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Wenn der Verursacher fehlt

Ein nicht mehr existenter Textilbetrieb sorgte für Bodenverunreinigungen in der Altstadt. Die Kosten der Sanierung trägt der Staat.

Kim Berenice Geser

Von Ende der 60er bis 2014 wurde an der Rathausgasse 13 in Arbon eine chemische Reinigung betrieben. Die Firma existiert längst nicht mehr. Geblieben ist jedoch die durch sie verursachte Verschmutzung des Bodens. Dafür gesorgt hat das als Reinigungsmittel verwendete Perchlorethylen, kurz Per. Laut Angaben der Stadt Arbon wurde vermutlich bis 1995 Per-haltiges Abwasser über das Lavabo in die Kanalisation geleitet. So haben sich im Freien Rückstände gesammelt. Wie Monika Göldi, Bereichsleiterin Umwelt und Energie der Stadt Arbon, auf Anfrage mitteilt, bestehe zwar für den Bodensee keine konkrete Gefahr. Die bislang festgestellte Belastung sei allerdings so hoch, dass «gesetzlich nicht zulässige Auswirkungen» auf das Grund- und Sickerwasser wahrscheinlich sind. Erschwerend kommt hinzu, dass bei den Voruntersuchungen das belastete Gebiet nicht definitiv abgegrenzt werden konnte.

Verursacher zahlt nicht

Der Stadtrat hat deshalb Mitte Dezember 2025 einen Kredit von 160’000 Franken für die Detailuntersuchung genehmigt. Dies obwohl sich die Liegenschaft, in der die Reinigung beheimatet war, nicht im Besitz der Stadt befindet. Dafür aber die angrenzenden Parzellen, die von der Verschmutzung betroffen sind. Wie Göldi erläutert, wurden die bisherigen Untersuchungen von der Hauseigentümerin vorfinanziert. Für den weiteren Projektverlauf übertrug das kantonale Amt für Umwelt die Vorfinanzierung aber an die Stadt Arbon. Denn da es die Verursacher-Firma nicht mehr gibt, kann sie auch nicht mehr zur Kasse gebeten werden. Die durch Abklärung und Sanierung entstehenden sogenannten Ausfallkosten werden laut Bundesgesetz über den Umweltschutz zu 80 Prozent von Stadt und Kanton getragen (je zur Hälfte). Der Rest wird über den VASA Altlasten-Fonds des Bundes finanziert.

Der Boden rund um die Rathausgasse 13 ist verschmutzt.
Der Boden rund um die Rathausgasse 13 ist verschmutzt.
© Kevin Fitzi

Dass die Detailuntersuchung jetzt durchgeführt werden muss, hängt übrigens nicht mit einem plötzlich erhöhten Gefahrenpotenzial zusammen. Der Standort ist seit 2014 im Kataster der öffentlich-rechtlichen Eigentumsbeschränkungen (ÖREB) als «belastet» aufgeführt. Ausschlaggebend ist vielmehr das Projekt für die Aufwertung- und Sanierung der Altstadt, das am 8. März zur Abstimmung kommt. Im Zuge der damit zusammenhängenden Tiefbauarbeiten sind nach Angaben von Göldi erstmals «bodenrelevante Eingriffe» vorgesehen. «Diese machen eine Detailabklärung nach den geltenden umweltrechtlichen Vorgaben notwendig.» Wird nach Abschluss der Untersuchungen tatsächlich eine Sanierung notwendig, ist eine «InSitu-Sanierung» angedacht. Dabei wird das kontaminierte Material nicht ausgehoben, sondern durch Injektionen – beispielsweise von Aktivkohle oder Oxidationsmitteln – direkt im Untergrund unschädlich gemacht.

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