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Ein Appell an die Toleranz

Steinacher Anwohnende der Hauptstrasse beklagten sich letzte Woche in einem offenen Brief an die Gemeinde Horn über die Lärmemissionen des «Strandgartens». Diese Woche äussert sich Gemeindepräsident Thierry Kurtzemann zum Anliegen der Lärmgeplagten

Kim Berenice Geser

«Wir alle Anwohner der Hauptstrasse Steinach, gegenüber dem Strandgarten auf Horner Seite, können diese immense Lärmbelästigung nicht mehr erdulden.» So beginnt der offene Brief an die Gemeinde Horn, der die Bitte enthält, die Techno-Veranstaltungen des Gastrobetriebs am Horner Hafen künftig nicht mehr zu bewilligen (siehe «felix.» Nr.29/25). Wer jetzt das Gefühl hat, diese Geschichte schon einmal gehört zu haben, täuscht nicht. Vor genau einem Jahr machte ein Leserbrief mit ähnlichem Inhalt Schlagzeilen. Statt Sanktionen rief er eine Solidaritätswelle hervor. Und auch letzte Woche folgten die Solidaritätsbekundungen der Publikation auf den Fuss (siehe «felix.» Nr.30/25). Der Horner Gemeindepräsident Thierry Kurtzemann zeigt Verständnis für beide Seiten.

Beschwerde wird ernst genommen

«Der Gemeinderat ist sich bewusst, dass die Art von Musik nicht allen gefällt», schreibt er auf Anfrage. Ebenso sei man sich im Klaren darüber, dass während den Veranstaltungen mit einer gewissen Lärmbelastung im Quartier gerechnet werden müsse. Man sei jedoch der Ansicht, dass zwei derartige Anlässe pro Jahr in einem klar vorgegebenen Zeitfenster möglich sein sollten. Mehr Termine hat der Gemeinderat dieses Jahr nämlich nicht bewilligt, wie Kurtzemann mit einem Auszug aus einer Gemeinderatssitzung belegt. Demnach durften die «Strandgarten»-Betreibenden an zwei festgelegten Daten von 14 bis 22 Uhr Musik mit einer maximalen Lautstärke von 93 Dezibel machen. «Der Anlass erfreut sich bei einem jüngeren Publikum grosser Beliebtheit», hält der Gemeindepräsident fest. Dennoch nehme man die an den Gemeinderat herangetragene Beschwerde ernst. Bei der Bewilligung eines neuen Gesuches 2026 werde man deshalb Überlegungen anstellen, wie das Einhalten der Lautstärke geprüft werden könne oder ob allenfalls eine Reduktion in Frage komme. Auch das Zeitfenster will er noch einmal ansehen. Vor allem aber sollen die Anwohnenden wie auch die Betriebe in den beiden Häfen künftig rechtzeitig informiert werden. «Nicht nur über die sozialen Medien, sondern auch über konventionelle Kommunikationskanäle», versichert Kurtzemann, der die Thematik an der nächsten Gemeinderatssitzung besprechen und das Gespräch mit den Veranstaltern suchen will. Deren mangelnde Kommunikation war neben der Lärmbelästigung das zweite dringliche Anliegen der Briefeschreiber. Zum Schluss appelliert der Gemeindepräsident – wie bereits im Vorjahr – an die Toleranz der Bevölkerung: «Wenn Lärmemissionen aufgrund kultureller Veranstaltungen – unabhängig der Stilrichtung und Form – in der Bevölkerung für einen bestimmten Zeitraum nicht mehr toleriert werden, können auch beliebte Veranstaltungen wie das SummerDays, Fussballspiele und letztlich auch die Bregenzer Festspiele nicht mehr durchgeführt werden.» Das könne nicht das Ziel sein.

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