Unbeeindruckt vom Defizit
Kim Berenice GeserAlle Jahre wieder kommt das Budget-Minus. Letztes Jahr waren es gut 640’000 Franken, in diesem Jahr rechnet der Horner Gemeinderat gar mit etwas über 750’000 Franken Defizit. Hier bereits mitgerechnet sind die neu 150’000 statt der budgetierten 75’000 Franken für die Beschaffung eines E-Traktors, die an der Budgetversammlung am Dienstag von einer Bürgerin beantragt wurden. Die Antragstellerin begründete dies damit, dass die Gemeinde eine Vorbildfunktion habe. Statt eines Verbrenners sei deshalb ein nachhaltiges Gefährt anzuschaffen. Dem stimmte nicht nur gut die Hälfte der insgesamt 204 anwesenden Stimmberechtigten zu – was einer Stimmbeteiligung von 9,4 Prozent entspricht – sondern auch der geschlossene Gemeinderat. Die negativen Budgetzahlen beeindruckten also kaum. Wenig überraschend, bedenkt man, dass sowohl der Gemeinderat als auch die Schulbehörde im Budgetprozess der vergangenen Jahre stets das «strukturelle Defizit» heraufbeschworen hatten, die Rechnungsabschlüsse hingegen immer positiv ausfielen. Dies wird auch 2025 so sein, tat Gemeindepräsident Thierry Kurtzemann an der Versammlung kund, um lakonisch anzufügen: «Wir werden ja sehen, was das wieder für Schlagzeilen gibt.» Bei einem gleichbleibenden Steuerfuss von 34 Prozent sieht das Horner Budget 2026 einen Aufwand von gut 10 Mio. Franken und einen Ertrag von 9,3 Mio. Franken vor. Das daraus resultierende Defizit wird nach Angaben des Gemeindepräsidenten mehrheitlich durch gebundene Ausgaben befeuert. Also Ausgaben, auf die kaum Einfluss genommen werden kann. Dazu gehören vor allem die Gesundheitskosten und die Sozialausgaben. Letztere werden 2026 durch den starken Anstieg der Fallentschädigung an die Berufsbeistandschaft Romanshorn zu Buche schlagen. Ebenfalls steigen werden die Informatikkosten, sowie die Abgaben an die Bibliothek, unter anderem, um den dortigen Angestellten erstmals seit zehn Jahren eine Lohnerhöhung zu ermöglichen. Der vormals gestrichene Beitrag an den FC Steinach von 12’000 Franken wird wieder ins Budget aufgenommen. Die geplanten Investitionen belaufen sich auf 1,2 Mio. Franken, wovon ein Grossteil auf Strassensanierungen entfällt.
Investition in einen Traditionsverein
Solidarisch zeigt sich die Horner Bevölkerung mit ihrem Schützenverein. Sie spricht sich einstimmig für den Erhalt und die notwendige Sanierung des Schützenhauses, der Trefferanzeige-Anlage und des Kugelfangs aus, dessen Instandsetzung gesetzlich vorgeschrieben ist. Die ersten beiden Posten belaufen sich auf total 347’500 Franken. Von diesen Kosten fallen zwei Drittel auf die Gemeinde Horn und ein Drittel auf die Gemeinde Tübach, die gemeinsam die Schiessanlage betreiben.
Für die Sanierung des Kugelfangs sind 315’600 Franken veranschlagt, wobei 40 Prozent davon durch Bundesbeiträge gedeckt werden können. Die restlichen 160’400 Franken werden nach demselben Verteilschlüssel zwischen Horn und Tübach gesplittet. Die Zahlen gelten unter dem Vorbehalt, dass auch die Tübacher Stimmbevölkerung der Sanierung zustimmt. Wobei diese nach Angaben von Kurtzemann kaum eine andere Wahl hat, da vertragliche Verpflichtungen bestehen.
Noch mehr Platz für Wohnraum
Abschliessend gab es ein Update zum ehemaligen Raduner-Areal, das die Bevölkerung auf anhaltend steigende Steuereinnahmen hoffen lässt: Der Gemeinderat hat den kommunalen Richtplan zu Gunsten der Peterhans AG angepasst. Diese kann neu einen Gestaltungsplan mit 90 zu 10 Prozent Wohn- und Gewerbeanteil ausarbeiten. Damit hat sie dieselben Voraussetzungen wie das Nachbargrundstück, auf dem die Überbauung Arrivée entsteht. Bis anhin galt für das Peterhans-Areal das Verhältnis 20 zu 80 Prozent Wohn- und Gewerbenutzung. Im Zuge des angedachten Gestaltungsplan-Verfahrens will man der Peterhans AG den Bau eines Pumptracks schmackhaft machen. Für die Erstellung eines solchen hatten Kinder im Oktober 2025 hundert Unterschriften beim Gemeinderat eingereicht.
Das Budget in Kürze
Die Schulbehörde legte der Stimmbevölkerung ein Budget 2026 vor, das mit einem Aufwand von 7,96 Mio. Franken und einem Ertrag von 7,50 Mio. Franken rechnet. Daraus resultiert ein Defizit von 453’900 Franken. Dies bei einem gleichbleibenden Steuerfuss von 65 Prozent. Die Stimmbevölkerung nahm sowohl Budget als auch Steuerfuss grossmehrheitlich an.