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«Es war einfach zu viel»

Das «White Bistro» in Horn bleibt wegen eines Konkursverfahrens geschlossen. Pächter Francesco Artino gibt Auskunft über die Hintergründe und zeigt sich trotz der angespannten Lage optimistisch für die Zukunft.

Kim Berenice Geser

Ein rotes, amtliches Siegel des Konkursamtes klebt über dem Türschloss des «White Bistro» in Horn. Das Lokal im Bahnhofgebäude hat Pächter Francesco Artino erst im Sommer 2025 eröffnet. Nur ein Jahr davor hatte er sich mit dem «White Café» in der Arboner Altstadt den Traum einer eigenen Gelateria erfüllt. Dabei wäre das Bistro in Horn immer schon seine erste Wahl gewesen. Er hatte sich bereits für die Liegenschaft beworben, bevor er das Lokal in Arbon übernahm. Weil seine Bewerbung länger unbeantwortet blieb, rechnete er sich jedoch keine Chancen mehr aus. Dann kam der Zuschlag doch noch und Artino konnte nicht Nein sagen. «Es war, wie wenn eine Mutter Bescheid bekommt, dass sie Zwillinge erwartet», beschrieb er den Moment gegenüber dieser Zeitung. Was der Gastronom damals auch sagte, war, dass es Courage und viel Geld brauche, um ein zweites Angebot anzunehmen, kurz nachdem man seinen ersten Betrieb eröffnet hatte. Geld – oder vielmehr das Fehlen davon – ist es nun auch, weshalb die Räumlichkeiten im ehemaligen Horner Bahnhofgebäude vom Konkursamt versiegelt wurden.

Zwei Standorte sind einer zu viel

«Es war ein harter Sommer», sagt Francesco Artino auf Anfrage zum laufenden Konkursverfahren. Dieses wurde mit Datum vom 17. August vom Konkursamt des Kantons St. Gallen eröffnet. St. Gallen deshalb, weil Artinos Wohnsitz im Kanton ist und er sein Geschäft als Einzelfirma führt, also als Privatperson haftet. Mit «hart» meint der Gastronom derweil nicht harzig, sondern extrem arbeitsintensiv. Die Gelateria in Arbon lief im Sommer gemäss Artino hervorragend. Und auch in Horn schätzten die Gäste das Angebot, doch Personalprobleme machten dem Wirt das Leben schwer. «Wir hatten nie genug Personal und zu viele Wechsel», berichtet er und fügt an: «So kannst du Mitarbeiter nie richtig schulen, das macht das Alltagsgeschäft schwierig.»

Francesco Artino in der ehemaligen Produktionsküche in Horn, die nun nach Arbon verlegt wurde.
Francesco Artino in der ehemaligen Produktionsküche in Horn, die nun nach Arbon verlegt wurde.
© Archiv

Er musste ausserdem feststellen, dass der Standort im Sommer nicht optimal ist, weil die direkte Nähe zum See fehlt. Alles in allem sei es in Horn herausfordernder gewesen, die nötigen Umsätze zu erwirtschaften. Hinzu kam die Überforderung an zwei Standorten gleichzeitig sein zu müssen. Die Arbeitstage waren lang, die Familie kam zu kurz, die Buchhaltung ebenso. «Es war einfach zu viel für uns», fasst es Artino zusammen. Als ihm seine Vermieterin, die SBB, im Sommer wegen ausstehender Mietzinsen kündigte, war Artino beinahe erleichtert. Heute weiss er: «Zwei Betriebe in so kurzer Zeit zu eröffnen, war zu viel. Hätten wir ein Jahr mehr gehabt, wären wir vielleicht besser vorbereitet gewesen.»

Fokus liegt auf Arbon

Den Kopf steckt der Gastronom auf Grund der aktuellen Lage aber nicht in den Sand. Viel mehr habe er seine Lehren aus der Sache gezogen, sagt er. «Wir konzentrieren uns jetzt ganz auf den Standort Arbon.» Hier hat er in den vergangenen Tagen frisch gestrichen, um das Ambiente gemütlicher zu gestalten, wie er sagt. Am Freitag, 23. Oktober, eröffnet er das «White Café» wieder. Die Produktionsstätte, die in Horn angesiedelt war, hat er nach Arbon verlegt. Das Glacesortiment bleibt bestehen. Diesen Winter will er ausserdem den Bereich Patisserie ausbauen und ein Mittagsangebot bieten. Artino ist überzeugt, dass er im Rahmen des summarischen Konkursverfahrens all seine ausstehenden Schulden wird begleichen können. Seine Leidenschaft für die Gastronomie und sein Arbeitswille sind ungebrochen.

SBB gibt sich wortkarg

Was unterdessen mit der Liegenschaft der SBB am Bahnhof Horn passieren wird, steht noch nicht fest. Moritz Weisskopf, Mediensprecher der SBB AG, schreibt auf Anfrage, man habe Kenntnis von der Situation. Zur Kündigung und der Frage, ob die SBB das Konkursverfahren angestossen habe, will er sich nicht äussern. «Zu einem laufenden Verfahren und zu Vertragsinhalten macht die SBB grundsätzlich keine Angaben», schreibt Weisskopf. Über die weitere Nutzung der Räumlichkeiten werde man entscheiden, sobald die rechtliche und vertragliche Ausgangslage geklärt sei. Die Eingabefrist für Forderungen beim Konkursamt St. Gallen läuft noch bis zum 26. Oktober.

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