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«Das ist kein Einzelfall»

Die Sanierung der ehemaligen Schiessanlage Buholz in Steinach wird deutlich teurer als erwartet. Grund sind erhebliche PFAS-Belastungen, die bei vertieften Untersuchungen festgestellt wurden. Die geschätzten Kosten steigen dadurch von rund 430’000 auf 800’000 Franken. Im Interview erklärt Gemeindepräsident Michael Aebisegger, weshalb er die Folgen weit über Steinach hinaus als Herausforderung sieht.

Manuela Bruhin

Michael Aebisegger, die Sanierungskosten steigen von rund 430’000 auf 800’000 Franken. Was ging Ihnen durch den Kopf, als die PFAS-Belastung bekannt wurde?

Verschiedenes. Einerseits bezweifle ich einen Zusammenhang zwischen Schiessanlage und PFAS-Belastung. Andererseits habe ich den Eindruck, dass wir als Gesellschaft die Dimension unterschätzen.

PFAS sind seit Jahren ein Thema. Sind Sie überrascht, dass die Belastung an der ehemaligen Schiessanlage so gravierend ausfällt, oder musste die Gemeinde mit einem solchen Szenario rechnen?

Das Thema ist politisch erst seit kurzem im Fokus. Zudem haben wir an diesem Standort überhaupt nicht damit gerechnet, zumal die Belastung mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit nicht vom Schiessbetrieb stammt.

Für Steinach bedeutet die neue Situation Mehrkosten von rund 200’000 Franken. Wie schmerzhaft ist dieser Betrag für die Gemeinde Steinach?

Die im Raum stehenden Mehrkosten sind störend, da wir uns für die PFAS-Belastung nicht verantwortlich sehen. Letztendlich fehlen sie für andere Vorhaben. Da es sich um ein überregionales Problem handelt, mache ich mir über die möglichen Auswirkungen auf die gesamte Region viel mehr Sorgen.

Sie kritisieren die fehlenden Vorgaben von Bund und Kanton. Fühlen sich die Gemeinden beim Umgang mit PFAS derzeit etwas alleingelassen?

PFAS werden seit Jahrzehnten industriell genutzt – die Ewigkeitschemikalie war jedoch bis anhin nicht auf dem Radar der Behörden. Es ist offensichtlich, dass in den vergangenen Jahren schon belastetes Material bei Bauvorhaben verschoben oder deponiert wurde. Weil diese Bauvorhaben jedoch abgeschlossen sind, interessiert es – zumindest vorläufig – niemanden mehr. All diese Projekte hatten Glück beziehungsweise noch den richtigen Zeitpunkt erwischt.

Michael Aebisegger
Michael Aebisegger
© z.V.g.

Im Gebiet Rohr gibt es offenbar einen weiteren belasteten Standort. Müssen sich die Steinacherinnen und Steinacher darauf einstellen, dass noch weitere finanzielle Überraschungen auf die Gemeinde zukommen könnten?

Diese Eventualverbindlichkeit wurde bereits im Anhang zur Jahresrechnung angezeigt. Der finanzielle Umfang ist zum aktuellen Zeitpunkt weiterhin ungewiss.

Der Gemeinderat prüft, ob eine sofortige Sanierung überhaupt sinnvoll ist. Was wäre aus Ihrer Sicht das grössere Risiko: jetzt handeln oder auf klarere Rahmenbedingungen warten?

Die Kosten sind das grösste Risiko, zumal es aktuell an Alternativen und Möglichkeiten für Reinigung und Entsorgung mangelt.

Ist der Fall Buholz für Sie ein Einzelfall – oder ein Beispiel dafür, wie Umweltaltlasten die Gemeinden in den kommenden Jahren zunehmend beschäftigen werden?

Ich bin überzeugt, dass dies kein Einzelfall ist und uns die (finanziellen) Folgen gesellschaftlich sehr stark herausfordern werden.

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