittel, um finanziell stabil aufgestellt zu sein», betont Gähwiler und fügt an: «Es gibt deshalb Kreise von Mitgliedern, die Angst vor einem drohenden Untergang der MSA haben.» Gähwiler selbst sieht die Lage weniger drastisch. «Die MSA ist, was den Lehrkörper, das Unterrichts-Niveau und die Schulleitung betrifft, sehr gut aufgestellt.» Nun gelte es, neue Finanzierungsquellen zu erschliessen. Das brauche Geduld und Einsatz. «Ich behaupte aber, die MSA ist auf einem guten Weg.» Diese Meinung teilen nicht alle Mitglieder des Vereins, wie sich am Versammlungsabend im März zeigte.

Unterschiedliche Auffassungen

Mit der Begründung, der aktuelle Vorstand nehme sich den bestehenden Problemen nicht an, beantragte Vereinsmitglied Hansjörg Binder die Einsetzung eines erweiterten Übergangsvorstandes. Mit Roland Etter, Mattia Godenzi, Emanuel Vogel und Lorenz Nägeli hatte er auch bereits vier zusätzliche Mitglieder zur Hand. Der Antrag wurde einstimmig angenommen. Ein Entscheid, der in der Folge bei Gähwiler ambivalente Gefühle auslöste und schliesslich zum Rücktritt führte, wie er erklärt. «Ich freue mich über das grosse Engagement für den Vorstand der MSA.» Zumal eine Erweiterung desselben ohnehin dringend nötig gewesen sei. Denn nebst Präsident und Vize bestand das Gremium bisher nur aus Delegierten der Schulgemeinden und des Lehrpersonals. «Damit fehlte es dem Vorstand an Schlagkraft, weil die Ressourcen der Delegierten durch ihre Behördenmandate bereits stark ausgelastet sind», erklärt Gähwiler. Dennoch lässt ihn das fehlende Vertrauen, das mit der Wahl des Übergangsvorstandes verbunden ist, nicht kalt. «Angesichts der unterschiedlichen Auffassungen habe ich mich deshalb zum Rücktritt entschlossen.» Er gehe nach acht Jahren im Amt ohne Groll, betont er. «Ich bin überzeugt, dass die MSA sich mit den neuen Vorstandsmitgliedern erfolgreich vorwärtsbewegen wird.» Der Übergangsvorstand will in den kommenden Monaten die Lage beurteilen. Die Ergebnisse sollen an einer ausserordentlichen Versammlung im Herbst präsentiert werden.

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