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«Wir fühlen uns hier sicher»

Der Roggwiler Schuhproduzent kybun Joya schliesst seinen Shop im Arboner Hamel-Gebäude per Ende 2026. Als Gründe nennt das Unternehmen zunehmende Sicherheitsprobleme, Leerstände und fehlende Perspektiven für das Einkaufsareal. Diese Darstellung sorgt bei den übrigen Ladenbetreibern für Unmut. Sie zeichnen ein anderes Bild der Situation.

Kim Berenice Geser

Erst vor zwei Jahren hat kybun Joya sein Ladenlokal im Hamel-Gebäude umgebaut. Nun steht der Auszug bevor. Dies gab das Unternehmen letzten Freitag bekannt. Co-CEO Claudio Minder begründet den Entscheid mit der Entwicklung der Einkaufspassage und zunehmenden Sicherheitsbedenken. Mitarbeitende und Kundschaft hätten insbesondere abends wiederholt unangenehme Situationen mit zum Teil berauschten Personen erlebt. Nach dem Wegzug von Coop Ende August habe sich das Sicherheitsgefühl weiter verschlechtert. Bereits im April habe das Unternehmen deshalb das Gespräch mit der Verwaltung gesucht. Trotz Zusicherungen seien bei der Wiedervermietung leerstehender Flächen keine sichtbaren Fortschritte erzielt worden. Auch das ursprünglich geplante Konzept mit gesundheitsnahen Angeboten habe sich nicht wie erwartet entwickelt. Aus der unmittelbaren Umgebung verschwinden wird die Filiale indes nicht. Den neuen Standort will das Unternehmen derzeit aber noch nicht bekannt geben.

Massnahmen verschärft

Die St.Galler Pensionskasse (sgpk) als Eigentümerin des Hamel-Gebäudes bedauert den Wegzug. Gegenüber «felix.» bestätigt sie den Austausch mit kybun Joya und betont, die Sicherheitsbedenken der Mieterschaft ernst zu nehmen. «Wir sind uns bewusst, dass neben der tatsächlichen Sicherheitslage auch das persönliche Sicherheitsgefühl eine wichtige Rolle spielt», schreibt sie. Neben den bestehenden Sicherheitsvorkehrungen wie regelmässigen Securitas-Patrouillen und 27 Überwachungskameras seien die Kontrollrundgänge verstärkt und zusätzliche Beleuchtungen bei leerstehenden Flächen installiert worden. Da die Sicherheit auch von der Umgebung abhänge, stehe die sgpk zudem mit der Stadt und der Kantonspolizei Thurgau in Kontakt, um weitere Massnahmen zu prüfen. Die Mieterschaft wurde über das Vorgehen informiert.

Ladenbetreiber widersprechen

Die Kantonspolizei stuft das Hamel-Gebäude derweil nicht als auffällig ein. Die Zahl der Polizeieinsätze in der Umgebung sei nicht höher als in anderen urbanen Gebieten des Kantons. Auch aktuelle Beschwerden anderer Gewerbetreibender seien ihr nicht bekannt. Das deckt sich mit den Aussagen der übrigen Ladenbetreiber. Sie kritisieren die Berichterstattung zum Auszug von kybun Joya. Diese zeichne ein falsches Bild der Situation und vermittle den Eindruck, im Hamel gäbe es abgesehen vom Schuhladen und der Post keine weiteren Betriebe.

Die Besucherfrequenz im Hamel bemängeln alle Ladenbetreibenden, in puncto Sicherheit gehen die Meinungen auseinander.
Die Besucherfrequenz im Hamel bemängeln alle Ladenbetreibenden, in puncto Sicherheit gehen die Meinungen auseinander.
© Kim Berenice Geser

Das sei geschäftsschädigend, sagt Heike Birnbaum von der Hörladen AG. Weder sie noch die Verantwortlichen von Alegra Hair & More, art of optic und der Chocolaterie Kölbener berichten von Sicherheitsbedenken bei Angestellten oder Kundschaft. Im Gegenteil: Die Situation habe sich gegenüber vor drei Jahren sogar verbessert. Damals sorgte eine Gruppe Männer am Bushof mit Randalen und Beschimpfungen von Buschauffeuren für Schlagzeilen, worauf die Vermieterin Sicherheitsmassnahmen ergriff. Dass gelegentlich Personen in der Einkaufspassage «herumlungern», bestreiten die Befragten nicht. Sie sehen darin jedoch kein besonderes Sicherheitsproblem. Im Gegensatz zu kybun Joya sind sie der Ansicht, die Zahl der ungewollten Besuchenden nehme seit dem Auszug des Coops zusätzlich ab.

Unattraktiver Leerstand

Alle vier Betriebe geben an, sich im Hamel wohlzufühlen und keine Umzugspläne zu hegen. In einem Punkt geben sie kybun Joya allerdings Recht: Die leerstehenden Ladenflächen seien wenig einladend. Dass sich das Hamel-Gebäude nicht wie erhofft entwickelt hat, räumt auch die sgpk ein. Weder Coop noch die Nähe zum Bus- und Zugbahnhof hätten die erwartete Kundenfrequenz gebracht. Das angestrebte Konzept mit gesundheitsnahen Angeboten im Hamel sieht die sgpk mit Physiotherapie, Gynäkologie, Sportklinik, Optiker, Hörakustik und Fitness als mehrheitlich umgesetzt an. Aufgrund der Rahmenbedingungen im Hamel legt die sgpk gemäss eigenen Angaben den Fokus bei der Vermietung derzeit auf Dienstleistungsangebote, gesundheitsnahe Nutzungen und Geschäfte mit einem spezifischen Zielpublikum. Die Eigentümerin gibt an, die Vermietung aktiv voranzutreiben, mit potenziellen Mietern liefen konkrete Gespräche.

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