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Erfolgreich und umstritten

Eine Frau aus dem Kanton Aargau will das Konzert der serbischen Sängerin Svetlana Ražnatović im Seeparksaal verhindern. Es wäre der zweite Auftritt der gleichermassen bekannten wie kontroversen Künstlerin in Arbon. Die Veranstalter erhalten Rückendeckung von der Stadt und der Kantonspolizei.

Kim Berenice Geser

Mit 15 brachte die heute 52-jährige Svetlana Ražnatović ihr Debütalbum heraus. Bereits die erste Single war ein Hit. Heute gilt die unter dem Künstlernamen Ceca bekannte Sängerin als eine der erfolgreichsten Musikerinnen des Balkans. Bei ihrem ersten Konzert in Arbon vor zwei Jahren lockte sie 1500 Besuchende in den ausverkauften Seeparksaal. «Der Auftritt war ein Riesenerfolg», erinnert sich Saša Zarić. Gemeinsam mit seiner Frau Marija Zarić Gajić organisiert er seit drei Jahren die Veranstaltungsreihe Balkan Vibez. Ihr Ziel ist es, Menschen unterschiedlicher Herkunft durch Musik zusammenzubringen und kulturelle Begegnungen zu ermöglichen. In der Regel gelingt ihnen dies. Die Arboner Konzertreihe ging bisher stets ohne Vorfälle über die Bühne. Einzig im letzten Jahr gerieten die Veranstalter wegen Abfalls rund um den Seeparksaal in die Kritik. Die nun aufkeimende Diskussion um den geplanten zweiten Auftritt von Svetlana Ražnatović in Arbon überrascht den Veranstalter deshalb. Ausgelöst wurde sie hauptsächlich von einem Schreiben, das bei mehreren Medien sowie der Stadt Arbon einging. Darin bezeichnet die im Kanton Aargau beheimatete Silvia Kälin den stadträtlichen Entscheid, Cecas Konzert zu bewilligen, als «ethisch fragwürdig» und äussert Sicherheitsbedenken.

Die Witwe des Kriegsverbrechers

Um diese Kritik zu verstehen, gilt es einen Blick in die Vergangenheit von Svetlana Ražnatović zu werfen. Weltweite Bekanntheit erlangte diese 1995 durch ihre Heirat mit dem Kriegsverbrecher Željko Ražnatović, bekannt als Arkan. Arkan war 1999 vom Internationalen Strafgerichtshofs für das ehemalige Jugoslawien in 24 Fällen wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit angeklagt. Ein Jahr später wurde er in Belgrad erschossen.

Vor zwei Jahren sang Ceca in Arbon vor ausverkauften Rängen.
Vor zwei Jahren sang Ceca in Arbon vor ausverkauften Rängen.
© z.V.g.

Seiner Witwe wurden in den darauffolgenden Jahren Verbindungen zur Mafia und Verwicklungen in kriminelle Machenschaften nachgesagt. 2003 sass sie mehrere Monate wegen illegalen Waffenbesitzes in Untersuchungshaft und entging 2011 einem Prozess wegen Veruntreuung, in dem sie sich schuldig bekannte. Sie kam mit einem Jahr Hausarrest und einer Busse von 1,5 Mio. Euro davon. Danach nahmen die negativen Schlagzeilen ab. Anders als Cecas Beliebtheit, deren Konzerte bis heute ein generationenübergreifendes Publikum anlocken. In der Schweiz war sie zuletzt Teil einer Berichterstattung, als das Balkan Festival im zürcherischen Dietikon wegen eingegangener Drohungen kurzzeitig ausgesetzt werden musste. Ceca hatte dort, wie viele andere Künstler, einen Auftritt.

Kein Platz für Hetze und Hass

Auf die Frage, warum Veranstalter Saša Zarić Ceca, trotz der Kontroverse um ihre Person, für einen Auftritt bucht, betont dieser: «Die Kritik bezieht sich vor allem auf historische und persönliche Aspekte aus dem Leben der Künstlerin, die bis in die 1990er-Jahre zurückreichen.» Diese Vergangenheit stehe in keinen Zusammenhang mit den heutigen Konzerten. «Ceca tritt heute ausschliesslich als Musikerin auf. Ihre Auftritte sind keine politischen Veranstaltungen, und sie nutzt die Bühne nicht für politische Botschaften», sagt er. Für «Balkan Vibez» kämen grundsätzlich nur Künstlerinnen und Künstler infrage, die weder Hass noch Einschüchterung oder Hetze verbreiten. Entsprechend gilt an allen Anlässen ein striktes Fahnenverbot. Ceca komme, so Zarić, auf ausdrücklichen Wunsch des Publikums zum zweiten Mal nach Arbon. Weshalb er dankbar für die Unterstützung der Stadt und der Kantonspolizei ist, die sich beide hinter die Veranstalter stellen. «Sowohl die Stadt als auch die Kantonspolizei haben die Situation umfassend beurteilt und festgehalten, dass aus sicherheitsrelevanter Sicht keine Einwände gegen die Durchführung bestehen», hält Zarić fest. Dies bestätigen beide genannten Stellen auf Anfrage von «felix.». Der städtische Mediensprecher Thomas Steccanella ergänzt, der Stadt seien die Hintergründe der Künstlerin bekannt. Ausschlaggebend für die Bewilligung seien jedoch die durchwegs positiven Erfahrungen von vor zwei Jahren, der Fakt, dass Ceca in ihren Liedern keine politischen Schwerpunkte setze, sowie die positive Einschätzung der Sicherheitslage durch die Kapo. Aufgrund der erhöhten Aufmerksamkeit rund um das Konzert will Veranstalter Zarić das Sicherheitskonzept dennoch weiter optimieren. Die entstehenden Kosten trägt der Veranstalter selbst – ebenso allfällige Polizeikosten vor Ort. «Nicht der Steuerzahler», betont Zarić ausdrücklich.

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