Auf weitere fünf Jahre
Kim Berenice GeserInmitten einer Brachlandschaft eröffneten Sabine und Remo Bosshart vor zehn Jahren die «BKW2». Die NLK war nur zwei Jahre zuvor in Betrieb genommen worden, das riesige Areal des ehemaligen Saurer WerkZwei noch kaum erschlossen. «In unseren Anfängen war ich ständig mit Wegweisern unterwegs, um unseren Gästen die Zufahrt zum Lokal zu signalisieren», erinnert sich Remo Bosshart. Die Giessereistrasse wurde erst später gebaut. Vorher führte der Weg zur «BKW2» über Schotterstrassen, «die wegen der Bautätigkeiten auf dem Areal auch immer wieder neu verlegt wurden». Das Ehepaar Bosshart lacht bei dieser Erinnerung. Manchmal können sie selbst nicht glauben, was im letzten Jahrzehnt alles los war. Oder dass sich ihr Provisorium inzwischen zu einer festen Grösse in Arbons Gastronomie-Landschaft gemausert hat.
Ein Konzept für Krisenzeiten
Gebaut aus 16 Containern bietet die «BKW2» – kurz für Bines Kantine Werk2 – Platz für hundert Personen. Morgens gibt es «Znüni», mittags Menüs in der Selbstbedienung und abends sowie an den Wochenenden kann das Lokal für Anlässe und das Team für Caterings gemietet werden. «Von der Selbstbedienung haben mir anfangs alle abgeraten», erzählt Sabine Bosshart. Sie liess sich davon nicht abhalten und meint rückblickend: «Du kannst das beste Business-Konzept haben, am Ende weisst du doch erst, ob es was taugt, wenn du es ausprobierst.» Und die Selbstbedienung taugte. «Genau dieses Konzept hat uns während und nach der Pandemie über Wasser gehalten, weil es nicht so personalintensiv ist, wie ein bedientes Restaurant.» Von den neun Mitarbeitenden sind viele dem Betrieb seit Jahren treu – genauso wie die Gäste. Heute macht die Kantine rund 40 Prozent ihres Umsatzes mit «Znüni» und Mittagstisch, die übrigen 60 mit Events. «Vom Hochzeitsapéro, über den Personalausflug des Kantonsspitals St. Gallen hatten wir schon alles hier», sagt Sabine Bosshart. «Sogar eine freie Trauung auf der Terrasse durften wir schon ausrichten. Das muss man sich mal vorstellen!»
Pläne haben sie genug
Während alledem veränderte sich die Umgebung rund um die «BKW2» ebenso wie das Leben der Bossharts. Sie bekamen zwei Kinder, links und rechts von ihnen schossen die Neubauten in die Höhe. Feste, die früher bis in die frühen Morgenstunden andauerten, sind deshalb seltener geworden, die Lärmklagen dafür häufiger. «Das Quartier verändert sich, wir wussten das von Anfang an und tragen dem Rechnung», sagt Remo Bosshart. Für die beiden ist auch immer schon klar, dass das, was sie hier geschaffen haben, nicht für die Ewigkeit ist. Mit der HRS, welcher der Boden gehört, haben sie ein Nutzungsrecht. «Wir dürfen so lange bleiben, bis hier etwas Neues entsteht», so Sabine Bosshart. Wann das sein wird, weiss sie nicht. Was sie weiss, ist, dass sie die «BKW2» nicht anderswo eins zu eins wieder aufbauen wird. «Dieses Konzept ist auf diesen Standort ausgelegt. Ein neuer Ort braucht eine neue Idee.» Von denen haben sie und ihr Mann genügend und nach jedem Urlaub mit dem Camper noch ein paar mehr. Da ist zum Beispiel das Bauernhaus in Winden, in dem sie vielleicht einmal wohnen und dessen Scheune sich umbauen liesse. Aber erst einmal verlängern die beiden ihre Bewilligung für temporäre Bauten um weitere fünf Jahre. «Danach sehen wir weiter.»
«BKW2» darf noch eine Weile bleiben
Es dauert noch bis die «BKW2»-Parzelle überbaut wird. Das lässt zumindest Michael Breitenmoser, Mitglied der Geschäftsleitung bei HRS, auf Anfrage verlauten. In der anstehenden Bauetappe wird erst das Baufeld zwischen Kantine und Hotel in Angriff genommen. Zwar hat hier ein einzelner Einsprecher seinen Rekurs bis vors Bundesgericht gezogen. Da dies, laut Angaben von Breitenmoser, aber keine aufschiebende Wirkung hat und das Thurgauer Verwaltungsgericht, wie die vorherigen Instanzen, den Rekurs abgewiesen hat, soll so bald als möglich mit den Arbeiten begonnen werden. Das geplante Projekt «Henry» umfasst drei Baukörper mit insgesamt 40 Miet-, 17 Eigentumswohnungen und fünf Stadthäusern. Die darauffolgende Bauetappe umfasst das Areal zwischen Webmaschinenhalle und Park. Hier sei die Planung bereits weit fortgeschritten, so Breitenmoser. Sobald die Ortsplanungsrevision und der Gestaltungsplan bewilligt sind, will die HRS das Baugesuch einreichen.