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Mehr als nur eine Kampagne

Die Region Oberthurgau hat viel zu bieten, vermarktet ihre Vorzüge aber mangelhaft. Mit dem neuen Label «Upper Thurgau» will die Regionalplanungsgruppe Oberthurgau dies nun ändern. Was sich dahinter verbirgt, darüber sprechen die beiden Projektverantwortlichen Gilbert Piaser und Samuel Struhs.

Kim Berenice Geser

Bis 2045 soll die Bevölkerung im Oberthurgau um 27 Prozent anwachsen. Im gleichen Zeitraum aber steigt die Zahl der Arbeitsplätze voraussichtlich nur um 3 Prozent. Diese Prognosen gehen aus einer Studie von Wüest Partner aus dem Jahr 2022 hervor. «Für uns waren diese Zahlen ein Weckruf», sagt Gilbert Piaser, Geschäftsleiter der Region Oberthurgau. Der Oberthurgau soll nicht zur Schlafregion verkommen, sondern das Wirtschaftswachstum aktiv fördern. Die Mitgliedergemeinden beschlossen deshalb, in den kommenden Jahren intensiv in die Standortförderung zu investieren. Im Oberthurgau ein herausforderndes Unterfangen, denn die Region hat – anders als St. Gallen oder Wil – nicht ein Zentrum, sondern mit Arbon, Amriswil und Romanshorn gleich drei sich ebenbürtige Städte. Ganz zu schweigen von den umliegenden Gemeinden und den lokalen Arbeitgebervereinigungen sowie den Gewerbevereinen. Will man die Region gesamthaft stärken und national wie international als Wirtschaftsstandort aufs Parkett bringen, braucht es die Zusammenarbeit aller genannten Player. Die wollen Gilbert Piaser und sein stellvertretender Projektleiter Samuel Struhs mit «Upper Thurgau» ins Boot holen.

Was will die Wirtschaft

«Upper Thurgau» ist der neue Name der Oberthurgauer Standortstrategie. Ähnlich wie die Arboner Standortförderung – bekannt als «ArbON» – sollen im Rahmen von «Upper Thurgau» die verschiedenen Akteure der Region miteinander vernetzt, Plattformen für Wissenstransfer bereitgestellt und Standortmarketing betrieben werden. Was das genau beinhalten wird, ist allerdings noch nicht fix definiert, denn: «Der offizielle Startschuss fällt erst anlässlich des Oberthurgauer Wirtschaftsmeetings im Oktober in Romanshorn», hält Struhs fest.

Gilbert Piaser (l.) und Samuel Struhs diskutieren im «ZIKpunkt».
Gilbert Piaser (l.) und Samuel Struhs diskutieren im «ZIKpunkt».
© Kim Berenice Geser

In der mehrmonatigen Vorlaufzeit will das zweiköpfige Projektteam die Bedürfnisse und Ideen der Wirtschaftsvertretenden abholen und eine allgemeine Strossrichtung definieren. Hierfür stellten die beiden das Projekt unter anderem an Anlässen wie der gestrigen GV der Arbeitgebervereinigung Region Arbon und der Egnacher Gewerbemesse nächsten Monat vor. Mit leeren Händen beziehungsweise ausschliesslich abstrakten Ideen kommen sie indes nicht. Als denkbare Aufgabengebiete von «Upper Thurgau» nennen Piaser und Struhs firmenübergreifende Programme zur Nachwuchsförderung, die gemeinsame Teilnahme an Messen und die Verstärkung einer koordinierten Raumentwicklung, welche die Ansiedlung und Expansion von Firmen möglich macht. Erste Beispiele für Standortförderungsprojekte wurden in den vergangenen Jahren mit dem «ZIKpunkt» und dem Verein PhytoValley Switzerland bereits lanciert. «Und natürlich wird es eine Webseite und einen Auftritt in den Sozialen Medien geben. Auch eine physische Kampagne mit Plakaten ist angedacht», sagt Piaser.

Generationenprojekt für die Region

Den Zuschlag für Auftritt und Vermarktung hat die Werbeagentur Vitamin 2 aus St. Gallen erhalten, die dies gleich zum Anlass nahm, in Arbon einen zusätzlichen Standort zu eröffnen. Für Struhs und Piaser eine erste kleine Erfolgsgeschichte der neuen Standortstrategie. Beide sind sich aber bewusst: Will das Projekt langfristig Bestand haben und dereinst selbsttragend sein, ist das Engagement der Wirtschaft unerlässlich. «Wir beziehen die Wirtschaftsverbände deshalb von Anfang an in den Prozess mit ein und wollen auch den Austausch unter ihnen fördern», so Piaser. Denn «Upper Thurgau» sei weit mehr als nur eine Werbekampagne. «Das ist ein Generationenprojekt mit dem Potenzial, die wirtschaftliche Zukunft einer ganzen Region sicherzustellen.»

So finanziert sich «Upper Thurgau»

Die Anschubfinanzierung für die Umsetzung der Standortstrategie der Region Oberthurgau kommt aus dem Fördertopf der Neuen Regionalpolitik (NRP). Mit dieser investiert der Bund zusammen mit den Kantonen in innovative Projekte, die ländliche Regionen als Wirtschafts-, Lebens- und Erholungsräume gestalten und nachhaltig weiterentwickeln wollen. Für das gesamte Projektbudget von rund 1,35 Mio. Franken wurde ein Förderbetrag von 965’000 Franken gesprochen. Davon fliesst, laut Piaser, rund die Hälfte in die Raumentwicklung. Den Rest der Projektkosten im Umfang von rund 400’000 Franken übernimmt die Region mit Eigenmitteln und -leistungen.

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