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Patrick und seine Schmetterlinge

Im Frühjahr spriesst auf der Schützenwiese das Grün und treibt Blüten. Bleiche Sonnenstrahlen treffen auf eisige Bise. Das hält die Hobbygärtner indessen nicht von ihrem Wirken ab. Heute gibt Patrick Einblicke in seinen Zaubergarten.

Alice Hofer

Was machst Du gerade?

Ich habe hier meinen eigenen Garten, 2x5 Meter. Nun schaue ich nach den Peperoni, die ich zuhause gezogen und neulich eingepflanzt hatte. Eigentlich bin ich heuer zu früh dran mit dem Setzen, da die Nächte immer noch frostig sind. Deshalb warte ich ab mit den anderen Pflanzen. Wenn die Peperoni überleben, bin ich glücklich. Auch die Kohlrabi hier, die sehen schon alt aus! Vielleicht erholen sie sich noch.

Seit wann gärtnerst Du hier, und warum?

Seit letzten Frühling, es ist also mein zweites Jahr. Da ich inzwischen pensioniert bin, habe ich noch mehr Musse dafür.

Was ist Deine Motivation zum Gärtnern?

Ich hatte schon als Kind oft im Garten meines Grossvaters mitgeholfen, und später lebte ich immer auf dem Land und hatte eigene Gärten. Ich habe mein Leben lang draussen gearbeitet, auch auf dem Bau; ich will in der Natur sein. Und hier kann man für wenig Geld in einer Gemeinschaft seine eigene «Landwirtschaft» betreiben, auch ohne kommerzielle Gründe. Es ist mein Hobby, alles selber zu machen, das gefällt mir.

Was ist Deine Zielsetzung? Dein Eigenbedarf? Oder verkaufen?

Ich verschenke vieles davon, da ich es alleine ja nicht alles essen kann… Einen vollen Korb stelle ich jeweils in unser Treppenhaus, wo sich meine Nachbarn bedienen können.

Hast Du die Setzlinge gekauft oder selber gezüchtet?

Ich kaufe schöne Bio-Peperoni, lasse sie zuhause reifen, und trockne die Samen sorgfältig für nächstes Jahr, weil sie dann resistenter sind. Auch die Stangenbohnen habe ich so gezogen, alles biologisch. Da mache ich keine Kompromisse. Dann lasse ich es einfach wachsen, ohne Schneckengift oder Pestizide.

Was wird das erste Gemüse sein, was Du ernten kannst?

Winterlauch, der ist jetzt bereits zu haben. Dieser eine grosse Stock hier ist schon zum dritten Mal hochgewachsen, nachdem ich ihn knapp über der Erde abgeschnitten hatte. So wird er allerdings auch etwas zäher im Geschmack.

Für Patrick ist Gärtnern gelebte Naturverbundenheit.
Für Patrick ist Gärtnern gelebte Naturverbundenheit.
© Alice Hofer

Was ist Dein Lieblingsgewächs?

Lustigerweise das, was ich früher am wenigsten mochte: Fenchel! Einige davon lasse ich dann stehen, denn der Busch wird sehr gross und schön, ein geeignetes Nest für Raupen, die sich hier verpuppen. Ich bin ein Schmetterlings-Fan und freue mich dann sehr darüber, wenn sie im Sommer ausschlüpfen.

Du investierst also viel Geld und Zeit?

Wenn man das Gemüse kaufen würde, wäre es billiger… aber das ist ja der Sinn der Sache: Alles selber aufziehen, hätscheln, man probiert und hat Freude daran.

Was ist Deine Lieblingsaufgabe? Säen, jäten, oder ernten?

Eigentlich das, was ich jetzt gerade tue: Alles schön zurechtmachen, vorbereiten, dazu schauen, bis es soweit ist. Geerntet wird dann jeden Tag ein bisschen, je nach Wachstum, nicht nach Termin wie im industriellen Anbau. Jetzt ist die schönste Zeit für mich.

Was hat der Garten Dir beigebracht?

Das Teilen. Ich gehe von 50 Prozent aus, die Hälfte für mich, die andere für Schnecken, Ameisen, Käfer, egal was. Ich könnte sie zwar davon abhalten, aber es stört mich nicht, wenn sie ihren Anteil abknabbern. Von den Kohlrabi wird wohl ein Teil nicht überleben, den Rest werde ich dann neu anordnen.

Falls dieser Platz aufgehoben werden würde, fühlst Du Stress deswegen?

Irgendwann wird es wohl soweit sein, da wir ja keinen Langzeitvertrag haben. Ich weiss nicht, ob ich irgendwo etwas Vergleichbares suchen und finden könnte. Einen Schrebergarten kann ich mir nicht leisten, mit Häuschen etc., und deshalb geniesse ich nun die verbleibende Zeit hier umso mehr. Wir haben inzwischen sogar zwei Bienen-Völker! Ich finde es spannend mit den verschiedenen Kulturen, und natürlich gibt es auch Konflikte, das gehört zum Übungsfeld des Lebens.

Sommerserie «Gartenlaube»

Der deutsche Orthopäde Daniel Gottlob Moritz Schreber (1808-1861) hatte stets den Kindern mehr Bewegung an der frischen Luft empfohlen. Zu seinen Ehren eröffnete man 1865 den ersten «Schreberplatz» in Leipzig: Eine Spielwiese, wo die Kinder von Fabrikarbeitern mit Betreuung eines Pädagogen spielen und turnen konnten. Später nannte man die ersten Pflanzplätze am Stadtrand «Schrebergärten». Bald etablierten sich in grossen Städten zahlreiche sogenannte «Kleingärten» bzw. «Familiengärten» als Erholungs- und Freizeitzonen. 1925 wurde der Schweizer Familiengärtnerverband gegründet, der inzwischen rund 23’500 Mitglieder zählt. Die Areale werden von Städten und Gemeinden zur Verfügung gestellt. Die «Schützenwiese» Arbon wird vom Verein ArbonGardening und HEKS bewirtschaftet, hier gibt es auch Gemeinschafts-Beete für Leute, die keinen eigenen Platz kaufen können/wollen: familiengaertner.ch/regionen-vereine/ostschweiz

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