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So verändert «Arrivée» Horn

Mehr als 200 Wohnungen direkt am Bodensee, technische Herausforderungen im Untergrund und ein Projekt, das in Horn seit Jahren diskutiert wird: Architekt Carlos Martinez spricht im Interview über Verantwortung, Widerstand – und darüber, weshalb «Arrivée» für ihn weit mehr ist als nur eine Überbauung.

Manuela Bruhin

Carlos Martinez, wer heute an der Baustelle vorbeifährt, sieht: Jetzt passiert etwas. Was ist aktuell der Stand beim Projekt «Arrivée»?

Wir kommen sehr gut voran. Alle Beteiligten sind mit vollem Elan bei der Realisierung. Die Wohngebäude werden von Westen her nach und nach erstellt. Die Baustelle wächst – und die Herausforderungen bei so einem grossen Bauvorhaben sind dementsprechend gross.

Nach Jahren der Planung: Gab es einen Moment, in dem Sie selbst dachten: «Jetzt wird es tatsächlich Realität»?

Schon seit meiner Lehre als Hochbauzeichner ist es für mich ein besonderer Moment, wenn ich die Räume begehen kann, die zuerst in meinem Kopf als Bilder entstanden sind. Der Augenblick, wenn der Entwurf Realität wird, hat etwas Magisches.

Was entsteht konkret bis 2027 in Horn – und wie stark wird dieses Quartier das Ortsbild verändern?

Das Projekt füllt eine Lücke, die in den letzten 20 Jahren nicht besonders attraktiv ausgesehen hat. Das Quartier verändert natürlich das Bild und die erlebte Umgebung in Horn. Wie Luigi Snozzi, ein berühmter Tessiner Architekt, immer sagte: «Jeder Eingriff ist eine Zerstörung, zerstöre mit Vernunft!». Hier gab es eher etwas aufzubauen. Bei unserem Wettbewerbsbeitrag haben wir darauf geachtet, dass der See von der Strasse her noch spürbar und sichtbar ist – so gut es bei der heute geforderten Verdichtung möglich ist. Wir waren die Einzigen, bei denen der Durchblick von der Strasse zum See noch gegeben ist.

Das Projekt hatte nicht nur Befürworter. Wie herausfordernd waren die Diskussionen rückblickend?

Es gibt sehr wenige Projekte, die heute nur Befürworter haben. Es waren die üblichen Einsprachen, die man mittlerweile leider erwarten muss. Die Einsprachen verzögern das Bauen, machen es teurer und führen zur Verknappung des Wohnungsangebots.

Man hat immer eine gesellschaftliche Verantwortung, wenn man baut.
Carlos Martinez

Viele Einwohnende verbinden mit dem früheren Raduner-Areal Erinnerungen. Wie schwierig ist die Balance zwischen Entwicklung und Identität eines Ortes?

In diesem Projekt hatten wir es leicht, weil der Ort leider weitgehend von seiner gebauten Identität befreit war. Uns haben die Lage am See, die Sonne, die Aussicht und die Topografie herausgefordert.

Bauen direkt am Bodensee klingt spektakulär – vermutlich aber auch technisch anspruchsvoll. Was sind aktuell die grössten Herausforderungen auf der Baustelle?

Direkt am Seeufer sind der Auftrieb durch das Grundwasser sowie die Beschaffenheit des Baugrundes herausfordernd. Einerseits muss man die Bauten auf Pfähle stellen und den Baugrund mit Kies verdichten, damit sich die Gebäude kontrolliert setzen können. Andererseits muss man sie verankern oder genug Gewicht einbringen, damit der Bau nicht aufschwimmt. Während des Baus, wenn erst das Untergeschoss erstellt ist, hat man noch zu wenig Gewicht und die Gefahr des Auftriebs ist gross. Man muss intelligent vorgehen, den Grundwasserspiegel fortlaufend im Auge behalten und im Ernstfall manchmal sogar die Tiefgarage kontrolliert fluten, damit sich der Bau nicht vom Boden löst und es zu Rissen kommt.

Arrivée gilt als eines der letzten grossen Entwicklungsprojekte direkt am Bodensee. Spürt man diese besondere Verantwortung im Projektalltag?

Man hat immer eine gesellschaftliche Verantwortung, wenn man baut. Man gestaltet den öffentlichen Raum und die Umgebung der Menschen, die nicht wegschauen können. Das ist eine spezielle Last sowie eine grosse Verantwortung für den Architekten und auch den Auftraggeber. Bei Arrivée haben wir das besonders in der grossen Nachfrage gespürt.

Für wen entsteht dieses neue Quartier eigentlich? Luxusprojekt oder neuer Lebensraum für unterschiedliche Generationen?

Die Nutzung ist mir sehr wichtig – egal ob bei einem Einfamilienhaus, einer Industrieanlage oder einem Hotel. Die Funktion muss stimmen, und man sollte ortsbezogen planen und denken. An diesem Ort wäre sozialer Wohnungsbau nicht richtig. Schon der Grundstückspreis und die Lage sprechen dagegen. Es entstehen ganz unterschiedliche Wohnungen: Von der Mietwohnung bis zur gehobenen Wohnung ist im Arrivée alles vertreten. Es entsteht neuer Lebensraum für Familien sowie für Paare und Singles, die die Lage am See schätzen.

Grossprojekte polarisieren fast immer. Was würden Sie heute einem kritischen Einwohnenden bei einem Kaffee sagen?

Es wäre wahrscheinlich schöner und sicher romantischer gewesen, auf dem Grundstück zehn Einfamilienhäuser in Holzbauweise zu erstellen – umgeben von einem Park mit hohen Bäumen und ungeschnittenen Blumenwiesen. Die Aufgabe unserer Zeit war es jedoch, mehr als 200 Wohnungen zu schaffen. Das haben wir bestmöglich und gewissenhaft umgesetzt. Auch die Umgebung wird sehr schön. Es können grosse Bäume wachsen, und die Uferzone haben wir respektiert. Es entsteht kein Zaun zum See. Eine dünenartige Gestaltung der Topografie zum See hin bindet die neuen Bauten harmonisch in die Seenlandschaft ein.

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