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Die Visualisierung zeigt, wie das Ufer des Schwimmbads und des Seeparks nach der Renaturierung aussehen könnte: links die Kinderbucht, rechts der grosse Badestrand. Dazwischen befindet sich ein Steg ins Wasser. Im an die Badi angrenzenden Bereich des Seeparks soll eine neue Bucht mit vorgelagerter Insel entstehen, die Tieren als Lebensraum dienen soll.

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Für mehr Ökologie statt Erosion

Ein Badestrand, ein Steg ins Wasser und eine Lagune: Das sind die Pläne der Stadt für die Ufersanierung im Schwimmbad und dem angrenzenden Seepark.

Kim Berenice Geser

Es war kein Scherz, als «felix.» Anfang April 2022 titelte: «Schwimmbad verliert Boden». Das Seeufer in der Arboner Badi begann stellenweise einzubrechen, nachdem die Wellen jahrelanger am befestigten Ufer genagt hatten. Heute finden sich dort bis zu 80 Zentimeter tiefe Löcher. Was auch der Grund ist, weshalb rund 70 Meter Seezugang im Schwimmbad seit drei Jahren gesperrt sind. Um die Sicherheit wieder herzustellen und das Seeufer in der Badi wieder uneingeschränkt zugänglich zu machen, ist eine Sanierung dringend notwendig. Letzte Woche präsentierte die Stadt das Vorprojekt hierfür. Dass dessen Ausarbeitung so lange in Anspruch nahm, ist unter anderem der Komplexität des Projekts geschuldet. «Den Uferbereich einfach wieder zuzubetonieren, würde der Kanton nicht bewilligen», erklärt Daniel Bachofen, Stadtrat des zuständigen Ressorts Freizeit/Sport/Liegenschaften, an der Info-Veranstaltung letzte Woche. Eine schnelle und billige Lösung ist also allein schon aufgrund der geltenden gesetzlichen Vorgaben nicht möglich. Stattdessen besteht die Verpflichtung, das heute befestigte Seeufer bei einer Sanierung ökologisch aufzuwerten. Eine Vorgabe, die sich nicht nur auf Flora und Fauna positiv auswirken kann, sondern auch auf den Finanzhaushalt der Stadt. Denn je grösser die renaturierte Fläche ist, umso höher fallen die subventionierten Beiträge von Bund und Kanton aus. Mit ein Grund, weshalb sich der Stadtrat entschieden hat, den Parameter der Sanierung vom Schwimmbad bis zum Beginn der «Schütti» zu erweitern. 

Kinderbucht und Tierlagune

Auf der gesamten Uferlänge des Schwimmbads soll ein naturnaher, flacher Kiesstrand entstehen. Neben der Einstiegstreppe ist ein langer Steg in den See geplant, der einen zusätzlichen barrierefreien Zugang zum Wasser ermöglicht und den Strand in zwei Abschnitte teilt: eine kleine Kinderbucht und einen langen Badestrand. Im Wasser sind Flosse angedacht und an Land steht ein Winterwanderweg zur Diskussion, wie ihn andere Gemeinden längst kennen und er in Arbon in regelmässigen Abständen aufs Tapet gebracht wird.

Die Visualisierung zeigt, wie das Ufer des Schwimmbads und des Seeparks nach der Renaturierung aussehen könnte: links die Kinderbucht, rechts der grosse Badestrand. Dazwischen befindet sich ein Steg ins Wasser. Im an die Badi angrenzenden Bereich des Seeparks soll eine neue Bucht mit vorgelagerter Insel entstehen, die Tieren als Lebensraum dienen soll.
Die Visualisierung zeigt, wie das Ufer des Schwimmbads und des Seeparks nach der Renaturierung aussehen könnte: links die Kinderbucht, rechts der grosse Badestrand. Dazwischen befindet sich ein Steg ins Wasser. Im an die Badi angrenzenden Bereich des Seeparks soll eine neue Bucht mit vorgelagerter Insel entstehen, die Tieren als Lebensraum dienen soll.
© z.V.g.

