«Das ist die Zukunft»
Kim Berenice GeserDie Stiftung Seevida hat die Liegenschaft Bellevue und die angrenzende ehemalige Bäckerei bereits 2022 erworben. Die Baubewilligung für den Neubau hat man erst diese Woche erhalten. Warum die Verzögerung?
Domenic Näf: Wir haben das Projekt bereits nach dem neuen Baureglement erstellen lassen, weil wir so unter anderem den Vorteil einer besseren Ausnützungsziffer hatten. Dafür mussten wir warten, bis das neue Reglement diesen Januar endlich in Kraft trat. Aber wir konnten diese Zeit sinnvoll nutzen.
Nämlich für was?
Die Ortsbildkommission (OBK) der Stadt hatte noch einige Einwände, die wir in der Zwischenzeit bearbeiten konnten.
Worum ging es dabei?
Hauptsächlich um die Aussenansicht. Wir hatten erst ein moderneres Erscheinungsbild, das sich für die OBK zu wenig ins Quartier einfügte. Wir haben das Projekt deshalb um gewisse Charakteristiken des ursprünglichen Gebäudes wie der Andeutung von Erkern ergänzt.
Warum hat man sich für einen Neubau entschieden, statt die bestehenden Gebäude zu erhalten?
Der Platzbedarf wäre schlicht nicht vorhanden, um ein rentables Projekt zu realisieren. In den heutigen Gebäuden fänden maximal sieben bis acht Wohnungen Platz. Ausserdem wäre bei beiden Gebäuden eine Kernsanierung nötig. Das würde ein Vielfaches von dem kosten, was wir jetzt investieren.
Wie hoch ist die Investitionssumme heute?
Mit dem Kauf der beiden Liegenschaften circa acht Millionen Franken.
Geplant sind 14 Alterswohnungen. Damit erweitert die Stiftung Seevida ihr Angebot. Der Bedarf ist also ausgewiesen?
Auf jeden Fall. Derzeit betreiben wir nur zwei Alterswohnungen in der Villa an der Berglistrasse 13. Für die neuen Wohnungen haben wir bereits jetzt vier Reservationen und noch nicht einmal mit dem Bau begonnen. Alterswohnungen sind die Zukunft. Sie ermöglichen es den Menschen auch im Alter autonom zu leben, während sie gleichzeitig die Hilfe erhalten, die sie benötigen und wünschen. Wir bieten beispielsweise unter anderem Wäsche-, Reinigungs- und Essensservice an. In Zukunft besteht auch die Idee einen Spitexbetrieb im Neubau zu integrieren. Hierzu laufen derzeit erste Abklärungen.
Seit August ist die Geschäftsleitung der Stiftung Seevida vakant. Sie haben deshalb derzeit ein Doppelmandat. Hat das Auswirkungen auf das Bauprojekt?
Nein, nur auf meine Arbeitsbelastung. (lacht) Es bedeutet aber, dass wir gewisse Projekte aktuell ein wenig zurückstellen müssen.
Was ist denn neben dem Neubau noch geplant?
Das Haus Selma muss saniert werden. Aber erst bringen wir den Neubau auf die Spur.
Wie soll der eigentlich künftig heissen?
Das steht noch nicht fest. Nur Bellevue wird es nicht werden, weil das Pflegeheim der Alterssiedlung Arbon bereits so heisst.
Das Bauprojekt in Kürze
An der Römerstrasse 21 und 23 entsteht ein Neubau mit 14 barrierefreien Alterswohnungen mit 21/2- und 31/2-Zimmern. Im Erdgeschoss ist ein gemeinschaftlicher Aufenthaltsraum geplant. Die Tiefgarage umfasst 14 Plätze und bietet auch Parkmöglichkeiten für Elektromobile. Sie ist über einen Autolift erschlossen. Wie Domenic Näf, Präsident der Stiftung Seevida, erklärt, war dies ein bewusster Entscheid. Er soll zur Sicherheit der Schülerinnen und Schüler beitragen, die direkt gegenüber das Bergli Schulhaus besuchen. «Die Alternative zum Lift wäre eine herkömmliche Erschliessung mittels Rampe gewesen», erklärt Näf. «Eine solche lädt aber häufig dazu ein, zu schnell zu viel Gas zu geben. Mit dem Autolift minimieren wir dieses Risiko.» Ums Haus ist eine naturnahe Gestaltung inklusive Sitzplatz geplant. Die Treppe, die das Grundstück aktuell mit der Rebenstrasse verbindet, bleibt weiterhin öffentlich zugänglich. Der Baustart soll wenn möglich noch dieses Jahr erfolgen. Die Bauzeit beträgt zwei Jahre.