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Ein Café für die Jugend

In Arbon fehlt es an öffentlichen Räumen für Jugendliche. Dass steht für Rachel Karan ausser Frage. Die 34-Jährige packt das Problem an, in dem sie selbst einen solchen Treffpunkt schafft. Warum es diesen braucht, und was genau sie plant, darüber spricht sie im Interview.

Kim Berenice Geser

Rachel Karan, Sie wollen im Sommer in Arbon mit «Promise Youth» ein Café für Jugendliche eröffnen ...

Es wird ein öffentliches Café für die ganze Bevölkerung – ein generationsübergreifender Begegnungsort, an dem ältere und jüngere Menschen, Eltern, Berufstätige und Schüler aufeinandertreffen. Allerdings mit speziellem Fokus auf die Bedürfnisse der Jugendlichen und jungen Erwachsenen.

Das heisst?

Neben dem Cafébereich, der das Herzstück des Projekts bildet, wird es einen Jugendbereich geben. Der bietet den Jugendlichen eine gezielte Rückzugsmöglichkeit, um gemeinsam Zeit zu verbringen – mit Laptop-Stationen zum Arbeiten, Billard und Tischfussball zur Unterhaltung und gemütlichen Sesseln und Tischen, an denen sie Essen und Getränke konsumieren können.

Die Jugendlichen sind also ebenfalls zahlende Kunden?

Genau. Rund 50 Prozent der Kundinnen und Kunden in grösseren Kaffee-Ketten sind Studierende, Lernende oder Schülerinnen und Schüler. Diese Gruppe verfügt oft bereits über Geld, das sie ausgeben will; sie hat aber noch keine grösseren finanziellen Verpflichtungen.

In Arbon fehlt es an Orten, wo sich junge Menschen ausserhalb von Schule und Vereinen treffen können.
Rachel Karan

Auf welchen Daten basiert diese Aussage?

Ich habe mich im Rahmen eines Forschungsprojektes während meines Wirtschaftspsychologie-Studiums mit dem Thema Jugend beschäftigt. Gleichzeitig bin ich selbst seit einigen Jahren in der Jugendarbeit aktiv und habe darüber hinaus 13 Nichten und Neffen, viele davon im Teenageralter. Ich bin also mit den Bedürfnissen dieser Altersgruppe ebenso vertraut, wie mit jenen der Wirtschaft. Das Café ist deshalb eines von zwei Standbeinen meiner Firma Promise Land AG. Das zweite ist der Consultingbereich, in dem ich Firmen, Schulen, Eltern und Jugendliche berate und begleite, wenn Schwierigkeiten im Ausbildungsprozess auftreten. Auch hier ist meine Philosophie, Jugendliche in ihrer Entwicklung zu unterstützen und in ihrer Eigenständigkeit zu ermächtigen. Deshalb wird es im Café zum Beispiel auch Praktikumsstellen geben. So haben die Jugendlichen die Möglichkeit zu erfahren, wie es ist, ein Projekt mitzuprägen.

War es das, was Sie zum Café-Projekt bewegt hat?

Es ist einer der Gründe. Ein anderer ist, dass es in Arbon an Orten fehlt, wo sich junge Menschen ausserhalb von Schule und Vereinen treffen können. Räume, in denen Zugehörigkeit, soziale Kontakte und Selbstbestimmung gefördert werden – aber auch ihr Verantwortungsbewusstsein für die Gesellschaft. Das ist gerade bei jüngeren Menschen immer weniger vorhanden. Die Sozialen Medien und die tägliche Flut an schlechten Nachrichten vermitteln den Jugendlichen oft ein Gefühl der Hoffnungslosigkeit. Das führt zu Resignation und nicht selten zu Rückzug. Orte, an denen Jugendliche willkommen sind, sich gesehen und respektiert fühlen, reduzieren das Risiko von Isolation und fördern die sozialen Kompetenzen.

Rachel Karan (unten links) mit ihrem Projektteam beim Dreh eines Marketing- videos für das geplante Café –mit von der Partie sind neben zahlreichen  Jugendlichen auch ihr Mann Nikola Karan (stehend 1.v.l.).
Rachel Karan (unten links) mit ihrem Projektteam beim Dreh eines Marketingvideos für das geplante Café –mit von der Partie sind neben zahlreichen Jugendlichen auch ihr Mann Nikola Karan (stehend 1.v.l.).
© z.V.g.

Wäre das nicht Aufgabe des Jugendtreffs, der in Arbon geplant ist?

Der Jugendtreff ist ein tolles Projekt und wird das Angebot in Arbon bereichern. «Promise Youth» ist damit aber nicht vergleichbar. Allein schon, weil das Café an mehreren Tagen die Woche von 9 bis 18 Uhr geöffnet sein wird, also tagsüber eine regelmässige Anlaufstelle bietet. Das ist auch deshalb wichtig, weil es in Arbon ab der Sekundarstufe an attraktiven Aufenthalts- und Verpflegungsmöglichkeiten über Mittag fehlt. Auf dieser Stufe gibt es keine Schulergänzende Betreuung mehr. Weil viele Eltern berufstätig sind, müssen Jugendliche sich heute oft selbst versorgen. Hier wollen wir mit dem Angebot des Cafés Hand bieten. Es wird gesunde Salate, Sandwiches und Snacks geben.

Wie finanzieren Sie das Projekt?

Rund 40 Prozent der Startinvestition ist Eigenkapital. Für den Rest suchen wir noch Sponsoren und Investoren. Um «Promise Youth» vorzustellen, sind wir deshalb am Wochenende auch mit einem Stand am «Roggspiel» (siehe S. 12, Anm.d.Red.). Das hier ist nicht nur ein Projekt für junge Menschen, sondern für alle Generationen Arbons.

Und wo, wenn alles klappt, wird das Café im August eröffnet?

In unmittelbarer Nähe zum Bus- und Bahnhof. Mehr kann ich derzeit aber noch nicht verraten.

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