Berg lehrt die Demokratie
Diego Müggler
Die Demokratie und die politische Mitbestimmung scheinen der Bevölkerung in Berg etwas Wichtiges zu sein. Dafür sprach an der ordentlichen Bürgerversammlung am Montag nicht nur die hohe Stimmbeteiligung von 17,6 Prozent, sondern auch Peter Imthurns Themenauswahl für sein Vorwort. So eröffnete der Gemeindepräsident den Abend mit einem Zitat vom ehemaligen Deutschen Bundeskanzler Konrad Adenauer, nach dem die Demokratie am besten in den Gemeinden gelehrt werde. In Zeiten in denen autokratische Kräfte weltweit auf dem Vormarsch sind, sei dies umso wichtiger, so Imthurn. Entsprechend verstand der Gemeinderat die Bürgerversammlung auch nicht als schlichte Abhandlung der ordentlichen Traktanden, sondern liess zu Beginn die einzelnen Gemeinderatsmitglieder von ihrem Ressort berichten, gab Updates zu den laufenden Projekten im Dorf und regte die Anwesenden mehrmals zur aktiven Teilnahme am politischen Geschehen – auch ausserhalb von Bürgerversammlungen – an.
Neuschätzung führt zum Plus
Nichtsdestotrotz gehörten die formellen Traktanden auch in Berg zur Bürgerversammlung. So schloss die Gemeinde die Jahresrechnung 2024 mit einem Gewinn von rund 1,051 Mio. Franken gute 1,23 Mio. Franken über dem budgetierten Verlust von 182 000 Franken ab.

Diesen markanten Unterschied zwischen Budget und Rechnung erklärte der Gemeindepräsident mit der Neuschätzung einer Liegenschaft, welche nun mit knapp 1,1 Mio. Franken schwerer in der Bilanz liegt. Operativ bleibe nichtsdestotrotz ein kleiner Aufwandüberschuss, so Imthurn. Nach dem Budget 2025 wird sich dieser aufgrund der verschobenen Projekte, der Teuerung, einer notwendigen Klasseneröffnung und weiteren einmaligen Mehrausgaben im kommenden Jahr auf 544 310 Franken erhöhen.
Mehraufwände in der Elektra
In den vergangenen Jahren machte Berg mit seinem hohen Strompreis Schlagzeilen. Schliesslich erwischten die Preisschwankungen die Gemeinde genau im falschen Moment. Der Gemeinderat führte als Reaktion darauf eine Strompreisplanung analog der Finanzplanung ein. Mit einer Mixrechnung über die kommenden Jahre versuchte der Gemeinderat die aktuelle Strompreis-Spitze zu brechen. Jedoch sprang durch eine Energiegesetz-Änderung auf der nationalen Ebene der Zulieferer von diesem Plan ab, was den grössten Teil der Schlechterstellung von 135 000 Franken in der Rechnung 2024 auf einen Mehraufwand von 216 571 Franken und den budgetierten Aufwandüberschuss für 2025 von 378 500 Franken erklärt. Mit nur einer einzigen Frage nahmen die Anwesenden die Rechnung 2024 und das Budget 2025 ohne Gegenstimme an.
Grünabfuhr und Formel-1-Rennen
Erst bei den weiteren Traktanden – der Netzsanierung Tannacker-Wilen und der Aufhebung des Zweckverbandes Schule für Musik mit Ersatz einer Leistungsvereinbarung – kam bei den Stimmberechtigten die Diskussionslust auf. Während bei ersteren technischen Unklarheiten im Mittelpunkt standen, fragte eine Bürgerin bei der Neuorganisation der Schule für Musik, was denn bei diesem Vorschlag überhaupt die negativen Aspekte seien. Wirklich stichhaltige Punkte konnte daraufhin niemand nennen, womit sich bei beiden Anträgen die klare Annahme seitens der Bürgerversammlung bereits vor der Abstimmung abzeichnete. Aufgewärmt von den letzten Traktanden kamen die Berger Stimmbürgerinnen und Stimmbürger bei der allgemeinen Umfrage wortwörtlich so richtig in Fahrt. So fragte ein Bürger mit Blick auf die Fahrgeschwindigkeiten der Autos im Dorf, wann das erste Formel-1-Rennen in Berg stattfinde, und mehrere Bürgerinnen und Bürger sehnten sich die Jahrespauschale für die Grünabfuhr zurück. Nachdem sich die Voten erschöpften, versicherte Gemeindepräsident Peter Imthurn einmal mehr, dass diese Themen den Weg in die Gemeinderatssitzung finden werden und er glücklich darüber sei, dass die Diskussion und die Demokratie in Berg so aktiv leben.