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Vier von sechs Frauen des Vereins Arboner Stadttrachten präsentierten im Schloss Arbon ihre Trachten. Sie wünschen sich zukünftig mehr Mitglieder, damit die Tracht in ein paar Jahren nicht nur im Museum zu sehen sein wird.

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Tradition aufrecht erhalten

Der Verein Arboner Stadttrachten bereichert Anlässe mit seiner Präsenz und hilft bei Apéros und Empfängen mit. Er steht jedoch vor einer ungewissen Zukunft: Um die Tradition weiterzuführen, müssen dringend neue Mitglieder gefunden werden.

Manuela Müller

«Die Arboner Stadttracht ist ein spezielles Gewand, das gleich auffällt», schwärmt Ruth Pfister, die seit 1998 Präsidentin des Vereins ist. Dieses «spezielle Gewand» besteht aus einem Rock, einer gestreiften Schürze, einer weissen Bluse und einem farbenprächtigen Göller – dem Schulterteil der Tracht. Dazu gehören die schwarzen Trachtenschuhe, Trachtensocken und Handschuhe. Vervollständigt wird die Tracht durch die Flügelhaube, welche aus Seide besteht und mit Goldfäden bestickt ist. Was heute zur normalen Stadttracht gehört, war übrigens zu früheren Zeiten nicht allen gestattet: Nur verheiratete Frauen durften die schwarze Haube tragen, um zu signalisieren, dass sie «unter der Haube», also verheiratet, sind. Die Tracht, wie sie heute getragen wird, wurde im Jahr 1979 von der Thurgauer Trachtenvereinigung offiziell anerkannt. Sie wird bis heute vom Verein mit viel Stolz getragen: «Bei den Veranstaltungen, für die wir angefragt werden, geht es in erster Linie nicht um mich, sondern darum, die Tracht zu präsentieren und damit auch die Stadt Arbon zu repräsentieren», betont Pfister und ergänzt: «Unsere Tracht ist eine Seltenheit im Kanton. Umso schöner, an den Anlässen jeweils die Reaktionen der Besuchenden zu sehen. Denn auch viele Arbonerinnen und Arboner kennen die Stadttracht noch nicht.» So präsentieren sich die sechs Frauen, die dem Verein angehören, jeweils an Veranstaltungen wie zum Beispiel der Neujahrsbegrüssung oder dem Buss- und Bettag, sowie am eidgenössischen Trachtenfest.

Auf der Suche nach Mitgliedern

«Die Veranstaltungen wurden mit der Zeit immer weniger. Vor einigen Jahren waren wir noch an fünf bis acht Anlässen präsent – heute sind es noch etwa zwei bis drei», sagt die Präsidentin. Nicht nur die Veranstaltungen, für die die Frauen angefragt wurden, reduzierten sich, sondern auch die Anzahl Mitglieder im Verein. «Wir hatten lange Zeit jeweils zehn Frauen, welche die Tracht und die Stadt Arbon repräsentieren wollten. Mittlerweile sind wir noch zu sechst, die Hälfte ist etwa 70 Jahre alt. Umso schöner wäre es, weitere Mitglieder für unseren Verein zu gewinnen», betont Ruth Pfister.

Vier von sechs Frauen des Vereins Arboner Stadttrachten präsentierten im Schloss Arbon ihre Trachten. Sie wünschen sich zukünftig mehr Mitglieder, damit die Tracht in ein paar Jahren nicht nur im Museum zu sehen sein wird.
Vier von sechs Frauen des Vereins Arboner Stadttrachten präsentierten im Schloss Arbon ihre Trachten. Sie wünschen sich zukünftig mehr Mitglieder, damit die Tracht in ein paar Jahren nicht nur im Museum zu sehen sein wird.
© Manuela Müller

Ein riesiger Vorteil des Vereins ist laut Präsidentin Pfister, dass sie nicht jede Woche einen Termin oder Proben haben, wie andere Trachtengruppen, die das Repräsentieren der Tracht mit dem Singen oder Tanzen verbinden. Dadurch könne der Vereinseinsatz locker gestaltet werden. «Es braucht nicht an jedem Anlass alle sechs.» Für einen Einsatz werden in der Regel etwa drei bis vier Stunden eingeplant. «Wenn sich jemand für unseren Verein interessiert, spielt es keine Rolle ob Mann oder Frau», erklärt sie. Pfister räumt auch mit der falschen Annahme auf, dass die Tracht nur von Arbonerinnen und Arbonern getragen werden könne. «Jede und jeder der Freude an der Stadttracht und der Repräsentation hat, kann sich bei uns melden.» Denn den Arboner Stadttrachten soll es nicht so ergehen, wie vielen anderen traditionellen Vereinen. Seit Anfang der Thurgauer Trachtenvereinigung sind nämlich von 18 Vereinen noch 11 übrig.  «Es wäre schade, wenn die Tracht bald nur noch in einer Museumsvitrine zu sehen wäre.»

Arboner Stadttrachten

Mit der Wiederentdeckung der Arboner Stadttracht hat sich der ehemalige Arboner Stadtarchivar Rolf E. Kellenberg in einer seiner Ausgaben von «Kleine Hefte zur Arboner Geschichte» befasst. Darin zu lesen sind unter anderem der lange Weg und der Einsatz von Jeannette Züllig und Carl Neininger, welche Jahre damit verbrachten, den Ursprung der traditionellen Arboner Stadttracht zu erforschen und wieder populär zu machen. Auch die Beteiligung der Stadt am Kauf von sechs Trachten in Höhe von 3 000 Franken in den 1970er-Jahren erwähnt Kellenberg. Bei Interesse, den Verein in Zukunft zu unterstützen, steht Vereinspräsidentin Ruth Pfister gerne unter 076 348 55 07 für weitere Auskünfte und Informationen zur Verfügung.

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