Auch auf dem Abschnitt entlang des Seeparks zwischen Schwimmbad und «Schütti» ist eine naturnahe Ufergestaltung geplant. Dazu gehören ein Flachufer mit Kiesstrand im Westen und eine neu angelegte Bucht mit vorgelagerter Insel. Diese Lagune soll dicht mit Schilf bepflanzt werden, um zu verhindern, dass die zur Förderung der Artenvielfalt gedachte Bucht und die Insel als Treffpunkt fürs Grillfest missbraucht werden. 

Buchhaltung mit der Ökologie

Dass der Abschnitt entlang des Seeparks ins Projekt einbezogen wird, hängt, wie bereits erwähnt, mit den Kosten zusammen. Diese wiederum basieren auf der sogenannten Lebensraum-Bilanzierung, wie der zuständige Landschaftsarchitekt Kenneth Dietsche von der OePlan GmbH in Altstätten erläutert. «Das ist ein bisschen wie Buchhaltung», sagt er schmunzelnd. Denn um den Strand im Schwimmbad ohne Verkleinerung der Liegewiese realisieren zu können – was eine unbedingte Vorgabe des Vorprojekts war – muss in den See hinaus gebaut werden. «Die Fläche, die wir dem See hier wegnehmen, geben wir ihm im Seepark zurück», so Dietsche. Was dazu führt, dass die Bilanz unter dem Strich zu Gunsten des Gesamtprojekts ausfällt. Würde nämlich nur der Uferabschnitt im Schwimmbad saniert, betrüge der ökologische Mehrwert des Projekt gerade mal 14 Prozent. Die geplante Lagune bringt es auf 68 Prozent und das Flachufer West sogar auf 91 Prozent. Im Schnitt ergibt das im Vergleich zum Ist-Zustand einen ökologischen Mehrwert von 55 Prozent. Unter diesen Voraussetzungen kann davon ausgegangen werden, dass sich Bund und Kanton mit bis zu 80 Prozent an den Kosten beteiligen werden. Diese schätzen die Planer basierend auf bereits realisierten Richtprojekten auf 6 Mio. Franken (wovon allein 3,4 Mio. Franken auf das Schwimmbad fallen). Beim Gesamtkonzept hätte die Stadt nach Abzug der Subventionen davon noch 1,81 Mio. Franken zu tragen. Bei den abgespeckten Projektversionen ohne Lagune und Westufer fielen die Subventionen entsprechend tiefer aus. Die Stadt würde indes nur maximal 200 000 Franken einsparen. 

Online-Mitwirkung läuft jetzt

Die rund drei Dutzend Teilnehmenden der Info-Veranstaltung, darunter Parteivertreter von rechts bis links, zeigen sich durchs Band begeistert vom Projekt – inklusive dem angedachten Winterwanderweg, der für den Grossteil ein Muss ist. Diese und weitere Rückmeldungen, die im Rahmen des Online-Mitwirkungsverfahrens noch bis zum 13. April von der Bevölkerung eingereicht werden können, sollen in die Ausarbeitung des definitiven Projekts fliessen, die noch dieses Jahr stattfinden soll. Die Online-Mitwirkung läuft über die Plattform «Mein Thurgau» auf
arbon.meinthurgau.ch.

Altlasten: risikolos

Bekanntermassen ist das Arboner Seeufer eines, das es so natürlich nicht geben würde. Durch Aufschütten des Uferbereichs ab 1948 wurde dem See Land abgerungen: die heute bekannte Seepromenade entstand. Beim für die Aufschüttung verwendeten Material handelt es sich mitunter um Abfall. In der Folge ist das Seeufer heute als belasteter Standort im Kataster des Kantons Thurgau eingetragen. Im Zuge der geplanten Sanierung galt es deshalb abzuklären, ob besagte Altlasten im Boden belassen oder entsorgt werden müssen. Das Resultat: Von den Altlasten im Boden des Schwimmbads geht keine Gefahr einer Verunreinigung des Sees aus. Es ist allerdings notwendig, eine Abdichtung gegen Sickerwasser zum See hin zu erstellen. 

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